Nix da Klingeling oder: vom sinnvollen Schenken

„Ist schon Weihnachten?!? Ist schon Weihnachten?!?“, die jüngere Pixie war in überaus euphorischer Stimmung, meist wahrscheinlich schon im November, so genau weiß ich das gerade gar nicht. Der Zettel fürs Christkind war geschrieben und aufs Fensterbrett gelegt, man merkt schon als Kind hatte ich einen gesegneten Schlaf, nie hätte ich mitbekommen, dass die reifere Version von mir den Wunschzettel nach drinnen geholt hätte.

War Weihnachten endlich gekommen, lag der Großteil des Gewünschten tatsächlich unter dem, wundervoll, geschmückten Baum, welcher dazwischen immer wieder neu aufgeputzt werden musste, da ich mich schändlich an den befestigten Süßigkeiten verging.

„Oh mein Christkind, ich hab dich ja so lieb.“, soll es mir in so mancher Weihnacht vor Freude entfahren sein.

Jahre später, sollte mir Weihnachten schlagartig gar nichts mehr bedeuten, zumindest nichts außer Trauer … warum? Das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Besagte Weihnacht viel jedenfalls aus … Nix da Klingeling.

Ein Jahr später sollte mir ein Ehemaliger ein ziemlich sinnbefreites Geschenk machen, mir hatte ein Lied einer Pop-Künstlerin gefallen, also hatte er mir das gesamte Album besorgt … Ich hatte ihm gar nichts besorgt, vielleicht weil ich noch immer mit diversen Gefühlen beschäftigt war oder vielleicht weil sich der Ehemalige eben zum Ehemaligen entwickelte.

Wieder ein Jahr später gab es den Ehemaligen nicht mehr und somit kurz vor Weihnachten nur mich, zwei Katzen und Trauer … Damals gab es noch richtige Winter, mit Schnee, besagtes weißes Zeug türmte sich gar einen guten Meter von den Autodächern, Hausdächern und Ästen empor. Ich hatte das Glück meinen damaligen Broterwerb nicht aufsuchen zu müssen, da man selbigen aufgrund der Schneemassen in diesem Jahr, vom Ort meines Domiziles nicht erreichen konnte.

Ich hatte Zeit, zu viel Zeit, das Kabel in meiner Wohnung bot mir Internet und Fernsehen, also rollte ich mich unter der Decke auf der Couch ein, kuschelte mit meinen Katzen und zappte sinnbefreit durch die Fernsehlandschaft.

Medien, beziehungsweise Nachrichten hatten, mich zu dieser Zeit überhaupt nicht Interessiert, Politiker die Logen um gewählt zu werden, Nationen welche sich ohne Grund hassten, Unruhen hier und dort … immer dasselbe …

Wie es für den Menschen manchmal üblich ist, obwohl mir dieses Phänomen beim Lenken meines Fahrzeuges zum Glück gänzlich fremd ist, blieb ich an einem Bericht des ORF 1 hängen. Die Flimmerkiste zeigte mir offensichtlich späte Nachmittagsstunden im Winter, vielleicht auch tatsächlich die Nacht des vorangegangen Tages, auf der Wiener Lände, welche neben dem Gürtel und dem Ring eine nicht zu verachtende Verkehrsrolle spielt. Allerdings befanden sich die Beamten des blinkenden Fahrzeuges nicht auf der Straße sondern unterhalb, am „Pier“ neben dem Donaukanal, welcher gerne von Lokalen, Sportlern oder Naturgenießern genützt wird.

Ein Obdachloser war in der Nacht unterhalb einer der Brücken erfroren … Wäre der Hund eines Spaziergängers nicht zu ihm gelaufen, hätte man ihn wohl länger nicht gefunden …

Mit Tränen in den Augen schaltete ich die Flimmerkiste wieder ab, legte die Katzen behutsam von mir herunter, griff im Regal nach Krieg und Frieden, jenes Buch welches ich bis heute noch nicht ausgelesen habe und lies mich auf meinem Lesestuhl nieder.

Meine Tolstoi-Phase hatte nach, Wie viel Erde braucht der Mensch, Herr und Knecht, Anna Karenina, Die Kosaken, der lebende Leichnam und einigen anderen Werken aus seiner Feder, ihren Höhepunkt erreicht. Hier halte ich es so wie man es Männern bei diversen körperlichen Vergnügen andichtet, ist der Höhepunkt erreicht ist es vorbei … Mitverschuldet war dies auch durch das Werk Walden, aus der Feder von Thoreau.

Ich legte Krieg und Frieden, welches derzeit als Türstopper dient, nachdem ich etwas darin gelesen hatte, ohne die Worte zu verarbeiten, zur Seite und begann raus in das Schneetreiben zu schauen.

