Farbenlehre: Schwarzer Sand und Unschuldsweiß

Als der Galan vor einigen Jahren mein Domizil, welches mittlerweile unser Domizil ist, betrat sah er wohl vorerst schwarz …

Ein schwarzer Boden mit dem klingenden Namen Ölschiefer ziert das Erdgeschoss, als nächstes erblickt man wohl die Küche mit ihren weißen Küchenkästen und den silbernen Griffen. Schweift der Blick vom Eingang nach links sieht man eine Couch deren Armlehnen und Seitenteile weiß sind und deren Sitzfläche und Rückenlehen Grau sind, ein schwarzer Couchtisch steht davor und der schwarze Fernseher ziert eine schwarz-weiße Kommode.

Wandert der Blick vom Eingang nach rechts erblickt man eine schwarze Garderobe, mit silbernen Aufhängstangen und Schuhablagen. Ein kleine Schwarze Kommode auf welcher mittlerweile zusätzlich ein kleines weißes Schränkchen steht. Zwischen Küche und Eingang, ebenfalls rechts findet man den Schwarzen Esstisch der auf seinen silbernen Beinen herumsteht.

Die Wände sind weiß, wobei ein kleines Wandregal … Überraschung … in schwarz dieses weiße Rauschen unterbricht. Auf der Decke war ich etwas kreativer. Unser Holzhäuschen ist in Schiffsbauweise, was bedeutet die Decke oder eben der Boden des oberen Stockwerkes ruht auf wunderschönen Querbalken, welche ich schwarz strich, die Dielen der Decke sind allerdings weiß.

Lediglich im oberen Stockwerk, in welchem sich ein schwarz-weißes Bett, neben einem großen weißen Kasten und zwei kleinen schwarzen Kommoden, befindet, wählte ich einen brau-grauen Boden und lies auch die Decke in ihrem ursprünglichen Braun.

Selbstverständlich gibt es auch den einen oder anderen Farbakzent, aber diese auszuführen sprenge nun den Rahmen. Wie dem auch sei, man merkt schnell ich habe ein dezentes Faible für Schwarz und Weiß, offenbar nicht nur bei meiner Garderobe, in welcher sich aber auch dezente Farbakzente befinden.

Ich gebe zu, der schwarze Boden mit seinen gräulichen „Schlieren“ war keine gut überlegte Wahl, die hündischen Damen des Hauses neigen am Abend und in der Nacht dazu mit dem Boden zu verschmelzen, da ihr Rücken größtenteils Schwarz ist. Einige Male wurden sie deshalb schon „niedergelaufen“, weil die beiden treu-doof sind und eben darauf vertrauen, dass man sie nicht niederrennt … keine Sorge, zumindest nicht um die hündischen Damen des Hauses, es endet meist so, dass ich stolpere und mich nach hinten schmeiße um ihnen ja nicht weh zu tun, was bedeutet das mir kurz darauf der Hintern weh tut.

Heute suchten der Galan und ich nach unserem Broterwerb einen der örtlichen Baumärkte auf, begaben uns in die Farben und Lacke Abteilung und staunten nicht wenig. Leicht zu erheitern wie ich manchmal bin konnte ich mir ein breites Schmunzeln nicht verkneifen.

Mein Blick war auf Sindbads Segel und gleich darauf auf Unberührt gefallen. Dazu gesellten sich Prinzessin, Stonehenge, Steppenwolf, Mousse au Chocolate und ein Tag im Paradies.

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Reizüberflutung. Wir wendeten und widmeten uns einem weiteren Sortiment an Farben, jenes Sortiment, welches ich nun als erstes erblickte schloss sich selbst aus. Reizüberflutung Royal. Interessanterweise steuerte der Galan auf diese überquellende Palette zu, vermutlich, weil Männer zu Farbenblindheit neigen, er sah dort nicht verschiedene Farben in ihren Abstufungen, sondern einfach nur Lila, Rot, Orange, Gelb, Hellgrün, Dunkelgrün, Blau, Schwarz und Weiß.

