Durchgedacht (die Vierte – Die Hoffnung)

Unverhofft kommt oft. „Unver“ ist es also, wenn es trotz fehlender Hoffnung zu einer glücklichen Wendung kommt. Unfair? Nicht unbedingt. Die Wertung darüber liegt im Auge des Betrachters, des Anderen, wo gelegentlich auch Balken sein sollen, nicht nur Splitter.

Unverhofft, ein Un-Wort also. Die Silbe „un“ hebt auf, was danach kommt: Undank, ungenau, unvereinbar, unwiderstehlich. Silben sind ein besonderer Schatz. Zum Edelmetall fehlt ihr nur das „R“. Abe auch ohne diesen Buchstaben lässt es sich gut scheiben, eden und spechen.

Was ist nun mit diesem „verhofft“?

Erhofft – er hofft, sie hofft – mit einem V. Vau wie Pfau ohne P wie Protektion. Letztere hilft manchmal sogar dann noch weiter, wenn schon alle Hoffnung verloren ist. Nur mit der Ehr ist es dann nicht mehr weit her, im Erhofften.

Hoffen also mit un+ver. Im Unverhofften werden zwei negative Vorsilben vorangestellt, wodurch es wieder zu einem positiven Wort und Wert wird. Ein mathematisch erklärbares Wort. Wie schön. 🙂

Die Silbe „ver“ kennen wir wohl. Aus verloren, verirrt, verwirrt, vertan. Kann man sich verhoffen? Daneben hoffen? Ungenau hoffen? Vielleicht hoffte man ja insgeheim, dass … aber man wagte es nicht auszusprechen, kaum selbst zu denken. Denn die Hoffnung sei ein zartes Pflänzchen, heißt es. Man will es nicht verschrecken. Hegen muss man es! Und so hegt man die Hoffnung. Aber, oh weh! Was tun, wenn nichts so kommt, wie man gehofft hatte? Geh oft! – das kann man immer, oder zumindest oft. Einfach weggehen und aufgeben. Oder „Augen zu und durch“, weiter machen, nur fest daran glauben.

Glaube und Hoffnung – ein treues Paar: Der Glaube und die Hoffnung. Er ist schon alt und doch lebendig in so vielen, nein, sogar in allen. Denn alle glauben – an etwas und sei es das Nichts. Die Hoffnung sieht daneben viel jünger aus. Sie keimt erst auf. Dann blüht sie, glühend, funkelnd schön.

Ein Funke Hoffnung fällt dir vor die Füße. Hoffnungsvoll betrachtest du ihn, wie er glitzert und leuchtet. Dann fängt er an zu erlöschen. Hoffentlich passiert noch ein Wunder. Den Atem anhaltend betrachtest du das Geschehen und erwartest bangend die Erfüllung, aber die Hoffnung ermüdet zusehends. Den Blick abwendend hörst du sie noch ächzen und jammern. Sie greift hilfesuchend nach deinem Arm. Obwohl es schon hoffnungslos scheint, drehst du dich noch einmal um und hilfst ihr. Du setzt sie vorsichtig in den einen, die eine, das eine …  Da sitzt sie nun und ruht sich aus. Und dann?

Wäre es ein Märchen käme ein Prinz oder eine Fee und es gäbe ein kitschiges Happy End.

Aber im wirklichen Leben, da stirbt die Hoffnung zuletzt. Wer trägt sie jetzt nur zu Grabe, wenn keiner mehr da ist?

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3 Gedanken zu “Durchgedacht (die Vierte – Die Hoffnung)

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