Ohnmacht, oder: das habe ich nicht bestellt

Bevor ich nun meinen Gedanken freien Lauf zu meinen Fingern lasse, welche auf der Tastatur „ruhen“, sollte und muss ich wohl vorausschicken, dass weder mir noch einer mir nahestehenden Person etwas geschehen ist und ich auch kein Gewaltverbrechen beobachtet habe … Seit gestern ist jedenfalls alles Surreal und irgendwie Grotesk …

Langsam hatte ich das Gebäude verlassen, meine Beine wirken als würden sie gleich unter meinem Gewicht brechen, wären nicht mehr fähig mich zu tragen. Ein Kloß im Hals nimmt mir beinahe die Luft zu atmen. Tränen lassen den Weg vor mir verschwommen erscheinen.

Schließlich erreiche ich mein Auto, stelle beim Griff zum Autoschlüssel fest, dass ich gewaltig zittere, ich lasse mich auf den Fahrersitz plumpsen, scheinbar nebenbei bemerke ich die Uhrzeit, schließe und versperre die Türen von innen, berge mein Gesicht in meinen Händen und höre mich Schluchzen … es ist seltsam, gedämpft, als wär ich gar nicht in mir drinnen.

Zwanzig Minuten sollen vergangen sein als ich den Schlüssel endlich ins Zündschloss stecke und mich fähig fühle den Weg in die Arbeit hinter mich zu bringen. Was war in diesen zwanzig Minuten passiert? Hatte ich nur geweint? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht mehr.

Da ist er, der wohl seltsamste Gedanke, welcher nun in mir hochkommen konnte … das habe ich nicht bestellt.

Wie war ich in die Arbeit gekommen? Frage ich mich in meiner ersten Pause, während ich um das Gebäude spaziere. Ich muss mich ablenken, erneut steigen Tränen, Bilder und Geräusche in mir hoch … Ich weiß es nicht mehr …

Der Galan sorgt sich, ich beantworte heute seine SMS kaum und wenn ungewohnt knapp … Kann ich es ihm erzählen? Ich weiß es nicht …

Das habe ich nicht bestellt …

Über den Stress in der Firma beklage ich mich nicht, ich bin froh, mein Kopf hatte keine Zeit … Erst als ich wieder nach Hause fahre, fängt es von vorne an. Mein Auto, die Landschaft, die Straße aber auch ich selbst … Alles ist anders, seltsam fremd.

Ein gutes Stück des Heimweges fehlt meiner Erinnerung, war ich zu schnell oder zu langsam gefahren? Ich weiß es nicht …

Die hündischen Damen des Hauses stürzen in den Garten, sie können mich heute nicht erfreuen oder zum Lächeln bringen … Spielte ich mit ihnen? Ich weiß es nicht …

Der Galan kommt nach Hause, sprechen fällt mir schwer … Habe ich ihn überhaupt begrüßt? Ich weiß es nicht …

Das habe ich nicht bestellt …

Erst spät nach Mitternacht soll ich einschlafen, mein Kopf gönnt mir keine Pause oder Ruhe, ist es still spielt es sich immer und immer wieder vor meinem Auge ab … Die Geräusche, die Reaktionen der anderen Menschen, die Ohnmacht die ich in diesem Moment so deutlich gefühlt habe wie noch nie etwas in meinem Leben …

Das habe ich nicht bestellt …

Als ich endlich einschlafe, Träume ich davon und wache einige Male auf …

Das habe ich nicht bestellt …

Schließlich sitze ich in meiner Küche, allein, heute Morgen, denke erneut an gestern, noch immer ist alles Fremd, Surreal … Noch immer kann ich nicht lachen und auch während der Fahrt ins Büro und dort sollen mehrere Tränen meine Augen verlassen …Wird es wieder besser? … Ich weiß es nicht …

Mein Empfinden und meine Wahrnehmung wird in einigen Tagen, oder Wochen wieder verändert sein, werde ich wieder ich? Absurder Gedanke, unbedeutend …

Aber wie wird es dieser Person ergehen ? Wird sie es überstehen? Hat sie es überstanden? … Ich weiß es nicht …

Alles was ich weiß ist, dass ich mir noch nie so sehr ein Wunder für eine fremde Person gewünscht habe, wie in den letzten beiden Tagen …

Und da ist er wieder dieser bescheuerte, lächerliche Gedanke … diese Ohnmacht, das habe ich nicht bestellt …

Bereits gestern wollten die Gedanken Herrschaft über die Tastatur übernehmen, ich entschied es sei falsch, heute drängten sie erneut, mehrmals, an die Tastatur und ich weiß noch immer nicht ob es richtig oder falsch ist/war, es zuzulassen …

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4 Gedanken zu “Ohnmacht, oder: das habe ich nicht bestellt

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