Warum der Anstand flöten geht, oder: Shit happens

Nachdem ich mir zweimal Themenmixe erlaubte, da ich einige Themen des Mitmachblogs, der Blog bei welchem viele Autoren mitmachen und gerne noch weitere Autoren mitmachen können und sollen, verpasst hatte, könnte es diese Woche zu gleich zwei Beiträgen für selbigen kommen, wobei mich mein Gefühl soeben vermuten lässt das der zweite deutlich witziger wäre, als dieser hier in welchem ich saftig, aber eventuell stellenweise dennoch witzig, motzen werde.

Aus Fehler lernt man, ich auch, zumindest beim Autofahren. Meinen Führerschein hatte ich zwei Tage, als ich beim Rückwärtsfahren mit Beluga, wie mein erstes Automobil welches relativ groß und in Weiß gehalten war anfangs hieß, gegen einen Pfeiler des automatischen Einfahrtstores der Klogen, wie ich meine Eltern nenne, fuhr.

Beluga, welcher später aufgrund diverser, manchmal durchaus witziger, Macken Moby Dick oder einfach Sackratte gerufen wurde, hatte hierbei einen Lackfahrer davongetragen, welchen ich natürlich höchst fachgerecht übersprühte. Danach sollte ich nie wieder, wobei ich nun mal eben auf Holz klopfe, eines meiner Fahrzeuge durch Unachtsamkeit während, oder abseits, des Steuerns beschädigen. Vermutlich wird sich dies bereits heute Abend ändern, da ich soeben damit „prallte“ …

Die Klogen haben ihre Arbeit, Erziehungstechnisch, (meiner Meinung nach) gut gemeistert, in jenen Bereichen in welchen ich nicht aus Fehlern lerne, also so ziemlich fast immer wenn ich auf einem Fahrrad sitze oder mit unhandlichen Gegenständen unterwegs bin, dezent übertrieben dargestellt, hinterlasse ich Nachrichten wenn ich etwas verbockt habe.

Es war 2008 als ich der Umwelt zuliebe Strider, dass Automobil vor Flipper und nach Hugo, zuhause stehen gelassen hatte und mit Nemesis, meinem Fahrrad der Marke Genesis, was ich hier tatsächlich nur erwähne weil mich dieses „Wortspiel“ noch immer erheitert, etwas über zwanzig Kilometern zu den Klogen auf einen Besuch geradelt war.

Dumm das ich die etwas mehr als zwanzig Kilometer auch wieder retour musste und noch Dümmer das mich am Heimweg, wenn man vollgefressen und müde ist, ein ordentlicher Abschnitt bergauf erwartete. Ebenfalls dumm, dass auf dieser Strecke, innerstädtisch die Autofahrer auch gerne schnell bergauf fahren und knapp an einem vorbei fahren, zumal sich auf dem Teilstück um welchen es nun geht, ein unbeampelter Zebrastreifen zu einem Spielplatz und diverse, stets gut besuchte, Lokale und Heurige befinden.

Lange Rede, gar kein Sinn: Ein Auto war mir etwas zu knapp vorbeigefahren was mich zu einem dezenten Schwenk veranlasste, welcher seinerseits dazu führte das die Außenseite meines Lenkers gegen einen Außenspiegel knallte. Da ich 2008 zugunsten der Umwelt öfter auf Strider verzichtete, der später in diesem Jahr beschließen sollte eine Nebelmaschine zu werden, war ich bergauf gar nicht so langsam unterwegs … Ergo es klirrte. Also fuhr ich auf den Gehweg und stieg von Nemesis ab.

Ohne Fahrradschloss, Papier und Stift betrat ich nun vollen Mutes, das Rad geschultert, überhaupt nicht stinkend und tropfend eines der besagten Lokale, in welchem ich selbst gerne speise, um mir Stift und Papier zu borgen um eine Nachricht hinter oder doch unter dem Scheibenwischer des von meinem Lenker geknutschten Autos zu hinterlassen … Noch am selben Abend klingelte das Telefon.