Waren es die erwähnten Werke und der innere Konflikt, welcher durch ihren Konsum in mir entstanden war, war es die Weihnacht vor einigen Jahren gewesen oder das mich der Gedanke an jenen schutzlosen Mann nicht mehr losließ.

Zögerlich erhob ich mich, zog mich für draußen an und verließ meine Wohnung, stets unter den wachsamen Augen meiner Katzen, welche mich wohl für gänzlich bescheuert hielten. Nach fast einer halben Stunde, hatte ich den sonst Fünf-Minuten-Weg zur örtlichen Bank hinter mich gebracht und dort die Spenden-Erlagscheine zweier caritativer Organisationen ausgefüllt und eingeworfen.

Es war damals sicher eine Übersprunghandlung, dass möchte ich gar nicht leugnen, aber mittlerweile ist es mir eine liebgewordene Tradition geworden. Ich befasste mich jedes Jahr etwas bewusster mit dem Thema und so erhält eine caritative Organisation jährlich ein Winterpaket von mir und auch das Tierheim in welchem mein dritter Herzenshund sitzt, den ich aber nicht zu uns holen kann, bedenke ich gerne, wenn die Firma das 13. und sechs Monate später das 14. Gehalt ausbezahlt.

Der Galan und ich verzichten darauf uns zur Weihnacht, welche mir langsam aber sicher wieder mehr Freude bereitet, großartig zu beschenken, gerne verlegen wir uns tatsächlich auf ulkige Kleinigkeiten oder Selbstgemachtes. Zeit mit der Familie ist uns hier wichtiger und für tolle Sachen gibt es ja noch Geburtstage und Jahrestage … Kinder haben wir (noch?) keine.

So kann ich es mir an Weihnachten leisten, zwei caritative Einrichtungen und zwei Tierheime zu beschenken. Das Schwein Max und die Ziege Rosi habe ich bereits beschenkt, für das Tierheim in welchem mein dritter Herzenshund sitzt, wird es dringend benötigte Medikamente und Diätfuttermittel für kranke Tiere geben, diese Dinge werden seltener gespendet als normales Futter, aber natürlich auch ein „Goodie“ nur für besagten dritten Herzenshund.

Dieses Jahr kann ich mir vermutlich zwei Winterpaketen leisten, da der Urlaub ausfiel, dass muss ich mir nochmals in Ruhe durchrechnen, eine, aus verständlichen Gründen nicht näher beschriebene, Dame in einem Frauenhaus wünscht sich eine bestimmte Pfanne um etwas bestimmtes für ihr Kind darin zu machen, das Kind selbst hätte gerne einen Kuschelwauwau …

Diverse Obdachlose Herren benötigen eine Grundausrüstung für den Winter, exklusive Schuhe, dafür mit Rucksack, Thermosachen und Taschenlampen, eine Mail welche die am meisten benötigten Größen für Bekleidung sind habe ich bereits verschickt und so hoffe ich auch einem Obdachlosen ein sinnvolles Winterweihnachtspaket zusammenstellen zu können … Mittels Onlineversand geht das Ganze auch anonym und ohne persönlich hinfahren zu müssen …

Haltet mich für verrückt, aber das ist sinnvolles Schenken für mich, als Kinderlose zu Weihnachten … Die Weihnacht mach mir wieder etwas mehr Freude und für weniger gut situierte Menschen heißt es dann doch nicht … Nix da Klingeling …

 

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3 Gedanken zu “Nix da Klingeling oder: vom sinnvollen Schenken

  1. Ist das schön geschrieben und fühlte mich anfangs beim lesen fast in meine Kindheit zurück versetzt!
    Was dann auch noch weiter hier zu lesen ist… dafür hast du meinen großen Respekt, Hochachtung und kann gar nicht oft genug den „gefällt mir“ Button dafür drücken!!!!! SUPER toller Beitrag zu diesem seltsamen Thema „nix da klingeling“…
    Liebs Grüßle

    Gefällt 1 Person

    1. Jetzt habe ich lange gebraucht um zu Antworten – ich hoffe Du verzeihst – wusste nicht so recht was ich sagen soll. Außer mich natürlich für Diene lieben Worte herzlich zu bedanken … Aber mir ist jetzt ein guter „Schluss“ eingefallen – fast wichtiger als die Hilfen zu Weihnachten sind eben auch Hilfen unter dem Jahr – deshalb schrieb ich auch 13. & 14. Gehalt. Zu Weihnachten und wenn es kalt ist spenden viele – aber auch im Sommer brauchen Obdachlose bzw. caritative Einrichtungen und Tierheime Unterstützer …
      Wie gesagt wir sind (noch?) Kinderlos – uns (dem Galan, den hündischen Damen und mir) geht es gut – wenn ich unseren Anteil für mögliche Tierarztbesuche, Reparaturen etc… weggespart habe schau ich immer mal wieder zwischendurch ob ich übriges Geld habe – ins Grab kann ich es ja eh nicht mitnehmen 🙂

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