Zwei Seiten einer Medaille

Schwarz und weiß – Black an white – Gut und Böse…

Diese beiden Farben – wobei sie, wenn ich mich recht entsinne, gar nicht zu den Farben gehören, weil sie eben nicht farbig sind – polarisieren. In der Mode werden sie gerne verwendet, weil man zu ihnen alle anderen Muster und Farben kombinieren kann.

Weiß und schwarz hat auch was mit „clean“ zu tun. Einfach. Ordentlich. Aufgeräumt. Fokussiert. Minimalistisch.

Außerdem verbinden viele Menschen (ich eingeschlossen) damit Hochzeit und Trauer. Die Braut trägt weiß, um ihre Unschuld und Jungfräulichkeit zu zeigen. Ganz ehrlich: ich bezweifele, dass heute die Bräute noch jungfräulich und unschuldig in die Ehe gehen. Vielleicht noch 1%, aber mehr…? In anderen Ländern und Religionen mag das noch verbreitet sein, aber in Deutschland ist das wohl ein Auslaufmodell.

Dabei war das nicht immer so – ich meine die Farbe des Brautkleides. Früher, also so ab etwa dem 16. Jahrhundert, trug die Braut schwarz. Sie stellte damit ihre Frömmigkeit heraus. Aber es hatte auch praktische Gründe, denn man hatte damals keine Kleider, die man nur einmal trug. Das Brautkleid war gleichzeitig auch Festtagskleid und musste für viele Gelegenheiten herhalten. Auch heute noch trägt man als Frau zu festlichen Anlässen gerne „das kleine Schwarze“, dass durch Coco Chanel bekannt wurde. Ein Klassiker.

Wer einen lieben Angehörigen verloren hat, kleidet sich in Europa meist schwarz. Ein nach außen sichtbares Zeichen, welches nicht nur ein Modetrend ist, sondern gleichzeitig auch „Schutz“ bietet. Obwohl die Kleidervorschriften heute nicht mehr festgefahren sind – Trauergäste tragen durchaus auch Kombinationen mit weiß oder grau – trägt die Witwe/der Witwer oft eine zeit lang Schwarz. Damit ist jedem klar, dass man respektvoll mit dieser Person umgehen soll. Der Umgang mit Trauernden ist vielen Menschen suspekt. Man hat Angst, etwas falsches zu sagen oder zu tun. Trauer ist eben auch sehr individuell. Was aber nie verkehrt ist, ist ein offenes und ehrliches „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“ oder eine stumme Umarmung.

Am meisten schmerzt, wenn Bekannte oder gar Freunde den Kontakt abbrechen oder die Straßenseite wechseln. Trauer braucht keine Worte, aber Taten. Einfach mal eine Suppe kochen und vorbei bringen, einkaufen gehen oder den Besen in die Hand nehmen und die Straße kehren…. Whatever. Je nachdem, wie nahe man sich steht. Denn der Trauernde ist meist zu nichts mehr fähig und erstarrt. Gefangen im dunklen Tunnel.

Auf Dauer ist das Leben nicht nur schwarz und weiß. Es gibt viele Abstufungen von grau. Steingrau, mittelgrau, hellgrau, dunkelgrau, anthrazit, aschgrau, mausgrau, silbergrau, rauchgrau…..

 

 

 

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4 Gedanken zu “Zwei Seiten einer Medaille

  1. Ging ganz schön ins Herz was du hier schreibst und ist so wahr, was oftmals mit den nach einem Trauerfall zurück gebliebenen geschieht… wie man sich ihnen gegenüber oftmals verhält. Das darf und sollte nicht so sein!
    LG

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    1. Ist aber leider häufig so, weil man sich nicht traut, auf jemanden zuzugeben. Weil man selbst mit der Situation überfordert ist.
      Ich will da niemanden einen Vorwurf machen, aber Mut geben, seine eigen Scheu zu überwinden. Denn jemanden zu verlieren und dann auach noch von der Umwelt ausgegrenzt zu werden, schmerzt doppelt.

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  2. Dem kann ich dir nur beipflichten. So erlebt vor 3 Jahren. Man ist traurig, sicher! Doch noch trauriger wird man, wenn man merkt, dass der Mensch gegenüber jetzt lieber nicht vor dir stände und dann so schnell wie möglich das Weite sucht, um nicht noch mehr in Verlegenheit zu geraten…

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