Und sie verlangten Lieder

sie-verlangten-liederEs gibt hochbegabte Musiker, die sind stolz darauf, keine einzige Note lesen zu können. Und es gibt klassisch verbildete, die arbeiten sich mit einem Regelwerk durch Kompositionen und versuchen jahrelang, ein Instrument zu meistern, daß sie vor lauter Ehrgeiz jegliche Musikalität unterdrücken. Einzeln ist die erste Kategorie wohl angenehmer anzuhören. Wenn sich aber mehrere davon zusammentun, ist das Ergebnis mindestens fragwürdig. Musik ist Kommunikation, vieles wird besser und schöner, wo die Menschen einander Zuhören und sich auch verstehen.

Die einfachsten Melodien sind die schwersten, grade weil sie jeder kennt. Bekannte Stücke von Beethoven oder Mozart etwa sind niedlich, wenn eine neunjährige sie am Klavier vorträgt. Und dann aber bitte erst wieder, wenn das Kind 25 ist und ein Musikstudium absolviert hat. Bis dahin möchte man als Nachbar und guter Bürger davon verschont bleiben.

Gleiches gilt für Populärmusik, als Hobby meist von kleinen Horden musikalischer Analphabeten praktiziert. Die Musikstücke sind oft ebenfalls ganz einfach. Wenn dann die Musiker zu sehr von sich selber begeistert sind, wie ein Jüngling der beim Anblick einer nackten, badenden Schönheit alle Gebote von Recht und Anstand über den Haufen wirft, dann endet das in einer Katastrophe. Als Zuhörer möchte man flüchten, gerne auf einem galoppierenden Pferd. Und wenn man sich an den eigenen Haaren im Geäst verfinge und strangulierte, hätte die Qual wenigstens ein Ende.

Schließlich gibt es noch das Problem, daß Bürgerkinder, die Blockflöte und Notenlesen lernten, nur Töne können. Die Gitarren-Fraktion aber kein Noten, sondern nur Akkorde kann. Wer aber mit der Dur-Kadenz den Zusammenhang von Tönen und Akkorden nur ein wenig verstanden hat, erspart sich und Mitmusizierenden Mühe und den Zuhörern Qual.

Die Dur-Kadenz ist eigentlich ziemlich einfach. Nur die Kenntnis einer Dur-Tonleiter muß man dabei voraussetzen, da führt leider kein Weg dran vorbei. c – d -e – f – g – a – h – c. Im weiteren wird C-Dur als Beispiel verwendet, neutral könnte man schreiben 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7. Oder do – re – mi – fa – so – la – ti, in der Schulsprache der Sänger.
Aber es braucht keine Noten und erst recht keine Kreuze oder kleine b, die vielen immer Angst machen. Nur die einzelnen Töne, durchgezählt vom Grundton bis der bei Nummer Acht wieder kommt. Nun mag aber ein Ton nicht allein bleiben. Es soll noch ein zweiter dazu und rund wird es erst bei dreien: Der Dreiklang oder Akkord. Den baut man aus dem dritten und fünften Folgeton, oder, wer es lieber lateinisiert-verbildet mag, der Terz und der Quinte. Ein C oder eine 1, gitarrenfreundlich als Großbuchstabe geschrieben, besteht dann aus den Tönen c – e – g, der Dur-Akkord auf dem Grundton, die Tonika, oder die Eins. Allein damit kann man sogar Lieder begleiten. Es wird aber langweilig. Dominant wichtig für den Unterhaltungswert europäischer Musik ist die Dominante, der Akkord auf dem fünften Ton, also dem g. Wieder ein Dur-Akkord aus den Tönen g – h – d. Nicht ganz so strenge klingt die Subdominante. Hat immer noch nix mit Sex zu tun, sondern ist der Akkord auf dem vierten Ton, im Falle der C-Dur-Tonleiter also f, der F-Dur-Akkord, bestehend aus f – a – c. Mit diesen Akkorden Eins, Vier und Fünf kann man schon mehrere Altherren-Blues-Abende ohne größere Blessuren überstehen. Wenn ein Melodie-Solo erwartet wird, kann man sich an den Grundtönen entlanghangeln. Ambitionierte Songschreiber aber mögen immer noch ein wenig mehr Gefühl in die Sache bringen. Da bietet sich die parallele Molltonart mit dem Akkord des sechsten Tones an, also a-Moll mit a – c – e. (für Gitarristen der Mollakkord immer mit kleinem Buchstaben). Der sollte in der Dur-Kadenz aber nur sparsam verwendet werden, weil sonst die Traurigkeit penetrant nerven kann. So wie die traurige Verwandte mit der gescheiterten Ehe, die man nur selten einlädt, als Warnung für die Kinder. Denn wenn die Mollakkorde mal die Regie übernehmen, wird es schräg, regellos, bezaubernd verführerisch und unverschämt einfach. Das sind dann modale Tonarten, aber darüber spricht man nicht, das spielt man nur.

Der Artikel basiert auf den Frauengeschichten König Davids, gelernter Schafswirt, Erfinder des Steinwurfs als Ausdruck politischen Willens, Musiktherapeut, Berufspolitiker und mythischer Vorfahre eines Religionsstifters. Nachzulesen in jeder besseren Ausgabe der Bibel an prominenter Stelle. Die musiktheoretische Erläuterung stützt sich auf einen populären Liedtext zum selben Thema, hier im Wochenthema trefflich übersetzt von annalenakat.

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