Oh du fröhliche Liste der Wunschvorstellungen

Die Vorweihnachtszeit mag ich eigentlich noch lieber als die Weihnachtsfeiertage selbst. Da liegt die ganze Vorfreude auf Heilig Abend ja schon hinter mir und ich interessiere mich mehr dafür, was das neue Jahr wohl so bringen wird.

Das Schmücken des Christbaums war für mich als Kind eines der Highlights im Advent. Bezüglich der Weihnachtsbäume gibt es in Ö zwei Fraktionen: Jene, denen das Christkind den geschmückten Baum mitbringt, wenn es mit den Geschenken vorbeikommt, und jene, die den Baum vor dem Fest hochoffiziell selbst schmücken, sodass das Christkind bei seinem Besuch nur noch die Kerzen anzuzünden braucht (kaum dass es die Hände frei hat von den vielen Geschenken, die es zuerst unter den Baum legen durfte).

Meine Familie gehörte zur zweiten Fraktion. Auch mit meinen Kindern machen wir es jetzt so, dass wir den Baum zusammen schmücken. Immerhin wohnen wir irgendwo in Nirgendwo und da ist es dem Christkind nun wirklich nicht zuzumuten, auch noch ganze Bäume anzuschleppen.

Bevor ich Kinder hatte, war meine Vorstellung davon, wie es sein muss, mit den eigenen Kindern diesen besonderen Tag im Dezember zu verbringen, eine sehr verklärte: Glänzende Kinderaugen, besinnliche bis fröhliche Weihnachtsmusik, höher schlagende Herzen, freudige Aufregung, nichts als Freude und Familienzusammengehörigkeitsgefühl.

Heuer war es endlich soweit. Es war für uns eine Zeit angekommen, zum Christbaumerwerb zu schreiten. Meine Kinder sind 1.5 und 3.5 Jahre alt. Genau das beste Alter, um dem Weihnachtszauber zu erliegen – so meinte ich.

Die Liste sah also folgendermaßen aus:

  1. Zum Christbaummarkt fahren
  2. Christbaum aussuchen
  3. Christbaum mit nach Hause nehmen
  4. Christbaum aufstellen
  5. Christbaumschmuck aus dem Kasten holen
  6. Christbaum schmücken, bei festlicher Weihnachtsmusik (Dauer geschätzt eine Stunde)
  7. Christbaum bewundern
  8. Familie in die Arme schließen und sich auf das Christkind freuen

Besagter Tag gestaltete sich dann so:

  1. Vormittags zum Christbaummarkt gefahren
  2. Christbaum Auswahlverfahren unter ständigen Rufen des älteren Kindes „Dieser! Dieser! Dieser!“ durchgeführt (Wobei sie das einfach bei all jenen Bäumen machte, die wir Erwachsenen gerade nicht im Fokus hatten)
  3. Christbaum bezahlt, nach Hause gebracht, aufgestellt
  4. Auf die eigene Schulter geklopft, weil das alles so harmonisch funktionierte, es ein Erlebnis für die Kinder war und das Bäumchen ein schönes ist
  5. Die Kinder mit wenig Erfolg daran gehindert, den Kasten mit dem Christbaumschmuck zu plündern. Die Ermahnung „Lasst die Kugeln in der Schachtel!“ gefühlte 144 Mal gerufen, nicht befolgt wurde sie ebenso oft
  6. Sicher an die 121 Mal den Kindern gesagt, dass sie mir gerne helfen können, aber dann auch wirklich tun müssen, was ich sage – das wurde zwar ebenso oft bejaht, aber nie befolgt
  7. 100 Mal erklärt, dass wir zuerst die Kerzen auf den Baum stecken, bevor wir die Kugeln oder sonst irgendetwas aufhängen
  8. 81 Mal die Kinder daran gehindert, die elektrischen Kerzen als Klanghölzer zu benützen (Dauer des Schmückens bisher mindestens eine Stunde, gefühlt sogar noch länger, viel länger!)
  9. 64 Mal ein Kind gerade noch davon abgehalten, eine Kugel einfach so auf die Äste zu legen, weil es selbst eine Kugel aufhängen möchte
  10. 49 Mal bestätigt, dass die größere Tochter das Auffädeln der Strohsterne auf die Haken richtig und ganz wunderbar gemacht hat
  11. 36 Mal auf den Vorschlag, wo eine Kugel zu platzieren wäre, darauf hingewiesen, dass sie schon an den Ästen und nicht einfach in der Luft an den idealen Platz aufgehängt werden müssen
  12. 25 Mal über die Barrikaden gestolpert, welche die jüngere Tochter rund um mich aus Sesseln und Rutschfahrzeugen aufgebaut hat, weil sie vom direkten Baumbehängungsgeschehen ausgeschlossen war
  13. 16 Mal unauffällig Figürchen umpositioniert, die die Kinder aufgehängt haben (es soll ja nicht nach einer Engel/Wichteldemo auf der rechten Baumhälfte aussehen)
  14. 9 Mal die Krippengestaltung verändert, damit Maria und Josef im Stall stehen (und ein Dach über dem Kopf haben – worauf meine besorgte Tochter drängte), aber immer noch zu sehen sind
  15. 4 Mal die Jesuskindfigur aus Wachs vor dem Verspeist- oder Zerdrücktwerden durch kleine Kinder gerettet
  16. 2 Mal die Jüngere von der Sessellehne gepflückt, obwohl sie von dort garantiert höher hinaufreichen hätte können auf den Baum
  17. Tausend und einmal nahe am Nervenzusammenbruch gewesen
  18. Null von der Weihnachtslieder-CD gehört, weil die große Tochter lieber „Tschu, tschu, tschu, die Eisenbahn“ singen wolle

