Eine Papiertüte voller Plastik

Bei REWE werden den Kunden in unregelmäßigen Abständen beim Einkauf Sammelkarten von Fußballern, Tieren oder Star Wars aufgenötigt. Sicher, man muss diese Karten nicht annehmen. Aber mit Kindern führt das manchmal zu unschönen Szenen an der Kasse. Auch zu Hause. Sie reden dann lange nicht mit einem.

Klar, man kann seine Kinder auch anders erziehen. Wir sind aber nicht ALLE oder sowas in der Richtung. Bei manchen funktioniert das. Noch schöner wäre es, müsste man seine Kinder einfach nie zum Einkaufen mitnehmen. Ist aber nicht jedem gegeben. Harte Fakten (denk doch an die Umwelt, du magst doch dieTiere, noch mehr Plastik bringt sie um) und Erziehungsversuche zu einem einem autarken, völlig von der Meinung anderer unbeeindruckten Menschen scheinen nicht jedem zu gelingen.

Fakten können zu leicht widerlegt und mit Gegenargumenten ausgehebelt werden oder auf tumbe Ohren stoßen. Und jeder Versuch von Erziehung ist ohnehin zum Scheitern verurteilt, sobald dieser Versuch darin besteht, jemand anderen als sich selbst zu erziehen. Bleibt nur, das richtige vorzuleben. Ich nehme also nicht nur keine Karten, ich kaufe in der Zeit gar nicht in dem Laden ein. Und möglichst auch sonst nicht. Und dass, obwohl dieser Laden der allernächste ist. Leider hat diese Kartenkrankheit um sich gegriffen und es gibt sie mittlerweile fast überall. Gefühlt überall.

Diese Karten gehen jede Woche zu Tausenden über die Theke. Karten aus Plastik, einzeln verpackt in Tütchen aus Plastik, für Steckalben aus Plastik.

Vor einiger Zeit ist mir noch eine andere Aktion aufgefallen. Schon wieder bei Rewe. Dort wurde in besonderem Maße die Papiertüte beworben. Es gab sogar Presseerklärungen von seiten des Lebensmittelladens, in Zukunft gänzlich auf Plastiktüten verzichten zu wollen. 140 Millionen Stück sollten so eingespart werden. Ein richtiger Meilenstein für den Umweltschutz in Deutschland, so wurde verlautbart. Wir sparen also an Tüten, um auf der anderen Seite das Plastik durch die Kärtchen wieder unter die Leute zu bringen. Das klingt nicht nach Überzeugungstätern, sondern nach Greenwashing und skrupellosem Kundenfang.

Auf Nachfrage bei einem dieser Mitarbeiter, die nie eine eigene Meinung haben dürfen und für alles ihren Chef fragen müssen, hieß es dazu: Kein Kommentar. Und was soll man dazu auch schon sagen. Mir fehlen jedenfalls die Worte.

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2 Gedanken zu “Eine Papiertüte voller Plastik

  1. … – auch für menschen ohne kinder kein leichtes spiel. Heute beim einkaufen (nach jahrelanger übung) habe ich aufgeatmet: fast plastikfrei eingekauft. Sogar in einem supermarkt (nicht rewe). Die hundert% lasse ich nicht aus den augen, aber in den letzten jahren habe ich meinen plastikkonsum etwas halbiert oder sogar auf 2/3el runtergefahren.
    Das ist doch auch schon was.
    Und klasse finde ich, dass der nächste supermarkt bei mir um die ecke außer plastitüten auch papiertüten anbietet (für gemüse/obst sowie für den gesamteinkauf). Regional erzeugte waren und erzeugnisse aus biologisch kontrolliertem anbau sind ebenfalls dort erhältlich.
    Dass kinder zielgruppe von produktmarketing sind, ist sehr kurz gedacht, und zeugen von einem fahrlässigen umgang mit den uns zur verfügung stehenden ressourcen. Schön, wenn ein solches tun auf kritik stößt und nicht aus gleichgültigkeit in kauf genommen wird.

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  2. was ich auch so gar nicht verstehe: wieso wird das Bio-Gemüse in Plastik verpackt, während das Gemüse, welches nicht mit der Etikette „Bio“ versehen wird, auch lose zum Verkauf angeboten wird?? (Beispiele: eingeschweißte Bio-Gurken, Zuccini in Plastikschalen…)
    und in welche Tüte schmeißt man den Plastikmüll, wenn er in den Müllcontainer kommt? Ist es immernoch notwendig auf Grund der Mülltrennung extra Plastiktüten für den Plastikmüll zu kaufen?

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