Fest war ich davon überzeugt das ganze ohne Versicherung regeln zu können, immerhin arbeitete ich selbst in einer Kraftfahrzeug-Schaden-Abteilung und wusste somit Daumen mal Pi wie hoch die Kosten für den Außenspiegel sein würden …

ABER, dann meinte der Herr am Telefon was mit dem Schaden, einer Delle, am Heck sei. Ich versicherte ihm dass es mir und meinem Fahrrad wohl gänzlich unmöglich war vorerst eine Delle in einem Heck zu hinterlassen und dann zusätzlich einen Außenspiegel zu rammen, ohne selbst nicht unerheblichen Schaden zu nehmen oder gar einfach magisch zu sein, immerhin fuhr ich ohne einer Acht im Reifen heim …

Diskussionslaune ist in mir nicht sonderlich angelegt, nun ja, angelegt schon, ich vermeide Diskussionen allerdings, da ich zu Rage neige wenn mir jemand etwas „reindrücken“ möchte, ich überlegte und dachte vielleicht meint er ja mit Heck gar nicht das Heck direkt, sondern die hintere Seitentür oder Kotflügel, rein theoretisch, auch wenn unwahrscheinlich, könnte ich dort ja tatsächlich mit einem Pedal noch zusätzlich eine Schramme verursacht haben, also bat ich ihn mir ein Foto zu übersenden.

Anhand des Fotos war für mich recht bald klar da hat jemand beim Ausparken einen Betonbolzen mitgenommen, da besagte Delle tatsächlich direkt hinten an der Kofferraumklappe prangte der Herr beharrte darauf das mein Rad diese Delle verursacht hatte … Also, auch um einer Anzeige zu entgehen meldete ich den Schaden der Versicherung, welche selbigen ablehnte …

2006 war ich ebenfalls relativ ungeschickt gewesen, es regnete, so nahm ich aus – ich glaube noch – Hugo, einen Regenschirm mit, nachdem ich ihn in der Parkagarage, in welcher ich einen Stellplatz nahe meines Broterwerbs angemietet hatte, abgestellt hatte.

Selbstverständlich waren dort noch andere Fahrzeuge abgestellt, die Garage selbst war etwas verwinkelt und so hatte ich mir angewöhnt zwischen einer Betonsäule und einem Fahrzeug, oder Abstellplatz, durchzugehen, wenn ich zum Stiegenaufgang wollte. An jenem Tag vergas ich das ich einen Schirm in der Hand hatte und bei meiner Ausweichbewegung, um eben nicht mit dem Arm gegen den Außenspiegel zu knallen, knallte ich den Schirm gegen das Fahrzeug. Ob es überhaupt tatsächlich beschädigt wurde, konnte ich aufgrund der Nässe des Fahrzeuges nicht sagen, der silberne „Kopf“/Abschluss“ des Regenschirmes zeigte keinen Lackabrieb, was aber nichts heißen muss, also schrieb ich wieder einen Zettel.

Erneut meldete sich der Besitzer, in diesem Fall eine Besitzerin, ein Kratzer sei auf ihrem Fahrzeug. Spot-Repair war gerade groß im Kommen, ein kleiner Kratzer von einem Regenschirm konnte nicht die Welt kosten, also wollte ich auch diesen, angeblichen, Schaden ohne Versicherung abwickeln.

Wieder erhielt ich ein Foto … Mit einem Kratzer auf der Motorhaube, auf der Beifahrerseite, ich war an der Fahrerseite vorbeigegangen, relativ nah an der oberen Falz, ich war ziemlich sauer, zumal mir die überaus nette Dame überaus nett drohte, als ich sie darauf hinwies das mein Regenschirm wohl kaum auf ihrer Motorhaube hätte landen können, außer ich hätte ihn zum Sperrwurf verwendet, dies vermeide ich jedoch generell, besonders an Regentagen … Schließlich meldete ich den Fall erneut der Versicherung, welcher ebenfalls abgelehnt wurde.

Nun haben wir 2016 und auch dieses Jahr beweise ich, dass ich aus meinen Fehlern nichts gelernt habe. Es ist der 20. August 2016 als ich einen Lauf mit den hündischen Damen des Hauses wage, der Galan geleitet uns auf einem Fahrrad und kurz vor zu Hause sende ich ihn, ob der Hitze, ein Stück voraus um den Gartenschlauch für die hündischen Damen des Hauses vorzubereiten.

Eine Katze befindet sich in dem umzäunten und abgesperrten Areal, in welchen wir Kleingärtner unsere Mülltonnen zur Abholung abstellen. Sie sieht uns und läuft nach links, was mir egal ist weil ich nach rechts muss.

