Zurück aus Kauderwelschhausen

Einige von euch haben ja mitbekommen, dass ich die letzten, schönen, sonnigen und heißen Tag lieber im klimatisierten Krankenzimmer eines ortsansässigen Krankenhauses verbracht habe. So halb freiwillig. Wie so ein spontaner, ungeplanter Aufenthalt halt ist.

Für viele ist die medizinische Fachsprache schließlich auch Kauderwelsch pur. Da werden dem Patienten Begriffe lateinischen oder griechischen Ursprungs entgegen geworfen, immer mit so einem mahnenden Blick, einem angedeuteten Kopfschütteln und einem Raunen in der Stimme, dass man sich spätestens dann nicht nur krank, sondern fast dem Tode geweiht vorkommt, dem man nur dank der ärztlichen Rettungsaktion von der Schippe springen kann.

Blöd, wenn man eine bzw. zwei umfassende medizinische Grundausbildungen genossen hat und zumindest 95% der Begriffe versteht. Nicht umsonst ist Personal eher ungern auf der nicht arbeitenden Seite gesehen. Man läßt sich kein X für ein U vormachen.

Dennoch war die Notaufnahme in diesem Fall unumgänglich und auch, dass ich einen OP-Saal mal nicht in grüner Marsmännchenkleidung laufenderweise betrat, sondern mich komfortabel liegend einschieben lies.

Es lief alles gut ab, obwohl es sich als etwas komplizierter herausstellte, wie anfangs gedacht. Kaum zurück auf Station kam aber die Kämpferin in mir wieder hervor. So nett ich zu den „Kolleginnen“ menschlich bin, kann ich durchaus nerven, bis ich alle Schläuche, die mir nicht gehören, los werde. Vor allem, wenn sie keinen Sinn mehr haben. Ärztlicherseits wollte man mich von der Notwendigkeit überzeugen, schmiss mir Kauderwelsch an den Kopf (welches mich wohl ängstigen und gefügig machen sollte) und ich setzte mal wieder meinen Kopf durch und bestand auf der Entfernung aller Fremdkörper nach und nach.

Dann ging es nach drei weiteren schlaflosen Nächten – boah, es klingelt, es klopft, Licht an, Licht aus, Blutdruckmessung… wer soll sich da erholen? – um die Entlassung. Cheffe gefielen meine Werte noch nicht und empfahl mir eine Zusatzübernachtung im Etablissement. Ich fand die Werte zwar nicht gut, sah aber die Rückläufigkeit und da ich auf die übliche Einnahme von (indizierten?) Medikamenten verzichtet hatte, stand für mich fest, dass das die Werte eben nicht so schnell runter gedrückt hatte, wie es sonst bei anderen Patienten wäre.

Mit dem Hinweis, dass die Werte zwei Tage später nochmals kontrolliert werden müssten und ich gegen ärztlichen Rat ginge ( was ich selbstverständlich unterschrieb), ich bei Beschwerden sofort wieder kommen müsste und man mir dennoch alles gute wünsche, sattelte ich mein Pferdchen und konnte nun endlich mal wieder tief, fest und lange schlafen.

Und die Moral von der Geschichte: manchmal ist es gut, wenn man Kauderwelsch spricht.

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7 Gedanken zu “Zurück aus Kauderwelschhausen

  1. Viele Genesungswünsche von Einer, die ebenfalls erst letzte Woche aus Kauderwelschhausen zurückkehrte und froh ist in ihrem eigenen Bett durchschlafen zu können. Kein morgendliches Aufwachen durch die Kontrolle der Nachtschwester um 5.00 Uhr und kein Abendessen mehr um 17.00 Uhr 😉

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      1. Danke für die Wünsche! Ich war am Anfang des Flurs. Sie haben bei mir mit der Verteilung begonnen. Deshalb war das Essen so früh. Meistens so zwischen 17.00 und 17.45 Uhr. 😉 Dafür habe ich kein Gepiepse vom Schwesternzimmer mitbekommen!

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