Schlagfertigkeit statt Rache

Unter Retourkutsche versteht man (meistens) Rache. Die hinterlässt einen negativen Touch, denn meist retourniert die Retourkutsche und kommt als fader Beigeschmack wieder zum Rächer zurück. Der sich dann wiederum rächt – eine endlose Spirale bösartiger Energie.

Ich verbinde mit dem Begriff Retourkutsche noch etwas anderes: Schlagfertigkeit. Und die kann, muss aber nicht wehtun. Ein paar Beispiele gefällig?

„Du  bist lahm wie eine Schnecke“ könnte gekontert werden mit dem Satz „Ich betreibe Gesundheitsprophylaxe. Schnecken sterben selten an einem Herzinfarkt.“

„Fass dich mal kürzer. In der Kürze liegt die Würze“ -> „Aber wohin mit dem Chili, wenn kein con carne da ist?“

„Du stinkst!“ -> „Ich bin Produkttester für Exkrementenparfüm“

„Das haben wir schon immer so gemacht“ -> „Entschuldigung, aber mein Hirn dient nicht nur dekorativen Zwecken, es liebt Herausforderungen“

So kehrt sich das, mit dem man getroffen werden sollte, schnell in entweder entspannte Situation mit Gelächter um oder man selbst tritt aus dem Fokus heraus und gibt den Ball zurück.

Auch der Umgang mit Teenagern fordert täglich aufs neue heraus. Die versteckten Vorwürfe führen gerne zu Reibereien. Sicher wird man nicht jedem Angriffspunkt aus dem Weg gehen können, aber der Überraschungseffekt ist manchmal unglaublich.

„Mama, wo ist mein Matheheft?“ Anstatt nun mit dem nichtsnutzigen Satz „Da wo du es hingelegt hast“ zu antworten, könnte man es auch so probieren: „Gestern Nachmittag, als du mit deinen Freunden unterwegs warst, klingelte es an der Haustür und ein grünes Marsmännchen wollte Algebra von mir erklärt haben. Da ich das nicht kann, habe ich ihm dein Matheheft mitgegeben und es hat versprochen, es morgen wieder zurück zu bringen.“ Ist genauso unnütz, entlockt dem Teenie aber eher ein Lachen als der Vorwurf, dass er keine Ordnung halten würde.

Inzwischen gibt es viele Sprüche auf Postkarten zu kaufen oder auch bei Facebook werden Sprüche geteilt. Schlagfertigkeit kann man lernen. Auch wenn die Sprüche teils platt daher kommen, kann man sie mit Übung verfeinern. Manchmal ist es praktisch, einfach mit einer Gegenfrage zu antworten. Schon ist man selbst nicht mehr unter Zugzwang, denn wer fragt führt – sagt man.

„Warum haben sie ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht?“ -> „Was verstehen sie unter ordentlich?“ – schwups, ist man raus aus dem Fokus und der Andere muss sich erklären.

„Können sie nicht aufpassen?“ -> „Soll ich auf sie oder auf mich aufpassen?“

„Wer kam auf die Idee, das Konzept des Projekts zu ändern?“ -> „Die Konzepte sind ganz wunderbar, doch Firma XY ist doch einer unserer besten Kunden und die sollten individuell und bevorzugt behandelt werden, damit sie sich von der breiten Masse abheben, meinen sie nicht, Chef?“

Viel Spaß beim Einüben kleiner Spitzen ohne große Einstiche.

 

 

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