Meine Fernbeziehung

Fernbeziehungen sind oft schwierig, aber sie können funktionieren. Man bleibt in Kontakt über Telefon, über Briefe (Puh! Wie altmodisch, nicht? In Zeiten von social media) oder sogar mittels gegenseitiger Besuche. Auto? Bahn? Flugzeug? Wie wäre es mit einer Kutschenfahrt?

Mein Verhältnis zu meiner Versicherung ist nicht das ungetrübteste – wie ich auf meinem Blog schon ein-, zweimal erzählt habe. Nun gab es neulich eine weitere Episode in dieser fast never-ending story. Zunächst in Kurzfassung:

Was bisher geschah

  • In grauer Vorzeit: Privates Finanzgenie (aka ich) beschließt eine Versicherung abzuschließen (no risk, no fun, no gains – und im Nachhinein betrachtet: no brains? )
  • Jahre vergehen. Wir schreiben das Jahr 2013. Plötzlich ein Anruf von meinem neuen Betreuer! Er wolle sich bei mir vorstellen und alle Daten aktualisieren und bla, bla, bla… Ich weiß gar nicht, dass ich bisher unbetreut war, aber der Schock ist rasch überwunden. Ein Termin wird vereinbart. Aus dem Finanzgenie ist mittlerweile eine ganz großartige, frischgebackene Mutter geworden (die Rede ist demnach immer noch von mir), die nun mit Baby im Schlepptau zum Termin anreist. Der neue Betreuer erklärt unter anderem, dass die Vorsorge nicht gut läuft und schlägt Alternativen vor. Das private Finanzgenie ist verblüfft, denn im Vertrauen auf die ursprüngliche Intuition wurde den regelmäßigen Entwicklungsberichten nur beiläufig Aufmerksamkeit geschenkt. Baby und Papiere werden eingepackt und es geht zurück in die Pampa (aka mein beschauliches Zuhause zwischen Nirgendwo und Irgendwo), um einen Entschluss zu treffen.
  • Zum Folgetermin erscheinen Mama mit Baby überpünktlich in der Großstadt, sonst aber leider niemand, weil jemand den Termin vergessen hat. Es folgt kein weiterer (wenn auch versprochener) Anruf des ersten neuen Betreuers. Das Prädikat vertrauenswürdig wird gestrichen, aber das ganze unter menschliche Fehlleistung subsumiert. Und der mir selbst verliehene Titel „Finanzgenie“ wird ebenfalls (durch mich selbst) wieder aberkannt.
  • Wieder vergeht Zeit, Mama steht kurz davor zum zweiten Mal (eine super) Mutter zu werden, als sie einen Anruf von ihrem (zweiten) neuen Betreuer bekommt: Er wolle sich vorstellen und alle Daten aktualisieren und bla, bla, bla…

Ich darf mich an dieser Stelle selbst zitieren:

Ich erklärte dem guten Mann, dass wir uns gerne einmal treffen könnten, ich jetzt aber erst einmal ein Kind bekommen müsse.

  • Der zweite neue Betreuer ruft einige Monate später tatsächlich wieder an und wir vereinbaren einen Termin. Mit Baby im Schlepptau reise ich an. Nachdem der Laptop des Betreuers nach nur einer Stunde Wartezeit bereit ist (Systemupdate), werden die Daten aktualisiert und ein paar Änderungen gemacht. Alles remote vor Ort mit Signaturpad und so. 1a Technik bei meiner Versicherung!
  • Kurz nach Neujahr erhalte ich ein Schreiben, dem ich entnehmen kann, dass keine der gemachten Änderungen letztendlich im EDV-System meiner Versicherung angekommen ist. Eine telefonische Nachfrage bestätigt dies und ich werde noch darüber informiert, dass die beabsichtigte Änderung sowieso nicht gegriffen hätte. Das Prädikat kompetent wird gestrichen.
  • Frühjahr 2016. Nur ein paar Wochen später ein Anruf meiner Versicherung: Eine Dame informiert mich, dass ich einen (dritten) neuen Betreuer erhalten soll, der sich bei mir vorstellen wolle und es gäbe da ein ganz tolles Angebot, bla, bla, bla … Ich informiere die Dame, mehr oder vor allem weniger freundlich, dass ich kein Interesse an einem neuerlichen Termin habe, und schon gar nicht bei einem erst einzuschulenden, völlig unerfahrenen  Betreuer. (Alle Dienstleistungsneulinge, wo auch immer, mögen mir verzeihen, aber in diesem Fall war es mir einfach zu viel, schon wieder als Testobjekt für Betreuungspraxis herzuhalten.) Wir vereinbaren, dass ich das Angebot schriftlich bekomme. Es kommt danach wie es kommen muss – nämlich nichts. Kein Schreiben. Beiläufig erfahre ich aber, dass ich von DER Liste, nämlich jener der unbetreuten Kunden, ohne einen persönlichen Termin nicht gestrichen werden kann und daher in ein paar Monaten wohl wieder mit einem ähnlichen Anruf rechnen muss.

Und jetzt?

Damit sind wir in der jüngsten Vergangenheit angekommen, Laufzeitende der Versicherung. Ich warte auf einen Anruf oder zumindest ein Schreiben. Und was soll ich sagen: Nichts passiert, gar nichts, kein Brief, kein Telefonat. Also werde ich selbst aktiv und melde mich bei der Versicherung. Dort versichert man mir (kleiner Wortwitz), dass ich normalerweise einen Anruf hätte erhalten sollen.

