Der alte Mann und der Teufel

schweinsgalopp

In einer lächerlichen Gegend lebte einst ein alter Mann. Der hatte in seinem Leben schon manche Merkwürdigkeit gesehen und dachte, nichts auf der Welt könnte ihn noch aus der Fassung bringen.
Aber eines schönen Tages kam der König zu ihm und sprach:
Alter Mann! Du bist der älteste Bürger meines lächerlichen Reiches. Und deshalb nehme ich ohne weitere Prüfung an, du seiest auch der Weiseste.
Der Alte Mann fühlte sich ebenso unerwartet geehrt wie verwundert. Respektvoll antwortete er:
Euer Vertrauen ehrt mich wahrlich, Majestät…
Der König schnitt ihm das Wort ab:
Dringend brauche ich einen weisen Rat. Von meinem Hofstaat erhalte ich nämlich nur unterwürfige Respektsbezeugungen. Mich aber plagt eine schlimme Sorge und da brauche ich Deine Hilfe.
Der alte Mann erwiderte scheu:
So denn Majestät, schildert mir doch Eure Sorge. Vielleicht kann ich Euch tatsächlich helfen.
Bei sich aber hegte der alte Mann tiefe Zweifel, ob seines eigenen Verstandes und noch viel mehr ob der geistigen Gesundheit seines Herrschers. Dieser Zweifel aber sollte sich im Laufe des Zwiegespräches noch vertiefen. Der König sprach:
Mein einziger Sohn, der einst mein Reich erben soll, beabsichtigt einen Pakt mit dem Teufel zu schließen. Und ich befürchte der Teufel will ihn betrügen. Denn Du musst Wissen: Gänzlich unerfahren in geschäftlichen Dingen ist mein armer Sohn. Wer hätte es ihm auch beibringen können, wo doch niemand in unserer Familie über Bildung verfügt und mein Hofstaat nur aus rückgratlosen Jasagern besteht.
Der alte Mann war ein wenig verwirrt. Eigentlich wollte er den König fragen, wie er es geschafft hatte König zu werden, aber das erschien ihm arg ungebührlich. Demütig entgegnete er daher:
Majestät, Ihr seid Euch im klaren darüber, dass auch ich Zeit meines Lebens nur ein einfacher Schweinehirte war und es auch heute noch bin. Nie habe ich etwas anderes erfahren als Leibeigenschaft, elende Misshandlung und kaum ausreichend Obdach und Nahrung als Lohn meiner Mühen. Woher soll ich die Fachkenntnis nehmen, einen Vertrag des Teufels auf Rechtmäßigkeit zu prüfen?
Der König nickte bedeutungsschwer. Er verstand die Notlage seines armen, von Alter, Armut und Unbildung gebeugten Untertanen gar wohl. Denn seine eigene Dynastie entstammte ebenfalls einer Sippe von Schweinehirten, welche nur durch abwegige Zufälle an die Macht geraten war. Nichtsdestotrotz war er jetzt König und der arme Schweinehirt hatte seinen Befehlen zu gehorchen. So zog er den Vertragsentwurf aus seiner schweinsledernen Mappe und drückte ihn dem alten Mann in die Hand.
Heute Abend komme ich wieder um Dein höchst weises Urteil anzuhören. Ich setze volles Vertrauen in Dich. Denn sollte meinem Sohne aus diesem Geschäft ein Nachteil erwachsen, werde ich Dich zunächst köpfen lassen und anschließend für alle entstandenen Verluste haftbar machen.
Der alte Mann wollte noch einwenden, dass er ja noch nicht einmal lesen könne. Aber der König zog von dannen. Er hatte an diesem Tage nämlich noch viele andere unangenehme Termine und war in Verzug.
Da stand nun der alte Mann in der lächerlichen Gegend und sah sich vor einer unlösbaren Aufgabe. Eine Weile staunte er stumm. Dann überlegte er eine Weile hin und her. Schließlich beschloss er, aufzugeben. Er machte sich also auf den Weg zur Residenz des Königs, um mit dem Henker einen günstigen Zeitpunkt für seine eigene Hinrichtung zu verabreden.

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7 Gedanken zu “Der alte Mann und der Teufel

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