Mamas Medizingeschichte(rl)

Ein Stück von Liszt ertönte aus dem Musiksalon. Die Gäste lauschten aufmerksam den Cellisten. Heimlich verließ der kräftig gebaute Mann die Gesellschaft. Er eilte hinaus und ließ den Wagen anspannen. Erst in der rumpelnden Kutsche nahm er ein zerknittertes Kuvert aus seiner Rocktasche und reichte es seinem jungen Assistenten, der zusammengekauert und frierend ihm gegenüber saß:

Lies den Brief! Im Hospital ist es fast schon an der Tagesordnung, dass jemand stirbt!

Der junge Mann nahm das gefaltete Papier aus dem Briefumschlag, überflog die Zeilen und entgegnete dem Älteren:

Liebster Baron. Warum liest er solche Schreiben! Wir sollten endlich die Probe auf’s Exempel machen, um den Philistern zu beweisen, dass Euer Verdacht stimmt!“ – „Wir müssen erst noch eine List ersinnen, wie wir die richtige Dosis finden, ohne selbst zu Mördern zu werden

murrte der Ältere und zwirbelte seinen Backenbart. Als Realist erkannte er natürlich die Gefährlichkeit seines Vorhabens, als Idealist erhoffte er jedoch den großen Durchbruch und die Rettung Unzähliger.

Ein paar Tage später, Baron Lister saß gerade beim Frühstück, klopfte es. Er ließ sein Müsli stehen und ging in den Flur. Seine deutsche Haushälterin hatte bereits die Tür geöffnet:

Plis tek e siet …“ sagte sie in angestrengtem Englisch zu dem Gast und ließ den Buben eintreten.

Willi steh‘ da nicht so rum, setz dich!“ rief nun auch der Baron und zeigte auf einen gepolsterten Sessel im Empfangszimmer. „Listen to her English!“ schmunzelte William. Gemeinsam listeten sie dann auf, was bei der bevorstehenden Operation alles gemacht werden sollte und vor allem, was benötigt würde. Da es noch mehr als 100 Jahre bis zur Einführung von Blisterverpackungen für Tabletten dauerte (darauf konnten sie nun wirklich nicht warten), galt es das Wundermittel in Porzellantöpfchen zu portionieren und bereit zu stellen.

Lister hatte Erfolg mit seiner neuen antiseptischen Methode, der Bub wurde Dichter und eine Inspiration für andere. Der Baron erlebte jedoch selbst nicht mehr, dass man sowohl eine Bakteriengattung (Listerien) als auch eine chirurgische Auszeichnung (Lister Medaille) und sogar einen Berg (Mount Lister) nach ihm benannte.

Die Liste seiner segensreichen Entdeckungen ist lang, meine Geschichte dafür umso kürzer.

ENDE – THE END – LE FIN – SLUTTEN


Ein Beitrag zur Challenge

„Eine Liste pro Satz g’hört halt“

Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 24 gehörte „Liste“ (lies de, ließ de, Listz e und noch Zerpflückteres), schließlich ist ja Advent

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Ein Gedanke zu “Mamas Medizingeschichte(rl)

  1. Hat dies auf Mein Name Sei MAMA rebloggt und kommentierte:

    Listen spielen eine große Rolle im Leben einer Mutter: Einkaufslisten, Wunschlisten (der Kinder oder eigene, im online shop – man wird ja noch träumen dürfen), ominöse Listen bei Versicherungen. Aber heute soll es einmal nur um gehörte Listen gehen, und um einen Arzt und einen Dichter. Etwas Geschichte frei nach Mama …

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