Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Er suchte wie ein Wilder. Die Türen der Schränke und Schubladen standen offen und der Inhalt ergoß sich auf den Boden des Zimmers. Es war wie verhext. Irgendwo mußte er doch fündig werden. Seine Einzimmerwohnung war sonst so beengend doch heute erschien sie ihm wie ein einziger rißiger Heuhaufen in dem er die verfluchte Stecknadel suchte. Gleich zu Beginn hatte er schon das Gefühl, daß es dieses mal nicht die schnelle Nummer wird. Es half auch sein Trick nicht die Suche dadurch abzukürzen, daß er einfach dort zu suchen begann wo er normalerweiße erst ganz zum Schluß suchen würde. Aber wie sollte sie auch in der Werkzeugkasten unter dem Waschbecken gekommen sein? Gestern abend hatte er sie schlißlich noch benutzt. Doch dann hatte er einen Anruf bekommen, der ihn aus der Fassung gebracht hatte und die Fernbedienung war aus seiner Wahrnehmung gehuscht wie eine Schabe, wenn man das Licht an macht.

Verzweifelt fegte er die Klamotten vom Stuhl, setztesich und betrachtete resignierend das Chaos, das er angerichtet hatte. Es würde Tage dauern, bis er all das wieder in Ordnung bringen würde. Er warf einen Blick auf die Uhr in der Küchenzeile, in der sich ebenfalls Berge von Geschirr stapelten. Er zündete sich eine Zigarette an und atmete den beisenden Rauch tief ein. Sofort unterdrückte er den Hustenreiz, den er immer beim ersten Zug verspührte. Die beruhigende Wirkung dieser Atemübung wollte sich einfach nicht einstellen. Auch nicht nach dem zweiten oder dritten Zug. Angewiedert warf er die halb gerauchte Zigarette ins Waschbecken und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare um durch diese Geste wieder zu sich selbst zu finden. Er mußte Ruhe bewahren, mußte sich nach gestern zurück versetzen, sich Schritt für Schritt erinnern, was passiert war.

Er schloß die Tür auf, betrat seine Wohnung, knipste das Licht an und bemerkte erneut, daß die Glühbirne auch beim 10 Versuch nicht zum Glühen zu bringen war. Er sollte sie endlich ersetzen, da klingelte sein Handi. Der Name auf dem Display jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Er knallte die Türe zu, holte tief Luft und knurrte ins Telefon: „Was?“ Es folgte ein Gespräch mit seiner Mutter das so ablief wie diese Gespräche immer abliefen. Sie machte ihm Vorwürfe, daß er sich nicht blicken lasse schließlich sei man doch eine Familie…bla bla bla. Und endlich kam was immer kam: „könntest du mir nicht die Bäume im Garten schneiden? Ich habe bei einem Gärtner nachgefragt aber der ist ja der reinste Halsabschneider… 300 $ für die paar Stunden Arbeit das kann ich mir unmöglich leisten…. Ich bin nächste Woche übrigens nicht da wir machen doch die Mittelmeerkreuzfahrt. Du hast also eine Woche Zeit, dann bin ich wieder zu Hause. Bis dann.“ Er hatte sich das `Leck mich` dieses mal verkniffen und trotzdem war er auf 180. Er hatte sich ein Bier aus dem Kühlschrank geholt um sich von Alkohol und sinnlosen Fernsehsendungen den Frust aus dem Hirn pusten zu lassen. Schließlich war er eingeschlafen und mit Kreuzschmerzen aufgewacht.

Aber natürlich im Kühlschrank. Er machte einen Satz zum Kühlschrank und riß die Türe auf. Wie oft hatte er die Geschichte von der Fernbedienung im Kühlschrank schon gehört. Alles Idioten hatte er immer gedacht. Sollte er nun auch soweit sein? Mit schnellen Blicken scannte er den mageren Inhalt des Kühlschranks. Milch – die war sicher auch schon sauer. Zwei Dosen Wurst, ein Glas Essiggurken, ein Überbleibsel von letztem Silvester, aber nicht, was er suchte. Endteuscht darüber, daß er sie nicht gefunden hatte aber erleichtert, daß er noch nicht zu diesen senilen Vollidioten gehörte die Dinge im Kühlschrank liegen lassen knallte er die Kühlschranktüre zu.

Er mußte endlich los sonst würde er zu spät zur Arbeit kommen. Er ging zur Tür, nahm einen Schlüßelbund vom Haken und ließ einen letzten Blick über das Chaos in seinem verwüsteten Zimmer gleiten. Dann öffnete er die Tür. Sein Blick fiel auf eine Postkarte an der Wand, auf der Stand: Am Ende wird alles Gut. Ist es nicht gut, ist es auch nicht das Ende. Er trat ins Treppenhaus und ließ die Tür ins Schloß fallen. Tja dachte er. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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3 Gedanken zu “Die Hoffnung stirbt zuletzt…

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