Aber immerhin haben wir auch geschafft, dass

  1.  ich null Mal zerbrochene Kugeln oder Krippenfiguren beseitigen musste (alles ist ganz geblieben!)
  2. ich beide Töchter einmal ganz fest umarmte, nachdem die größere gemeint hatte, wir hätten jetzt den schönsten Christbaum auf der ganzen Welt!
  3. Zu dritt einen Nachmittag verbracht und das mit einem herzeigbaren Ergebnis!

 

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15 Gedanken zu “Oh du fröhliche Liste der Wunschvorstellungen

      1. Zumindest sind wir noch nicht so weit, dass sie sich nur noch Geld wünschen… Aber Weihnachtsstimmung ist eher in der Art „Kein Bock jetzt“, „Mach ich morgen“ – was dazu führte, dass ich den Baum quasi alleine geschmückt habe. Ich kann jetzt verstehen, wenn früher die Leute zu mir gesagt haben, dass ich die Zeit genießen soll, wenn sie so klein sind…. 🙂

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  1. Oh, das erinnert mich an unsere ersten Male, an denen ich mit den Kindern den Baum geschmückt habe. Da waren sie allerdings schon etwas älter. Respekt vor der zerbrochenen Kugel-Bilanz. Bei uns sind es immer noch jedes Jahr mindestens eine (pro Person!). Beim umdekorierten musste ich schmunzeln, denn bei uns ist es so, dass dann das Christkind noch mal nachts vorbeischaut und alles „richtet“…;-)

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    1. Welch elegante Lösung, das Christkind auch noch Hand anlegen zu lassen 🙂
      Voriges Jahr hatten wir auch einige Scherben zu vermelden und diesmal bin ich gespannt, wie die Bilanz am 6. Jänner aussieht, wenn der Baum nackig gemacht wird. Die Kinder schauen ja doch sehr gerne mit den Händen. Die tiefer hängenden Kugeln wären also noch Kandidaten

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  2. Das klingt einfach herrlich. Genauso läuft das Baumschmücken mit Kindern. Ha. Wir haben deshalb eine Kiste mit Baumschmuck, der 1. nicht kaputt gehen kann (mein Onkel erstellt jedes Jahr aus dem Holz von Orangenkisten ganz viele tolle Figuren als Baumbehang oder ich nehme Strohsterne und Anhänger aus Pappe und Stoff, seltener auch ein paar Kunststoffkugeln-sehen nicht so schlimm aus, wie es sich anhört) oder bei dem es 2. egal ist, ob er kaputt geht.
    Die Sachen kommen alle ungeordnet an den Baum und ich lasse es dann auch so. Die Kinder freut es (Mama findet es schön, wie wir es machen) und mir schont es die Nerven…. 🙂
    Aber was soll ich sagen, am Ende haben auch wir natürlich immer den schönsten Weihnachtsbaum auf der ganzen Welt.

    Ganz liebe Grüße
    Martamam

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  3. Ich bekomm doch tatsächlich ein schlechte Gewissen weil ich bei der Liste mit Kinder nicht mehr zum Lachen aufhören konnte … 🙂
    Wir habens übrigens umgekehrt gemacht also zuerst die Kugeln (welche natürlich nie zerbrochen sind) und dann die Kerzen – wodurch dann oft umgehängt werden musste weil wir Kinder keinen Platz für Kerzen gelassen haben 🙂

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  4. So lustig zu lesen! Danke dafür, besonders die Wichtel-Demo hat es mir angetan!
    Mir ist es allerdings immer wichtig gewesen, den Baum erst am Heiligen Abend zu schmücken. Allein oder mit der Familie. Zeiten ändern sich und ich sehe auch hier schon viele Bäume geschmückt in den Stuben stehen. Nein, nein, da bin ich ganz altmodisch, kommt hier nicht in Frage……

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