Bäh! Oder: Kurzer Gedanke über einen Teller

Ein Restaurant. Türe auf, hineingehen, kurz umsehen, einen freien Platz ansteuern, Platz nehmen. Der Kellner kommt. Ich bestelle ein Getränk, nehme die Speisekarte, schlage sie auf und überfliege die Liste mit den Augen. Kurzes Überlegen. Habe ich ausgewählt und mache auch einen dementsprechend gewählten Ausdruck auf oder Eindruck beim Kellner, kommt letzterer wieder an meinen Tisch und nimmt die Bestellung entgegen.

Nach einer kurzen oder hoffentlich nicht länger als angemessenen Wartezeit erscheint der Kellner wieder und trägt den Teller Schrimps mit Reis feierlich vor sich her. Ich greife zur Serviette, da geht die Küchentür erneut auf. Ein weiterer Kellner kommt aus der Küche und geht zielstrebig zu meinem Tisch.

Und hinter ihm kommt noch ein Kellner und noch einer. Sie alle tragen … etwas auf den ersten Blick Undefinierbares, ein Gemenge aus Flossen, Augen, Schildkrötenpanzer, offene Münder, einfach eklig. Manches darin scheint sogar noch zu zappeln. Die Küchentür steht nicht mehr still. Noch ein Kellner und noch einer. Es sind außer „meinem“ Kellner noch 26 andere, die sich mit voll beladenen Tellern rund um meinen Platz im Restaurant scharen.

Ihr Schrimps mit Beifang¹ …“ sagt der erste Kellner und stellt die Speise vor mich hin.

Da wird die Küchentür aufgestoßen und ein Küchenjunge kommt heraus, der einen 5-Liter-Kanister Wasser schleppt. Hinter ihm kommt ein weiterer Bursche, ebenfalls mit einem Kanister und noch einer und noch einer. 60 Burschen mit insgesamt 300 Liter Wasser.

„… mit einer Portion Reis und das Wasser, das für die Produktion benötigt wurde.

Der erste Kellner nickt mir zu und geht. Alle anderen bleiben rund um mich stehen und starren mich erwartungsvoll an.

Das habe ich doch gar nicht bestellt“ murmle ich und schlucke schwer, um nicht dem Brechreiz nachzugeben, der mich plötzlich plagt.

Oder doch?


¹ Quelle: Foer, Jonathan Safran (2009): Eating Animals. London: Penguin Books, S. 49

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11 Gedanken zu “Bäh! Oder: Kurzer Gedanke über einen Teller

      1. Ich stelle hier deinen Charakter nicht in Frage, Flumsel. Im Gegenteil gehe ich davon aus, dass du etwas anderes wolltest. (Der Vollständigkeit halber, gelegentlich unangemessenes Verhalten geht auch in Ordnung.)

        Gefällt 1 Person

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