Aufstehen oder besser nicht?

Es gibt diese Tage, an denen ist schon morgens beim Aufstehen klar, dass sie heute nicht die Welt retten wird. Sollte der Weltuntergang ausgerechnet heute stattfinden, sie hat ihm nichts entgegenzusetzen. Am besten bliebe man im Bett und schaute der Welt beim Weiterdrehen zu. Die macht das auch alleine sehr gut.

Der einzige Grund, warum Tiffany trotzdem aufstand, war der maunzende Vierbeiner, der im Morgengrauen ihren Lieblingssessel mit dem Krallen malträtieren würde, wenn sie es nicht tat. Ob sie aufstand, war ihm dabei natürlich egal, könnte sie das Futter vom Bett aus in seinen Napf bringen, würde er sich auch nicht beschweren. Meistens klappte das eigentlich auch, aber heute ist sie eben schlecht drauf, und für’s Teleportieren muss man sich konzentrieren.

Einer dieser Tage also. Die Schatten unter den Augen nicht wegzuschminken, die Strähnen auf dem Kopf eine einzige Katastrophe, und dann noch ein Pickel auf der Nase. Auch als Hexe kann man dagegen nichts machen. Die Schachtel mit dem Katzenfutter ist fast leer, genervt reisst Tiffany eine neue auf. Die Papplasche reisst ab und die Trockenfutterkringel kringeln sich lustig hüpfend auf dem Küchenboden. Kater ist begeistert. Solche Momente pflanzen sich wie durch Zellteilung rasend schnell fort, für jeden vergangenen kommen sofort zwei neue. Kaffee verschüttet, Knoten im Schnürsenkel, eins kommt zum anderen und das nächste hinterher. Und der Zauberstab? Wo ist nur der Zauberstab hingekommen?

Ach so, damit hat sie ja vorhin den Kaffee umgerührt, weil mal wieder kein sauberer Löffel zu finden war. Das Katzenvieh war im Haushalt eine Katastrophe. Boden wischen klappte ganz gut, aber spülen …

Jetzt aber hurtig, Tiffany holt das Einhorn aus dem Stall und …. Tiffany will das Einhorn aus dem Stall holen … aber da ist kein Einhorn. Noch nicht mal ein ganz kleines. Stattdessen guckt sie ein Lama treudoof an. Oh mann, was war eigentlich los? Was für ein Scheißtag! Tiffany holt den alten Besen aus der Ecke, der beim fünften Zauberspruch dann auch endlich anspringt und holpernd losfliegt. Hatte schon seinen Grund, dass sie sich das Einhorn angeschafft hatte. Dem Verkäufer würde sie was erzählen, kaum war die Garantie abgelaufen, verwandelte sich ihr geflügeltes Einhorn in ein zotteliges Lama.

Besen und Tiffany fliegen durch die Wolken davon. Jetzt ist die Frisur völlig im Eimer denkt sie noch, kurz bevor die Antigravitationseinheit des Besens ausfällt, und sie plötzlich wichtigeres zu denken hat. Obwohl sich genau jetzt die Reste der Frisur in aller Form von ebenjener verabschieden, so dass es an der Frisur nun tatsächlich einiges auszusetzen gäbe.

Hätte sie doch mal besser aufgepasst, als neulich auf diesem Seminar Fallschirmzaubern dran war.

Tiffany wacht auf. Und es war einer dieser Tage, an denen sie schon morgens beim Aufstehen wusste, dass sie heute nicht die Welt retten würde. Ach, soll der Weltuntergang doch heute stattfinden, sie hat ihm nichts entgegenzusetzen. Und Tiffany bleibt im Bett, während im Wohnzimmer der hungrige Kater ihren Lieblingssessel zerfetzt und draußen das Lama leise blökt.

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2 Gedanken zu “Aufstehen oder besser nicht?

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