Einparken kann doch jede/r!

„Frau am Steuer“? So ein Klischee, aber auch so ein Aufreger-Thema, dass es sogar zum Buchtitel gereicht hat. „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ erinnert ihr euch? Hier (ZEIT, 2007) gibt es eine sehr intelligente Entgegnung dazu. Mich reizt das Thema „Einparken“ jedenfalls immer dazu, einen dummen Witz zu erzählen. Dazu später mehr.

Wenn jede/r einparken könnte, dann müsste es diese Piepsdinger, also diese Einparkhilfen oder diese Parklenkassistenten ja nicht geben. Natürlich muss man sie als technische Neuentwicklung höchsten Grades feiern, damit Männer ihre Autos damit schmücken wollen (weil BRAUCHEN tun sie es ja natürlich nicht, höhöhö, „die Frau“ vielleicht, alles klar, oder?). Nach allem, was ich weiß, wollen Frauen eher wissen, ob sie damit klarkommen, Männer interessiert der neueste Hype. Das funktioniert aber nicht nur bei Autos so, Kameras (und Objektive) sind ebenfalls ein überaus gelungenes Beispiel dafür, ich glaube, Handys auch. Aber egal.

Als ich meinen Führerschein machte, war ich eine Katastrophe. Ich begriff, was von mir verlangt wurde, um das Auto zu bewegen, aber mir war alles suspekt. Landstraßenfahrten allein und mit meiner besten Freundin beförderten das Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Dann kam der Umzug in die erste Großstadt, knapp 190.000 Einwohner und VIERSPURIGE Straßen. Ich starb. Mindestens dreimal am Tag, jedenfalls am Anfang, typischer Bauer vom Land. Irgendwann, als ich den Verkehr schon fast lächelnd beherrschte, machte ich Erfahrungen mit dem Verkehr in FFM, den ich bis heute von Herzen hasse, und zog gute fünf Jahre später nach Hamburg mit seinen damals 1,7 Millionen Einwohnern, wo ich am Anfang aus Respekt und mangelnder Ortskenntnis nur außerhalb des Berufsverkehrs fuhr. Teilweise achtspurige Straßen! Bisher hatte ich gedacht, so was gäbe es nur auf Autobahnen. Einparken konnte ich bis dahin immer noch eigentlich nur vorwärts, man nennt so was „Parktasche“, glaube ich, obwohl meine Fahrschule ziemlich viel Zeit darauf verwendet hatte, mir „Einparken seitlich“ beizubringen.

Schon mal in der Hamburger erweiterten Innenstadt (das schließt die Schanze und das Univiertel ein und geht auf der anderen Seite bis knapp Wandsbek) einen Parkplatz gesucht, der nicht in einem Parkhaus ist und in den man vorwärts reinfahren kann? Die sind selten, das kann ich euch versichern. Vor allem, wenn man nicht zwei Kilometer bis nach Hause laufen (und volle Taschen schleppen) möchte. Und wenn man einen Parkstreifen vor der Tür hat, wie ich, dann kommt man ins Grübeln. Ich fuhr inzwischen richtig gern Auto und hatte meinen Stolz. Und nicht einparken zu können, wurmte mich unbeschreiblich, bis ich beschloss, mich von einem Parkstreifen nicht unterkriegen zu lassen. Also hatte ich ab da reichlich und täglich Gelegenheit zum Üben. (Falls ich mal auf meinen vorherigen Beitrag verweisen darf: der Pinguin verließ die Komfortzone.)

Was für mich fast am Wichtigsten dabei war, was ich aber erst später begriff: Ich hatte keinen, der mich einwies. „Schatz, jetzt rechts einschlagen … reeeechts … jetzt zurück … jetzt liiiiiinks … nein, liiiiinks, hörst du nicht?“ Kennt das wer nicht? Heute kann ich souverän „Halt einfach die Klappe“ sagen oder den Einwinker rausbitten und gepflegt ignorieren. Damals hätte ich es nicht gekonnt. Aber ich habe auch schon Beziehungen in Schieflage geraten sehen, weil mann frau im Kasernenhofton „helfen“ wollte und frau dabei völlig verschüchtert hat. Machtverhältnisse und Rollenverständnis in Reinkultur.

Ich habe das Einparken einfach auf die harte Tour gelernt. Durch Ausprobieren. Im Stadtverkehr. Immer wieder und wieder. Und es ging, seit irgendwann bin ich sogar richtig gut. Ich bin (Nebenkriegsschauplatz: Frauen können keine Karten lesen) übrigens auch fest davon überzeugt, dass Navis die Orientierungsfähigkeit unterminieren.

Ach, und der Witz? Habe ich gehört, als zwei Frauen aus dem Auto neben mir ausstiegen, in dem ich mit heruntergekurbelten Scheiben saß.
Sagt die eine: „Warum können Frauen nicht einparken?“
Die andere mit gottergebener Stimme: „Na?“
„Ist doch kein Wunder. Weil – schau her“ sagt die erste und deutet mit den Fingern einen Abstand von etwas mehr als einer Feuerzeuglänge an, „die Männer einem immer erzählen, das seien zwanzig Zentimeter!“
„Phhhhhh“, kommt es von der zweiten.
Beide gackernd ab.

 

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Quelle: Pixabay

 

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4 Gedanken zu “Einparken kann doch jede/r!

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