Ich vollführte eine halbe Drehung und sehe ein weiteres Sortiment an Farben.
„Nebel im November ist schön“

„Mhm…“

„Aber Melancholisch.“

„Mhm…“

„Licht der Gletscher könnte auch Interessant sein“

„Mhm…“

„Stärke der Berge wäre Dir zu Dunkel, oder?“

„Wovon sprichst du jetzt eigentlich?“, mit diesen Worten lugte der Galan aus einem Gang hervor.

„Von den Farben hier.“

„Ach“, etwas ungläubig begutachtet er die Schilder auf den Dosen-Eimern.

„Hast Du schon ein weiß gefunden?“, frage ich

„Hier ums Eck“

„Wird’s dort einfacher?“

Er antwortet nicht, aber sein Grinsen lässt mich nichts Gutes vermuten. Ich blicke um die Ecke und werde von Edelweiß, Alpinweiß und was-weiß-der-Teufel-Weiß erschlagen. Ziemlich bald wird uns die Entscheidung dadurch abgenommen, dass wir eine Wandfarbe suchen, welche sich mit einem feuchten Lappen reinigen lässt, davon scheint es nur ein Weiß zu geben, welches schlichtweg weiß heißt. Warum reinigungsfreudige Farbe? Bei Matschwetter hinterlassen die hündischen Damen des Hauses schon mal einige Spritzer an der Wand … Ich übrigens auch, besonders dann, wenn ich mit einem Granatapfel kämpfe … oder koche … manchmal findet man mich beim Decke schrubben vor…

So weiß haben wir jetzt, aber noch immer nicht den gewünschten Farbakzent, welcher dieses Mal nicht Schwarz sein soll. Persönlich bin ich ziemlich froh das Rot nicht zur Debatte gestanden hatte. Dem Galan wäre ein Braunton vorgeschwebt, allerdings kann ich mich für Braun nicht sonderlich erwärmen, bei dieser Farbe muss ich an Matsch denken … Erst jetzt werde ich gewahr wie Umsichtig die Farbwahl des Galans scheint.

Wir denken gemeinschaftlich über einen Blauton nach, jene Farbe welche mir nach den Nichtfarben am ehesten zusagt.

„Was hältst Du vom Perlentaucher?“, fragt der Galan“

„Nein, da muss ich sofort an Hombre denken.“

„Hombre?“

„Ja, von der Puda Rosa Ranch, der in der Badewanne so toll nach Bullys Perlen taucht.“, wir lachen beide und stellen das Farbkärtchen wieder zurück.

„Wie wäre ein Tag im Paradies?“, frage nun ich.

„Ja, der ist schön kräftig. Der stolze Wellenreiter ist etwas gedeckter.“

„Sch….ande!“, rufe ich aus

„Was denn.“

„Blau macht aber kalt.“

„Stimmt, das sollte dir aber gefallen.“

„Schon, aber es passt auch nicht zum Boden, oder zu den Möbeln.“

„Da hast du recht.“

„Und jetzt?“

„Ich hol mal ein Wagerl.“

Während der Galan ein Wagerl holt breche ich ob der Farben zusammen, etwas theatralisch ausgedrückt, tatsächlich lasse ich mich einfach im Schneidersitz auf den Boden sinken und bewache dort die zwei Eimer weiße Farbe.

Da fällt mein Blick auf die Erde des Südens, ein schmeichelndes Terrakotta, ich angle den Eimer aus dem Regal und vergleiche sie noch einmal etwas sehnsüchtig mit dem Wellenreiter, irgendwie bin ich traurig das wir uns gegen Blau entschieden haben … Ja, ja der melancholische neblige November, schießt es durch meinen Kopf.

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Auch den Wellenreiter möchte ich nun aus seinem Regal fischen, dabei stoße ich fast den nicht sichtbaren, letzten, Eimer Ruhe des Nordens um, ein stilles Graublau. Still ist gut, grau ist gut und blau ist auch gut.

Als der Galan mit dem Wagerl wieder retour kommt, halte ich die beiden Eimer Farbe hoch.

