Gnuudschflegg

Da hammer ja mal wieder änn Dhema, also mal ährlisch.
Das habsch aber nisch beschdelld.
Is aber lusdisch.
Weils misch an meene Juchendzeid erinnerd. Die isch einsche Jahre inner säksischen DDR-Medrobole erleben durfde.

So, nun aber mal wieder ohne meine Kindheitssprache zu verhohnebiebeln 😉

Tatsächlich lebte ich einige Jahre in einer Messestadt, die es auch heute noch in sich hat.
Dann wurden wir Kinder, also ich und meine ältere Schwester leider !!! von unsrer Muddi und deren Lebensgefährten/Freund (*grrrrrrrrrrrrr*) in eine bewaldete, uns durch Kurzurlaube nicht ganz fremde, aber völlig unglaublich ländliche, etwa 150 Kilometer entfernte Umgebung gezogen.
KULTURSCHOCK!!!

Aber die Jahre in der STADT waren toll.
Wenn Messe war, zweimal im Jahr, fuhren wir, einige Kumpels und Freundinnen aus der „Straßen-Nachbarskinder-Spiel-Gruppe“ 😉 tatsächlich alleine ohne erwachsene Begleitung !!! mit der Straßenbahn die gefühlten 20 Kilometer in die Innenstadt.
Sechs oder acht Kinder, von acht bis zwölf Jahren, so in etwa.

Bildquelle: http://WEWEWE.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10467.jpg http://WEWEWE.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,4884063,page=all
Bildquelle:
http://WEWEWE.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10467.jpg
http://WEWEWE.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,4884063,page=all

Rein in die Straßenbahn, den grünen Lochschnipsel (Kinder von sechs bis 18) in den dafür vorgesehenen Schlitz des Locherautomaten, abwarten bis es rattert und PING macht und gucken, welches Muster die Löcherchen bilden.
Ordentlich, aber wenn möglich alle irgendwie zusammen, auf die doch eigentlich bequemen Plastik-Stühle der Straßenbahn hinsetzen.

Da fällt mir noch ein: wir waren (sind) so erzogen (worden), dass wir älteren Leuten, ohne das ALTER wissen zu können, aufstehend unseren Sitzplatz angeboten haben, wenn die Tram mal voll war 😀 .

Nach und nach stiegen immer mehr  Leute ein, manche später auch wieder aus.

 

Irgendwann ein Päärchen, damals so um die 14 bis 18 (ich als Steppkin hatte ja keine Vorstellung!!!), setzte sich drei Reihen vor uns.
Sie war sehr luftig angezogen. Er wirkte „kuuhl“, mit seiner dunklen „Nietenhose“ und einem knallbunten „Pulli“.
Und er hatte einen Arm um sie geschlungen.
Er wollte sie bestimmt ganz sicher nur fest halten, damit sie beim Geknatter und Geschaukel der Straßenbahn nicht umkippte, davon war ich felsenfest überzeugt.
Und sie waren offensichtlich sehr verliebt.
Warum ich da immer hingucken musste, weiß ich natürlich nicht (mehr) –
(aufgeklärt war ich schon bis zu einer von meiner Mutti festgelegten Altersgrenze 😉 ),
aber zwei meiner Freundinnen guckten auch und kicherten dabei furchtbar. Was die beiden da vorne allerdings nicht störte.
Ich war einfach nur fasziniert.

Das muss ihr doch dolle wehgetan haben!
Ich beugte mich zu meiner einen Freundin rüber und flüsterte ihr ins Ohr
„Ey, der beisst die inn Hals! Das muss doch wehtun! Warum machtn der das?“
Die von mir Angesprochene kicherte lauter, es kam ein Prusten dazu. Sie spuckte fast vor Lachen.

Die beiden da vorn schienen das erste Mal voneinander lassen zu können oder zu müssen.
Vielleicht musste ER auch mal kurz Luft holen.
Oder ihm taten die Zähne weh.

Jedenfalls sah ich an ihr etwas, was mir RIESENANGST machte:
Einen Fleck.
Am Hals.
Dunkel und groß.
Da wo ER reingebissen hatte.

Ich hatte natürlich schon von Vampiren gehört, gucken durfte ich damals nix von solchen DDR-feindlichen Sachen 😉

Aber DAS da war EIN Fleck. Der immer dunkler wurde.

Ich riss meine Augen von ihrem Hals los und führte meine Blicke ein klein wenig höher, in ihr Gesicht.
Das strahlte und ihre Augen leuchteten. Sie wirkte total „läppsch“ und überhaupt nicht so, als würde ihr was wehtun.
Unvorstellbar.

Dann sah sie mich kurz an (gott wie peinlich ist mir das HEUTE NOCH!) und grinste.
Mir hatte es den Rest der Fahrt die Sprache und Gestik verschlagen.

Später dann, als ich so um die zwölf Jahre jung war, also da wurde mir das Phänomen dieses Flecks erklärt. Von selbst.
Es tut nur ein bisschen weh. 😀

Advertisements

9 Gedanken zu “Gnuudschflegg

  1. Bei dem Dialekt kommt mir gerade folgende Witzelei zwischen mir und ner bekannten während unserem Irlandurlaub in den Sinn:

    „Haaaainz dei Schutzblech klebbert!“
    „Was isch kann disch nisch verstehn“
    „HAaaaainz die Schuzbleck klebbert!“
    „Waaaas isch kann disch nisch verstehn, Mai Schutzbleck klebbert so lauuuuut!“!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s