Den einzigen Anruf, der mich wirklich interessiert hätte, habe ich also nicht erhalten!

Wir klären die Sache schließlich weitgehend telefonisch (Halleluja!) und der freundliche, nichtsahnende Mitarbeiter fragt mich zum Abschluß noch, ob ich für eine Kundenbefragung bezüglich Zufriedenheit zur Verfügung stehen würde.

In diesem Moment höre ich eine sanfte Frauenstimme in meinem Kopf säuseln:

So liebe Mama, was tust du? Wählst du Option A und verfällst am Telefon in schallendes Gelächter bis hin zu nach Luft schnappendem Gegrunze, um hernach höflich abzulehnen, weil du solche Telefonbefragungen prinzipiell nicht magst und speziell an dieses Unternehmen keine Zeit mehr verschwenden willst?

Oder wählst du Option B, spannst die Pferde an, schwingst dich auf den Kutschbock und fährst im wilden Galopp eine Retourkutsche, die sich gewaschen hat (die dann aber auch über jene drüber fährt, die gar nichts dafür können), nach dem Motto: Wenn sie schon danach fragen?

Wie würdet ihr euch entscheiden?

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17 Gedanken zu “Meine Fernbeziehung

  1. Erinnert mich ein bisschen an einen Anruf, den ich diese Woche bekam, von meinem Stromanbieter. Meine Preisgarantie würde ja nun bald auslaufen und sie wollen mir natürlich ein unschlagbar tolles neues Angebot unterbreiten.

    Dame: Sind sie damit einverstanden, dass wir dieses Telefonat zum Zwecke der Qualitätssicherung aufzeichnen?
    Ich: Ja.

    Dame: Sie erklären sich damit einverstanden, dass wir ab dem 1. irgendwas ihren Stromtarif umstellen. Sie erhalten dies schriftlich und haben ein 14 tägiges Widerrufsrecht. Wenn sie damit einverstanden sind, sagen sie bitte Ja.
    Ich: Nein. Ich bin nicht damit einverstanden, denn ich schließe keine Verträge am Telefon, aber sie können mir das Angebot gerne zuschicken.

    Dame: Sie müssen aber Ja sagen. Ich sage es ihnen nochmal: Sie erklären sich damit einverstanden…(s. oben)
    Ich: Nein. Ich erkläre mich damit einverstanden, dass sie mir Unterlagen zuschicken dürfen.

    Dame: Nein. Sie müssen aber Ja sagen. Ich habe meine Vorschriften. Sonst kann ich ihnen das unsagbar tolle Angebot nicht unterbreiten. Also nochmal: sie erklären sich damit einverstanden…
    Ich: Ich schließe keine Verträge am Telefon. Sie können mir die Unterlagen gerne zuschicken und ich prüfe sie dann.

    Dame: So geht das nicht. Ich muss ein Ja von Ihnen haben. Sie haben doch schließlich ein 14 tägiges Widerrufsrecht.
    Ich: Hinterher will da aber immer niemand was von wissen. Ich schließe am Telefon nichts ab. Sie haben doch meinen qualitätsgesicherten Anruf aufgezeichnet. Sie können mir doch die Infos einfach zuschicken.

    Dame: Nein. So geht das nicht. Sie müssen mir schon ein Ja zur Umstellung geben…
    Ich: Mache ich aber hier und jetzt nicht. Entweder sie schicken mir das zu oder wir kommen nicht zueinander.

    Dame (sie hatte ganz bestimmt dicke Schweißperlen auf der Stirn, ich konnte sie durch die Leitung riechen): Ähm, also, wie wäre es, sie überlegen es sich ganz in Ruhe und wir rufen am Freitag nochmal an?
    Ich: Gute Idee.

    Die Idee war umso besser, da ich, als sie wie versprochen heute anrief, noch auf der Arbeit war. Wir sitzen das also aus und ich kenne jetzt die Nummer im Display und bin ganz bestimmt nicht zu Hause. Naja, ich hatte meinen Spaß, aber sie, glaube ich, nicht. 🙂

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  2. Einmal habe ich wohl aus Versehen „Ja“ gesagt (Telekom) und bekam enorme Schwierigkeiten. Seitdem verabschiede ich mich immer freundlich nach der Begrüßung und höre mir gar nicht mehr an, was die Anrufer von mir wollen. Ist ja doch nur mein Geld. Davon habe ich nichts zu verschenken.

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      1. Und plötzlich sind sie auch bereit, gleich jemanden vorbeizuschicken, mindestens 2 Mann hoher Besuch inklusive der Treuekunden-Bonusjacke ganz in weiß, mit extralangen Ärmeln zur umfassenden Prüfung des Falls (oder war es mehr ein unglücklicher Sturz vom Sessel neben dem Telefon?) 😉

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  3. Als notorischer Weltverbesserer, der daran glaubt, die Versicherung würde tatsächlich ihre Leistung verbessern und nicht bloß sämtlichen Mitarbeitern, die in den Fall involviert und noch im Unternehmen sind, einen auf den Deckel gäbe … Würde ich auch Option A wählen. ^^

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