Plötzlich ist die Katze aber auch rechts, springt von einer Mülltonne auf den Zaun und vom Zaun weiter auf einen Baum, rutscht dabei aber ab und landet rücklings direkt vor mir und den hündischen Damen des Hauses. Obwohl ich die hündischen Damen des Hauses sofort wegziehe, kratzt die Katze eine davon in der Nase und nimmt umgehend Reißaus …

Ich bin mir relativ sicher das die hündischen Damen des Hauses nicht gebissen haben, schreibe dennoch einige Zettel und hänge sie an verschiedenen Punkten in der Ortschaft auf, ich kenne das Gefühl wenn ein Tier verletzt heim kommt und man dem Tierarzt nicht sagen kann was passiert ist, außerdem schloss ich innere Blutungen der Katze nicht aus, war sie doch von etwas über zwei Metern rücklings am Beton gelandet, in meinem Kopf würde wertvolle Zeit verstreichen, wisse der Tierbesitzer nicht was passiert war. Selbst den örtlichen Tierarzt verständigen wir … Ein Besitzer meldet sich und am nächsten Tag wird die Katze von mir und dem Galan in Augenschein genommen, da der Besitzer uns dankbar ist und uns auf einen Besuch einlädt.

Sie kommt zu uns, zwei Fremden, zum schmusen, sie hinkt etwas mit einem Hinterlauf, wirkt sonst aber gesund und munter, springt auf die Eckbank in der Küche und spielt sogar ein wenig mit einem kleinen Ball. Ich taste die Katze selbst vorsichtig ab, kann aber keine Abschürfungen oder Wunden von einem eventuellen Biss spüren. Die Besitzer waren mit der Katze am Vortag noch beim Tierarzt, nichts wird von einem Biss erwähnt.

Erleichtert das es der Katze, bis auf das Hinken und einem sehr leichten Schock gut geht verabschieden wir uns …

Einige Wochen sollen vergehen, mittlerweile ist es September, da möchten uns die Katzenbesitzer darüber informieren dass die Katze angeblich einen Bluterguss im Rücken hat, welcher wandert … Sie sprechen mit dem Galan am Telefon während ich noch beim Broterwerb bin. Als ich davon erfahre denke ich mir nicht viel, vielleicht nur etwas böse, da kann ich oder die hündischen Damen des Hauses aber nichts dafür …

Zwei Tage später, ich betone erneut im September, wird der Galan erneut angerufen, der Bluterguss müsse rausoperiert werden, ob die hündischen Damen des Hauses versichert wären. Als mir der Galan dies mitteilt bin ich etwas verärgert, für mich ist klar das der blaue Fleck wohl davon stammt das die Katze eben tatsächlich rücklings, also Bauch nach oben, auf dem Beton vor mir und den hündischen Damen des Hauses gelandet war … Dafür kann ich und die hündischen Damen des Hauses nichts …

Mittlerweile war ich so genervt das ich den vermeintlichen „Schaden“ wieder der Versicherung gemeldet habe … Die Katzenbesitzer ließen mir eine tierärztliche Rechnung zukommen auf welcher Chirugie mit Bissverletzung, Nabelbruch und Tumor vermerkt ist …

Operiert wurde, angeblich, satte vier Tage nach dem Vorfall und somit drei Tage nachdem der Galan und ich eine relativ muntere Katze vor uns hatten welche sich streicheln lies, vom Boden aufs Sofa sprang und dort mit einem Ball spielte … ??? Zudem war die Operation laut Rechnung eben bereits am 24. August, ein Mittwoch mir und dem Galan wurde erst Mitte September zugetragen das die Katze operiert werden müsse und interessanterweise sind alle weiteren 6 Rechnungspositionen ab dem 20. September, somit exakt einen Monat nach dem Vorfall und ab da dicht gedrängt, bis zum 05. Oktober.

Ich bin nicht dumm, die Versicherung ist nicht dumm …

Ich selbst bin mit Katzen groß geworden und hatte schon immer verschiedenstes Hausgetier, es wäre mir somit gänzlich neu das eine Verletzung, welche eine Chirugie (=Operation/Nähen) benötigt, erst vier Tage nach dem Vorfall/Unfall/erstmaligen zum Tierarzt bringen, versorgt wird … Ich vermute auf notwendigen Röntgenbildern (aufgrund des Sturzes) wurden Tumore bei der armen Katze festgestellt …

Was passieren könnte, wenn die Versicherung nun genauso sauer wird wie ich, ob der sehr offensichtlichen Ungereimtheiten (Versicherungsbetrug)… ein gewaltiges Shit happens!

