Ich bin eine Frau am Steuer, ja!

Ich bin eine Frau am Steuer, ja!

Manchmal sage ich: leider. Beim ersten Versuch, den Führerschein zu machen, bewahrte mich der Prüfer vor diesem Schicksal. Da war ich 28 und dachte, ich mach in den Ferien mal schnell den Führerschein. Automatik, das ist leichter. Der Prüfer aber mochte keine Automatikfahrerinnen, traktierte mich 45 Minuten und ließ mich durchfallen, als ich beim Vorbeischleichen an einem auf dem Bürgersteig spielenden Kind nicht auf die Bremse ging. Und ich dachte, das wäre klug! Denn der Jüngling, der vor mir durchfiel, war dem Prüfer zu langsam gewesen. Na ja, es war mein Glück. Denn mein Mann hatte schon nach drei Übungsstunden aufgegeben: das Autofahren sei nichts für ihn. Da könne er nicht nachdenken, sondern müsse sich auf den Verkehr konzentrieren. Ich wäre richtig dumm reingeschlittert in ein Leben als Chauffeurin der nicht-fahren-könnenden Familie.

Und so blieben wir eine glückliche führerscheinlose Familie, bis ich mit 57 sagte: jetzt oder nie! Man wird ja auch alt und gebrechlich, da ist ein Auto nützlich. Und so wurde ich zur Autobesitzerin und Fahrerin.

Das Dumme ist: wenn du etwas kannst, haben die Menschen auch Erwartungen an dich. Fahr mich hierhin, fahr mich dorthin. Drum das „leider“. Na schön, ich täte es ja gern, wenn nur nicht dieses ständige „Ich glaube, du suchst absichtlich die Löcher in der Straße“ und „rechts, dreh das Steuer rechts! Wann wirst du es endlich kapieren!“ wäre – derlei Belehrungen durch den selbst nicht fahrenden, und daher unterbeschäftigten männlichen Beifahrer, die auf mich niederprasseln. Als ob ich schuld am Zustand der Straßen wäre! Und als ob ich nicht ein Recht hätte, selbst zu bestimmen, ob ich „rechts rum“ mag oder nicht (ich mag es nicht). Na ja, ihr kennt das. Eine Frau am Steuer  eben.

Allein und ohne männlichen Beifahrer am Steuer – das ist allerdings Genuss pur! Endlich nach Herzenslust rasen! Hej, hier komme ich – macht Platz – ich bins, eine Frau am Steuer! Die eine Hand am Steuer reicht, die andere hängt zum offenen Fenster raus. Kurven elegant anschneiden, aufs Gas drücken, 160, 170, warum nicht? An mir ist, ohne Zweifel, eine Rennfahrerin verloren gegangen. Hach!

Advertisements

10 Gedanken zu “Ich bin eine Frau am Steuer, ja!

    1. Mit lach möchte ich beginnen und somit das Ende vorweg nehmen.
      Das gibt es tatsächlich, daß Menschen nicht Autofahren können, aber ich dachte mit 18 und einigen Monaten, ich wäre schon ziemlich alt dazu, denn
      die Freundin hatte ihn schon, diesen begehrten Schein, der wirklich ein Lappen war. Damals.
      Ich gestehe, es gibt da einen an meiner Seite, mit dem als Beifahrer am Steuer kann ich es nicht mehr. Sobald er seinen Platz eingenommen hat,
      schläft mein autofahrendes Denken ab und ich mache scheinbar so viele Fehler, wie kein anderer Fahrer auf Erden und die Töchter fahren allemal viel besser als ich… denkt er, ich denke es nicht, denn ist er ausgestiegen, kann ich es wieder, niemals sehr schnell, eher wie eine Rennläuferschnecke und Ampeln haben eine sogartige einschläfernde Wirkung auf mich, so daß fast immer einer hinter mir ein bissel herumhupen muß, damit ich aufwache aus meinen Gedanken, den in denen war ich.
      Schließlich muß die Haltezeit doch sinnvoll genutzt werden, liebe Gerda. Insofern verstehe ich Deinen Mann 🙂

      LG von Bruni

      Gefällt 1 Person

      1. O ich verstehe ihn auch! Er ist gerissen, ein Peloponnenser halt, ein Schlauberger. Er kann nicht fahren, weil er nachdenken muss. Aber wenn ich fahre, muss er nicht nachdenken, sondern mich erziehen. So sind gleich zwei Fliegen totgeschlagen, ganz abgesehen von dem Nutzen, dorthin gefahren zu werden, wohin er will. Und ich? ich liebe ihn, wie er ist, und tu’s. Seufz. Grins. Lächel.

        Gefällt 1 Person

      2. Sei froh, daß Du ihn liebstg , sonst würdest Du es ihm sehr übelnehmen
        daß er Dich erziehen möchte.
        Ich nahm und nehme es übel…,. fahre nur, wenn es gar nicht anders geht, mit ihm im Auto.

        Gefällt 1 Person

    1. Jung hats benannt…dies, je nach Entwicklungsalter, zwischen Narr, Trickser, Heros und Don Juan, Vater und Senex changierende Wesen. Bekanntlich haben wir Frauen diesen animus mehr oder weniger gut ausgebildet in der Reserve. Beim Autofahren kann es dann schon mal passieren, dass sich der zurückgebliebene Typus auslebt.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s