Versuch und Irrtum

Ein weiteres Mal sei hier auf meinen Lieblingscartoonisten Randall Munroe verwiesen, der Versuch und Irrtum als wesentlich für die Wissenschaft erachtet- die allerdings auch immer wieder Opfer fordert.

Bildunterschrift: “How could you choose avoiding a little pain over understanding a magic lightning machine?“ https://xkcd.com/242/  und http://xkcd.com/1731/

Dem ist tatsächlich so. Eine absolut faszinierende Geschichte ist in dem Zusammenhang die des Barry Marshall (im Bild) , Professor für Klinische Mikrobiologie an der University of Western Australia in Perth und Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie des Jahres 2005 (zusammen mit Robin Warren) sowie vieler weiterer Auszeichnungen.  Er wurde dadurch einer weiten Öffentlichkeit bekannt, indem er nachwies, dass Helicobacter-pylori-Bakterien die Ursache für die meisten Magengeschwüre sind. Das hatte er aufgrund seiner Forschungsergebnisse schon länger vermutet, war dafür aber von seinen Kollegen nicht ernst genommen worden, da man davor jahrzehntelange angenommen hatte, dass Geschwüre hauptsächlich durch Stress, scharfe Speisen etc. verursacht würden, und nicht durch Helicobacter. Das hatte auch damit zu tun, dass die meisten Forscher davon überzeugt ware, dass die Bakterien im sauren Milieu der Magensäure nicht überleben könnten.

Nun hatte er zwar einige interessante Ergebnisse, aber keinen direkten Beweis. Da er es aber ethisch nicht vertretbar fand, bei einer Versuchsperson (möglicherweise) durch absichtliche Kontamination Krankheiten zu verursachen, selbst wenn diese darin einwilligten, blieb nur eine Möglichkeit- der Selbstversuch. Diesen führte er dann 1984 durch , indem er ein Reagenzglas der Bakterien trank. Kurze Zeit später bekam er eine schwere Gastritis, die seine Kollegen und er gewissenhaft protokollierten, bie er diese dann letztlich mit Antibiotika heilte. http://folio.nzz.ch/2001/dezember/der-arzt-als-versuchskaninchen

Manchmal liegt der Irrtum nicht bei dem Versuchenden, sondern bei dem, der es erst gar nicht probiert. Vielleicht ist das die Erkenntnis. Manchmal wollen die Nicht-Versuchenden es gar nicht wissen- das kann dann tragisch werden, wie bei Karl Landsteiner zum Beispiel. Aber andererseits- muss man alles wissen oder versuchen? Was ist mit gewissen Aspekten der Embryonalforschung, bspw. im Hinblick auf Klonen, CRISPR-Cas als Möglichkeit der Eugenik beim Menschen, Gene drive oder ähnlichem?

Viele Dinge lassen sich nämlich auch nie wieder rückgängig machen- zu spät ist dann einfach zu spät. Bspw. Gene drive, vllt. noch eine kurze Erklärung dazu. Ich denke, die Regeln des Augustiner-Paters Gregor Johann Mendel dürften uns alle schon mal in der Schule begegnet sein (ja,ja die Erbsen). Hier verläuft die Vererbung aber anders: “Das Gene Drive besteht aus einem Enzym (eine Endonuklease, um genau zu sein), das eine bestimmte DNA-Sequenz aus dem zweiten Strang eines Chromosoms ohne Gene Drive schneidet. Über eine folgende Reparatur dient der Strang mit Gene Drive (ein Chromosom hat zwei DNA-Stränge) als Reparaturvorlage für die geschnittenen DNA-Stränge. Dadurch kommt es zur überproportionalen Ausbreitung, denn alle Nachkommen tragen das Gene Drive.“ (aus der Wikipedia).

Das bedeutet also, dass sich das eingefügt Gen, exponentiell in der Population ausbreitet. Ist es einmal draußen, ist es eben draußen und lässt sich, im Gegensatz zu “normaler Gentechnik“ eher nicht wieder in Griff kriegen. Man kann dann nur auf Mutationen o.ä. hoffen. Ich hoffe sehr, dass wir uns in Zukunft bei solchen Versuchen nicht irren. Das wäre übel.

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4 Gedanken zu “Versuch und Irrtum

    1. Naja, es ging doch um Versuch und Irrtum, oder?https://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum

      Und auch wenn ich Karl Popper nicht ganz zustimme (bzgl. des Falsifikationismus, ich denke schon, dass es Induktion gibt)
      ist das in der Wissenschaft sehr wichtig.

      Schauen wir uns doch mal den Cartoon etwas genauer an: Was passiert? Am Anfang sind beide neugierig – und probieren den Schalter einfach mal aus. Doch dann unterscheidet sich ihr Verhalten: Der “Wissenschaftler“ stellt eine Hypothese auf: “Immer wenn ich den Schalter drücke, bekomme ich einen Stromschlag“, der “normale Mensch“ will davon nichts mehr wissen. Und wie kann der Forscher das herausfinden?

      Richtig, noch einmal ausprobieren, um zu sehen, ob er sich irrt (“trial & error“). Der Versuch muss reproduzierbar sein, um die Hypothese zu verifizieren. Der “normale Mensch“ hat zwar eigentlich dieselbe Hypothese (er vemutet ja, dass er das “nicht tun sollte“), legt aber keinen Wert darauf, sie zu beweisen. Letzten Endes lernt man daraus, dass aus Versuchen zwar Irrtümer (Fehler) entstehen, aber dass wir nur dadurch zu Erkenntnisgewinn kommen können.

      Das etwas paradoxe für den Normalmensch ist hierbei eben, das Forscher mehr fürchten, dass die Theorie oder Hypothese falsch ist, als dass sie wahr ist, obwohl das ihnen selbst wesentlich mehr schadet: Das sieht man sowohl bei Cueball als auch bei Barry Marshall. Ein weiteres Problem ist eben die Art von Versuchen, deren Irrtümer, vielleicht sogar deren intendierte Wirkung, nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Wie sollen wir mit ihnen umgehen?

      Gefällt 1 Person

      1. Als Naturwissenschaftler muss ich Dir natürlich recht geben. Was den Mitmachblog angeht, sind wir bei den Wochenthemen schon etwas weiter. Für das Thema „Versuch und Irrtum“ ist der Beitrag spitze.
        Im Forum wurde in der letzten Zeit ziemlich ausführlich auf die zwei Regeln eingegangen, die wir hier haben. Ich habe sie auch heute noch einmal auf der Seite „Regeln“ zusammengefasst.
        Bitte schau Dir die Seite (bzw. meinen neuen Beitrag – da sind die Links dazu gesetzt) an.
        Ich weiß auch nicht, warum die Leute nach drei Monaten Anarchie sich plötzlich auf die Regeln besinnen, aber man hat mich darum gebeten, ihre Einhaltung einzufordern.
        Wie gesagt ein spitzen Beitrag, nur leider zu einem nicht ganz aktuellen Wochenthema. Das Thema für diese Woche hat mich übrigens auch nicht ganz inspiriert. Aber Wahl ist Wahl… 😉
        Dank Dir.

        Gefällt 1 Person

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