Sehr lange Rede, kurzer Sinn: wundert sich da noch irgendjemand darüber das Mitbürger eben einfach weitergehen wenn sie etwas beschädigt haben …  Der Anstand flöten geht …

Der Dank dafür das man ehrlich ist, oder auf problematische/gefährliche Umstände hinweisen möchte ? … Jede Menge Bull-Shit mit welchem man sich in einem sonst so sorgenfreien Leben auch noch rumschlagen darf …

… Man möge mir meinen Zorn verzeihen, aber nichts bringt mich mehr in Rage als Menschen die Lügen und Betrügen und dies tat jeder in diesen drei Geschichten …

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6 Gedanken zu “Warum der Anstand flöten geht, oder: Shit happens

  1. Ein gut gemeinter Tipp: Schreib keine Zettel mehr! 😉

    Aber ein Talent für die Namensgebung von Autos, das hast Du! „Beluga“ – herrlich! 😉

    Meines heißt „Cecile“, ist immer noch mein erstes Auto, muss noch ganz, ganz lange halten und vermeidet hoffentlich genau so lang Kontakt zu Pfeilern, Außenspiegeln und Ähnlichem! 😉

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    1. He he – wie (ziemlich schlecht) angedeutet werde ich vermutlich beim nächsten Mal auch keinen Zettel mehr schreiben – allerdings trau ich mich wetten das mich dann irgendwer/irgendwie „erwischt“ – allerdings ging das Zettel schreiben tatsächlich einmal gut aus – mir war der „Henkel“ vom Rucksack gerissen – welchen ich natürlich „obercool“ nur auf einer Seite geschultert hatte und der Rucksack hatte beim Weg abwärts einen gesamten Außenspiegel (2er Golf) mitgenommen – dem Fahrer war das in diesem Fall sogar egal – der hat angerufen und gemeint danke fürs sagen – aber vergessen Sie es … Denke der war schon vorher „locker“

      Danke, ja das Erstlingsauto – ein „Schlachtschiff“ sah so wie Flipper jetzt irgendwie wie ein Beluga aus 🙂 Beim Behalten hat ich bis zu Flipper leider nie glück „Beluga“ wurde ein Zahnriemen zum Verhängnis … Hugo eine mehrmals kaputte „Lambdasonde“ und Strider ein undichter Zylinderkopf (Öl in der Verbrennung – von daher die Bemerkung mit der Nebelmaschine)

      Cecile gefällt mir aber auch gut – was für ein Auto ist es denn? Das Vom Galan heißt Stella, sein Motorrad Erna 🙂 Mein Motorrad heißt übrigens „The Doctore“ 🙂

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      1. Oh, da wird noch einiges klarer, das mit dem Zylinderkopf hat was. 😉 Andererseits: Es gibt technisch nichts Unschöneres, als wenn ein Auto aufgrund des Zahnriemens aus dem Leben scheiden muss. 😦

        Cecile ist übrigens ein Renault Kangoo. Und sie – ja, „sie“ 😉 – wurde mal von mir benannt nach der Sängerin einer nicht mehr in der Formation existierenden Band, die ich damals ganz niedlich fand. Die Sängerin, nicht die Band! 😉

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  2. Es ist nicht nur der Anstand, der verloren geht. Es ist der unmittelbare, menschliche Kontakt. Mit seiner Wärme, aber auch der unerwünschten Nähe, dem Gestank und der Neugier dörflicher Enge. Richtig wäre gewesen, die Polizei zu rufen, damit die den Schaden beweissicher dokumentiert. Mit allem Zeitaufwand und der unerwünschten Auseinandersetzung mit unfreundlichen Beamten plus n Zwanni zahlen fürs Rufen und anrollen lassen. Regelkonformes Bürgerverhalten unter Aussnutzung des Systems gegen Anstand? Was ist besser?

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  3. Kein Zettelschreiben kann den plötzlichen Besuch dreier uniformierter Staatsbeamter nach sich ziehen, die fachmännisch auf das Zeugnisverweigerungsrecht hinweisen und eilig mit Kamera und Klebestreifen zur Tatortsicherung schreiten – es steht immer einer hinter irgend einer Gardine und notiert sich wenns sein muss auch das Nummernschild vom Haushund.

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