Der Skandal des Jahrhunderts

Die Kunstwelt hält derzeit den Atem an. Ein Betrüger hat sich eingeschlichen und erschafft Gemälde, die jenen der alten Meister um nichts nachstehen. Nur, dass sie eben nicht von den bekannten Malern vergangener Jahrhunderte stammen, sondern vermutlich im gegenwärtigen Jahrtausend gepinselt wurden.

Da ich nicht zur Kunstwelt zähle, kann ich beruhigt weiteratmen. Tief ein, tief aus – ach, das entspannt wunderbar. Nichts, was in meinem Haus an der Wand hängt (vor allem Uhren, Familienfotos und vereinzelt Spinnfäden), hat von einem auf den anderen Moment seinen Wert komplett verloren. Tatsächlich soll es ja um Bilder im Gesamtwert von mehr als 200 Millionen Euro gehen – wären sie denn echt! Aber, ein paar dendrochronologische Analysen später – Wert 0, in Worten N-U-L-L, nada, niente, nichts, zero, nihil.

„Nihil verum est, omnia licita sunt“ (Nichts ist wahr, alles ist erlaubt) – ein Spruch, den sich zwar vielleicht nicht gerade die alten Römer, dafür aber einige begeisterte Online Spieler zu Herzen nahmen und nehmen, scheint auch das Credo des malenden Genies der dunklen Seite zu sein.

Die Empörung ist jedenfalls groß. Die Angst vor Täuschung, oder vielmehr der (zu) späten Erkenntnis, dass man getäuscht wurde, geht um. Die Käufer der vermeintlichen Meisterwerke bekamen zwar ihr Geld zurück, aber fühlen sich wahrscheinlich für dumm verkauft.Und, wenn sie noch immer ihren Atem anhalten, wird die Luft schon langsam knapp.

Was sagt man als Laie dazu? Mein Kunstbanausen-Alter-Ego wundert sich:

Da kann jemand heutzutage so schön malen, wie es früher nur die größten Meister zuwege brachten, aber die Bilder sind nichts wert! Weil – und das ist das Paradoxe – sie von jemanden stammen, der jetzt lebt und eigentlich meisterhaft malt. Aber dann kommt das große ABER: Aber, er oder sie (?) tut es nur im Geheimen und gibt das eigene Werk danach als jenes eines anderen aus.

Ergo [sinniert mein Ego weiter]: So einen „Schinken“ hängt man sich nicht an die Wand, um ihn um seiner selbst willen zu bewundern, sondern nur wegen des Namens darunter. 

Kein weiteres Kommentar.


Beitragsbild: unscharfes, vermutlich nicht gefälschtes Symbolbild

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8 Gedanken zu “Der Skandal des Jahrhunderts

  1. Das muss ich kommentieren!
    Solche „Schinken“ (ich bitte dich, ein Frans Hals-Gemälde ist kein Schinken, nicht mal wenn es gefälscht ist!!!) – kurzum, einen Frans Hals hängt sich niemand an die Wand, sondern tut ihn in einen großen sicheren klimatisierten Tresor. Damit er keinen Schaden leidet bis zur nächsten Auktion. Es geht hier nicht um Kunst, sondern um Geld, um eine GELDANLAGE. Die armen hochwertigen Kunstwerke sind schon längst dem menschlichen Auge und Atem entzogen, sie werden nur noch durch Vergrößerungsgläser bzw durch – wie sagtest du gleich -, ja, durch dendrodingsbums Analysen betrachtet.

    Dendro ist übrigens griechisch und bedeutet Baum, also geht es wohl um die Jahresringe, die so ein Werk angesetzt hat: je mehr, desto wertvoller ist es. Du willst ja auch kein junges Olivenpflänzchen für denselben Preis erwerben wie einen tausendjährigen Ölbaum, oder?

    Herzliche Grüße von hier nach da!

    Gefällt 1 Person

    1. Familiär vorbelastet bin ich nicht ganz so ein Banause wie mein Alter Ego, das diesmal das Schreibruder übernommen hat 😉
      Gerade diese Degradierung zum reinen Vermögenswert wollte ich überspitzt ausdrücken (u.a. durch den Begriff „Schinken“). Da gibt es etwas Wunderschönes, aber man erfreut sich weniger an dem Bild als daran, einen X zu besitzen und vor allem sein monetäres Äquivalent zum persönlichen Vermögen addieren zu dürfen, denn das Bild selbst ist ja im perfekt klimatisierten Hochsicherheitstrakt weggesperrt (wie du auch schreibst).

      Gefällt 1 Person

  2. Ich find den letzten Satz sehr gut (den Rest natürlich auch) Ich hab Salvador Dalis Thunfischfang (natürlich nur eine Kopie oder noch besser einen Computerausdruck) 🙂 aber schön gerahmt da kam dann auch mal die Aussage „Aber das is ja nur eine Kopie“ meine Antwort „Ist das Bild deshalb jetzt weniger schön oder aussagekräftig?“ …

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