Märchenstunde – Scherz im Bunde

Es war einmal ein gelbblauer Frosch, der lebte an einem kleinen Teich, mitten in einem nahezu unberührten Wäldchen.
Er war aber nicht immer gelbblau. Als er das Licht der Welt zum ersten Mal erblickte, hatte er noch keine Ahnung, was Farben alles anrichten können. Als er einige Tage nach seiner Geburt das erste Mal in den Teich gucken konnte, sah er etwas Grünrotkariertes im gerade stillen Wasserspiegelbild. Dieses Etwas bewegte sich genau in DEM Moment, als er selbst sich bewegte. Er kriegte einen Riesenschreck und wäre fast ins Wasser geplumpst.
Aber seine Mama und seine zwei größeren Schwestern hatten das vorausgeahnt und ließen ihre langen klebrigen Zungen hervorschnellen, um ihn zu retten.
Er versuchte, den Schock zu verarbeiten, den ihm seine Anverwandten mit ihrer Erklärung beschert hatten.
Das Grüne, also das kam höchstwahrscheinlich vom grünen Wasser, in dem seine Mutter ihn zur Welt gebracht hatte.
Woher das Rote kam, konnten sie sich nur mit der Hungersnot erklären, während der sich die Frösche nur von Möhrenabfällen, die freundlich-ökologische Menschen achtlos in den Wäldern verstreuten, ernähren konnten.

Aber nur ER hatte dieses Rot.
Das daraus nun auch noch Karos wurden, hätte fast dazu geführt, dass er als kleiner Frosch nicht auf die Froschschule gehen konnte.
Denn „anders aussehende“ Frösche waren da nicht erwünscht. Alle nicht grünen Frösche wurden eigentlich in die Sonderschulen geschickt und dort gab es viel Ärger. Da er nun aber der einzige karierte Frosch war, wollten die ihn auch nicht haben.
Das ließ Mama Frosch zur Löwenfröschin werden und sie stürmte alle Waldämter ab, um ihren Stöffli eine Bildung zu ermöglichen. Er konnte in die „normale“ Froschschule hüpfen, musste aber immer hinten sitzen. so wurde er besonders groß, denn das ewige Recken und Strecken brachte ihm einige Muskeln.

Seine beiden Schwestern sorgten sich derweil um ihre Zukunft, denn kein lediger Frosch aus der näheren Umgebung wollte sie ausführen. Die Welt war ein Dorf. Fast jeder wusste von Stöffli und seiner „komischen Art“.
Aber er konnte doch gar nichts dafür…

Er wurde trotz allem ein stattliches Kerlchen und seine Karos verblassten mit den Jahren. Die Grünrote Färbung änderte sich und er wurde nach und nach immer blauer. Da er aber Repressalien mittlerweile gewöhnt war, bewarb er sich im Waldteichbioreservat, um dort täglich die Teichblätter sauber zu halten. Der Reservats-Leiterfrosch hatte Mitleid mit dem Kerl, der so kräftig und gesund aussah, wenn man von der greischenden Färbung absah. Er stellte ihn auf Probe ein.

Stöffli verrichtete seine Arbeit sehr gut, die Teichblätter gediehen unter seinen „Händen“ wieder prächtig und glänzten mit der Sonne. Er bekam leider aufgrund seines Andersseins keinerlei Aufstiegschancen und wurde bei Beförderungen oder Ehrungen stets „vergessen“. Er hatte aber inzwischen gelernt, sich mit dem was er hatte und bekam, glücklich zu begnügen.
Er hüpfte abends, wenn sich die Teichblätter zum Schlafen zusammenringelten, stets vergnügt nach Hause und brachte seiner Mutter und seinen immer noch unvergebenen Schwestern viele Insekten mit. Denn der Job brachte es so mit sich, dass Stöffli die Krabbel- und andere Tierchen behalten durfte, die er bei seinen Blättersäuberungen entfernte. Damit hatte er sein Ein- und Auskommen.
Wenn er einige Minuten Zeit hatte, genoß er die warem strahlende Sonne, so dass er nach und nach eine leichte Gelbfärbung bekam, die sich letztendlich zum Blau dazu mischte.

Eines Tages sagte sich eine Delegation aus dem Nachbarwäldchen an. Sie wollten auch den Teich besuchen und die im ganzen großen Waldland so berühmten „glänzenden Blätter“ besichtigen.
Der Reservats-Leiterfrosch war sehr glücklich über solch eine Gelegenheit. Stöffli blaffte er an, dass der sich gefälligst im Hintergrund zu halten hätte, denn zeigen durfte er sich mit diesen gräßlichen Farben keinesfalls! Stöffli war ein wenig traurig, das er immer noch, trotz seiner offensichtlich hervorragenden Arbeit, so behandelt wurde.
Er setzte sich unter eine große Wurzel und wartete auf die Besucher. Als die Gruppe angehüpft kam, hörte er laute „Aaahh“´s und „Ooooohhh“´s der Bewunderung und seinen Vorgesetzten von den besonderen Umständen berichten. Eine junge hübsche Fröschin fragte, wer sich den so wunderbar um diese Pracht kümmere? Da versuchte der Angeber, sich selbst zu benennen. Doch hatte die Fröschin von einem seltsamen Froschmann gehört, der ganz besonders aussah und sich mit viel Liebe seinen Teichblättern widmete. Sie beharrte auf dem wahren Künstler und so blieb dem Leiterfrosch nichts weiter übrig, als den Stöffli zu rufen. Der hüpfte voller Schreck aus seinem Versteck und so bekam die Delegation den wahren Meister zu sehen.

Die Fröschin, sehr verwundert über die Art und Weise, wie der doch eigentlich hübsche Kerl vorgeführt wurde, erkundigte sich ernsthaft nach seinem Wohlergehen.
Stöffli war viel zu schüchtern, um aufzutrumpfen und überlegte was er antworten sollte. Er blieb bei der Wahrheit. Die Fröschin jedoch erkannte sein ehrliches, bedachtsames Wesen und war sehr angetan. Sie bedachte ihn mit viel Lob und stellte ihm eine besondere Ehre in Aussicht. Er wäre jederzeit herzlich in „ihrem“ Teichreich willkommen und hätte dort neben vielen großen Teichblättern auch ein Laubhaufhäuschen mit Schwingblättern zu seiner privaten Verfügungsnutzung. Stöffli war überwältigt von diesem Angebot und bedankte sich erstmal. Am Abend erzählte er seinen Frauen davon, die ebenfalls sehr verwundert waren.
Sie hatten nie geahnt, nie geglaubt, wie gut und besonders Stöffli war.

Plötzlich war Stöffli berühmt, viele Besucher und Delegationen kamen, um die herrlich glänzenden Teichblätter zu bewundern. Seine Schwestern bekamen eindeutige Angebote von jungen wilden Fröschen und seine Mutter hatte neuerdings auch einen Verehrer.
Er jedoch war nicht glücklich mit all der Aufmerksamkeit, die ihm selbst zuteil wurde.
Seine Teichblätter wurden immer mehr beschmutzt und er musste immer mehr Überstunden machen, um sie weiterhin glänzend zu halten.
Der Leiterfrosch stolzierte immer herum, als sei er der Königsfrosch des Teiches.
Stöffli besann sich seiner Anfänge und fühlte sich unglücklich.
Sollte er doch das Angebot der Teichreichfröschin annehmen?

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5 Gedanken zu “Märchenstunde – Scherz im Bunde

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