schwarz-weiß

Schwarz und Weiß – ein Thema, das hervorragend in die aktuelle Woche passt, die damit begann, dass sich mein schwarzes Auto unter einer vier Zentimeter dünnen Schneedecke versteckte. Ja, Schnee. Also nicht der Schnee, an den ihr Nasen jetzt denkt, sondern der, der hier in Norddeutschland etwa einmal im Jahrzehnt vom Himmel fällt. Ein Geschenk für alle sommerbereiften Schwarzmaler, die vermutlich noch nicht schwarz genug malten, um mit dem, angesichts der aktuellen Jahreszeit, vollkommenen unangemessenen, überraschenden und schockierenden Wintereinbruch zu rechnen. Ja, es muss wirklich schrecklich sein, in der einen Minute noch bei 32°C am Elbstrand zu liegen und sich in der nächsten Minute bei -15°C aus dem Schneehaufen graben zu müssen.

Doch diese Woche hatte weit mehr zu bieten, als das ungeahnte Ende der Hamburger Badesaison. Schließlich kamen auch alle Schwarzweißmaler, Schwarzmaler und Weltuntergangspropheten voll auf ihre Kosten – bei einer Präsidentschaftswahl, bei der aus Schwarz und Weiß Tiefschwarz das Lieblingsschwarz oder eben das etwas geringfügigere Schwarz gewählt werden durfte oder musste. Wie schwarz das Ergebnis nun ist, darf jeder selbst beurteilen, wobei zumindest davon auszugehen ist, dass die Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß zukünftig wieder ein wenig ausgeprägter vollzogen wird.

Schwarz oder Weiß. Die schubladengerechte Differenzierung zwischen Böse und Gut. Entweder, oder. Dazwischen bedarf es keiner weiteren Abstufungen oder gar bunter Farben, denn diese erfordern bloß viele weitere Schubladen und Hirnzellen – und wer soll da noch den Überblick behalten? Schwarz ist also tendenziell das Schlechte, das Böse – der Tod, schwarze Magie, Schwarzfahrer, Schiedsrichter, Nonnen und die CDU. Weiß hingegen steht meist für das Gute – Frieden, Ärzte, vierlagiges Toilettenpapier, Sojamilch, leere WordPress-Seiten und den Ku-Klux-Klan. Oder habe ich da jetzt etwas durcheinander gebracht? Scheinbar kann man bereits bei zwei Schubladen den Überblick verlieren. Nun stellt euch vor, was wäre, gäbe es Dutzende davon. Völliges Chaos. Der Albtraum eines jeden Schwarzmalers. Das lässt sich gut an den farbenfrohen Werken einschlägiger Künstler des abstrakten Expressionismus erkennen. Hätten sie sich doch lieber der Schwarzweißmalerei hingegeben, dann fiele das Bewerten und Schubladisieren ihrer Kunst viel einfacher. Und auch das heutige Fernsehprogramm sähe in schwarz-weiß nur noch halb so schlimm aus. Erst recht, wenn wieder jemand mit der Fernbedienung herumgespielt und die Farbsättigung verstellt hat.

Schwarz und Weiß. Es erinnert mich nicht nur an das Wochenthema „Klischee“, sondern aus irgendwelchen Gründen auch an… Kaffee.

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5 Gedanken zu “schwarz-weiß

  1. witzig geschrieben, gefällt mir! Nur was das Schwarz bei den Wahlen zu tun hat, verstehe ich nicht. Der Schwarze (nein, tiefschwarz war er nicht, sondern nur gut gebräunt) ist ja nun so ziemlich passe, die beiden jetzigen Kandidaten gehören eindeutig der weißen Rasse an. In jeder Hinsicht. LG Gerda

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  2. Weißer Milchschaum auf schwarzem Kaffee. Lecker! Und schon wird der Kaffee ein wenig heller und der Michschaum ein wenig beige. Und schon ist es aus mit der einfach simplen schwarz-Weiß-Sicht. Zu dumm aber auch, dass man sich mit Nuancen abgeben soll, wenn man doch sooooo gern eine einfache Schwarz-Weiß-Welt haben möchte. Natürlich exakt passend zur eigenenen Schwarzmalerei.

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