„Doch ein Braun?“, fragt er unglaubwürdig.

„Nö, das ist Terrakotta, das ist ein Unterschied.“

„Aha und warum dann die Ruhe des Nordens?“

„Das ist graublau.“

„Passt das zusammen?“

„Nö, wir nehmen jetzt trotzdem beide.“

„Warum?“

„Frauenlösung, wir pinseln einfach etwas von beiden Farben an die Wand und entscheiden uns dann.“

„Ok.“

Am Weg zum Ausgang beweist der Galan übrigens die männliche Farbenblindheit, ich entdecke süße Kissen, welche ein respektables Geschenk für die Ziehmutter des Galans abgeben würden, da ein sehr netter und treffender Spruch darauf steht, allerdings ist das Kissen Schwarz mit weißer Schrift, ich wühle auf der Suche nach einer anderen dezenteren Farbe, kann aber keine finden.

„Na das Grau ist doch eh nett.“, antwortet der Galan auf mein Gemaule darüber, dass ich keine andere Farbe finde.

„Das ist schwarz.“, sage ich lachend

„Was?“, der Galan wagt einen genaueren Blick. „Könntest recht haben. Aber was ist so schlimm an schwarz?“

„Nichts, dann passt es wenigstens zum Thema.“

„Welches Thema?“

„Das liest du später.“

Nach wie vor sitze ich vor der abfotografierten Farbskala und sinniere über unberührt, unschuldsweiß, Lufthauch, stolze Wellenreiter und schwarzen Sand …

… andächtig blickte der stolze Wellenreiter über die unberührte See. Zaghaft sendete die Sonne ihre ersten Lichtstreifen über den Horizont, schwarz wirkte der Sand unter seinen Füßen. Mit einem Lufthauch hatte es begonnen nun schwoll dieser an, lies die Wellen langsam größer und größer werden, eine weiße Schaumkrone zierte ihren Kamm, in diesem Licht wirkte es als trügen die Wellen ein unschuldiges Weiß, einer Braut gleich die ihrem Bräutigam entgegenschreitet …

Demnächst: Ein Tag im Paradies oder: eine Geschichte in Farben geschrieben

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9 Gedanken zu “Farbenlehre: Schwarzer Sand und Unschuldsweiß

  1. Oh meine Güte. Was für Farbnamen. Damit wäre ich total überfordert.
    Ich kenne zwar auch ein oder zwei Farbnuancen, aber am liebsten teile ich in Blau, Hellblau, Dunkelblau (wahlweise auch …grün, …gelb) ein.
    Bis heute kann ich mir unter Ecru und Taupe nichts vorstellen. Vielleicht einfach, weil das langweilig klingt. Hat auch was von Matsch für mich.

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  2. Lol, das „Drama“ hatte ich im Sommer auch.
    Eine feste Idee für Farben an den Wänden der neuen Wohnung. Die Umsetzung ist dann aber manchmal schwierig.
    Ich bin mit gefühlten 500 Farbkarten nach Hause gegangen (um die 30 werden es tatsächlich fast gewesen sein) und habe gemacht, was ich in der ersten Wohnung schon gemacht habe: Mich eine Stunde in die neue Wohnung mit den Karten gesetzt und im dort herrschenden Licht geguckt was passt…. Es ist der Wahnsinn :D.
    Aber… die Wände sind fertig.
    Das blau ist wirklich hübsch.. ich hoffe gerade, dass es das geworden ist ^^.

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    1. 😀 Wir haben beides, Esszimmer gegenüber vom Fenster ist jetzt die Erde des Südens (braun) da fällt auch das Tageslicht darauf, dadurch drückt/stört es gar nichts und wirkt auch nicht so „matschig“ – zumal davor eine Kommode steht auf welche Pflanzen kommen und Wohnzimmer dort wo mal der Fernseher davor stehen soll die Ruhe des Nordens (Blau) – wir haben bei beiden Farben einige Centimeter weiß „rundherum“ gelassen – das funktioniert ganz gut

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