Listen

Ich weiß zwar, was eine Liste ist, aber ich verabscheue sie und mache mir sehr selten eine. Ich bin sozusagen eine untypische Deutsche. Terminkalender mag ich auch nicht, weil sie meine Zukunft verplanen.  Lebe so, als müsstest du morgen sterben …., ist eine altgriechische Weisheit. Ich trage auch keine Uhr. Dennoch bin ich meist pünktlich, weil ich andere nicht gern warten lasse (ich selbst mag nicht warten, ich empfinde das Wartenlassen als Diebstahl). Bei Gesprächen, auch professionellen,  folge ich meinem inneren Gefühl und mache Schluss bzw setze mich ab, wenn mir das Thema erschöpft zu sein scheint. Das kann nach 5 Minuten oder nach drei Stunden der Fall sein. Nichts ist mir unangenehmer, als bei einer Sitzung auszuharren, obgleich alles gesagt ist und alle sich wiederholen, weil die Zeit noch nicht abgelaufen ist. Ich hasste das schon als Schülerin und versuchte zu schwänzen. Genauso unangenehm war und ist mir die Klingel oder eine andere Form der Unterbrechung, wenn ein Thema so richtig in Fahrt gekommen war. Solche Unterbrechungen sind eine Qual. Wenn man mich bei einer kreativen Tätigkeit unterbricht, bei der ich die Zeit völlig vergesse, kriege ich körperliche Schmerzen.
Nur in den Jahren, in denen ich als Lehrerin und Schuldirektorin tätig war, fügte ich mich dem Zwang von Uhrzeit und Terminkalendern. Ich tat das gegen meine innere Überzeugung. Denn auch die Schüler fanden es schrecklich, an diese künstlichen Grenzen der Zeit gebunden zu sein. Sobald ich konnte, schaffte ich Listen, Uhr und Terminplan wieder ab. Ich bin froh, in einem Land zu leben, wo man es mit der Zeit  nicht so genau nimmt.

Ohne Listen zu leben, verbindet mich mit dem lebendigen Fluss der Zeit.
Dieser Kommentar ist mein Beitrag zum Wochenthema. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

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8 Gedanken zu “Listen

  1. Listen tragen stark dazu bei, dass jede Minute verplant wird und innere Motivationen zerstört (Pflicht vor Freude). Andererseits helfen sie, ungeliebte Tätigkeiten möglichst zeitsparend und effizient hinter sich zu bringen. Ich habe auch ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Listen 😉 Du sprichst mir in deinem Beitrag aus der Seele, und deine Einstellung zur notwendigen Länge von Besprechungen ist ganz ausgezeichnet!

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  2. Ich empfinde Listen eher als Befreiung, sie halten etwas für mich fest und ich habe dann Platz im Kopf. Und ich streiche auch schon mal etwas von einer Liste, ohne es erledigt zu haben, einfach weil ich gemerkt habe, dass es unwichtig geworden ist. Dann bin ich froh, nicht Gedanken daran verschwendet zu haben, um es mir zu merken. Das hat die Liste für mich gemacht.

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    1. da hast du natürlich einen Punkt, liebe Tanja. Ich will gar nicht behaupten, dass mein listenfreies Leben nachahmenswert ist. In der modernen Gesellschaft schon eh gar nicht. Tatsächlich fällt mir manchmal siedendheiß ein, was ich vergessen hatte. O weh! aber was hilfts? Schreibe ich mal eine Liste, so liegt sie rum und ich vergess sie ebenfalls. 😉
      LG Gerda

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