Es begann wie es nun endet: Eine Hommage an das Knusperhäuschen

Das Ende nähert sich, 1 Tag 5 Stunden 15 Minuten und 46 Sekunden, dann beginnt der 27. Dezember … Unser Umzugstag. Mir scheint ich hätte die Verkaufsanzeige für mein Knusperhäuschen erst gestern gefunden. 70m² auf zwei Stockwerken, wobei 10m² auf den Zubau fallen, welchen ich Keller nenne. Im Erdgeschoss, sofern man es so nennen kann, war alles offen, im oberen Stock, welcher somit gleichzeitig der Dachboden ist, befanden sich zwei gleichgroße Zimmer, eines davon mit Balkon.

Die beigefügten Bilder zeigten eine vermeintliche Idylle, eine Pergola mit Weinreben überwachsen, neben dem kleinen aber feinen, steinernen Pool, an dessen anderer Seite sich noch ein kleines Gerätehüttchen, von mir liebevoll Poolhäuschen genannt, befand.

Das ganze umrahmt von einem kleinen aber ebenso feinen Gärtchen, in welchem sich, wie sich später zeigte, neben mir und den hündischen Damen des Hauses so manch weiteres Getier wohlfühlte.

Bei der Besichtigung versuchte die Maklerin, glaube ich zumindest von Einigem mit lauten und viel Geschwafel abzulenken, dies funktionierte nicht, perfekt oder gar wirklich platzsparend war das Häuschen nicht aufgeteilt, am Rande der Kleingartensiedlung befindet sich neben meinem Häuschen das Posthüttchen, etwas weiter davon der Müllplatz der Anlage und schließlich stellten andere Pächter gerne ihre Anhänger am Zaun zwischen einem EVN Hüttchen, welches sich ungefähr auf Höhe der Pergola befand und dem Posthüttchen auf.

Schnell war mir klar, wirklich ruhig würde es hier nie sein, zumindest nicht im Frühjahr, wenn die meisten Kleingärtner aus dem Winterschlaf zurückkehrten, ihre Häuschen und Gärten ausbessern würden. Nach der Erstbesichtigung schnappte ich mir die hündischen Damen des Hauses, welche brav im Auto, bei heruntergelassenen Fenstern gewartet hatten und begab mich auf einem gut fünfstündigen Spaziergang. Die Ortschaft und die Feldwege drum herum wollten erkundet werden.

Irgendwann während dieser fünf Stunden wurde es mir klar, während ich über die drei anderen Häuschen nachdachte welche ich mir in Bruck an der Leitha, Neufeld an der Leitha und Kritzendorf angesehen hatte, diese Ortschaft und exakt jenes Knusperhäuschen sollte unser zu Hause werden.

Zugegebenermaßen fiel Kritzendorf relativ schnell flach, zu gerne überschwemmt die Donau im Frühling die Häuschen dort und im Sommer war die Mückenplage vorprogrammiert, zudem schätze ich beim Laufen lange Gerade nicht, nichts demotiviert mich mehr als eine lange Gerade die einfach nicht zum Ende kommen will.

Mittlerweile denke ich es war wohl eine Schicksalsgöttin, welche mich für mein Knusperhäuschen in einer Nachbarortschaft von Stockerau, nun ist die Katze endlich fast aus dem Sack, entschieden lies. Vielleicht war es auch das unterbewusste Wissen das ich hier schon einige Bekannte hatte … Schließlich sollte ich etwas über ein Jahr nach meinem Zuzug den Galan, über einen jener Bekannten, kennen und lieben lernen.

Das Knusperhäuschen war mein erstes, eigenes Domizil, welches groß war, in welchem sich keine anderen Parteien befanden und von mir völlig allein, ohne Partner, bewohnt werden würde, eine aufregende neue Erfahrung für mich. Zum ersten Mal durfte ich nach Lust und Laune renovieren, musste vor Umzug nichts wiederherstellen und durfte frei nach meinem Geschmack einrichten, ohne Kompromisse, diese Erfahrung erhellt mir bis heute mein Gemüt, auch wenn die Renovierungen erst abgeschlossen waren, nachdem der Galan in mein Leben gekommen war.

Leicht war es hier dann irgendwie dennoch nie, Menschen im Kleingarten sind wohl tatsächlich etwas speziell, so parkte mir mein direkter Nachbar am Einzugstag meine Gartentür, welche nach außen aufgeht, derart unglücklich zu, dass ich den Einzug um zwei Wochen verschieben musste, eben bis besagter Nachbar endlich wieder aus seinem Urlaub retour kam.

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Kurz nach meinem Einzug sollte die erste Steckdose „abbrennen“, weshalb ich sämtliche Leitungen neu machen musste. Doch der erste Winter und die Schneemassen, welche es heute auch hier nicht merh gibt, beinahe erschreckend, sollten uns erfreuen …

Der erste Sommer zeigte, dass sich das obere Stockwerk durchaus in einen Backofen verwandeln konnte, vorerst wurden Deckenventilatoren mit der Wärme fertig und sorgten für ein komfortables Klima … Mit weiteren Sommern musste, neben einer Dachbewässerung, schließlich eine Klimaanlage her …

Im ersten Jahr stellte sich heraus das Karl der Möchtegerngroße, wie ich meinen Nachbarn vom Planeten Dings nenne, immer etwas dagegen haben würde, dass ich Flipper im inneren der Anlage, auf dem mir vom Verpächter zugewiesenen Platz parkte, mittlerweile weiß ich auch warum, weil er dort bis zu meinem Einzug immer sein Moped und seinen Anhänger abgestellt hatte … Er machte mir das Leben oft schwer, bis mir der Verpächter endlich eine Tür im Außenzaun der Anlage genehmigte und mir einen Stellplatz draußen zur Verfügung stellte.

Eine Einfahrt und einen Abstellplatz auf „meinem“ Pachtgrund hätte ich mir ja machen können, ich hatte, oder habe noch, eine Eckparzelle und mit etwas Müh und neben den Außenspiegel jeweils einen Zentimeter Platz … ABER … Karl der Möchtegerngroße „untersagte“ mir eine Einfahrt zu machen, er würde sein Fahrzeug nach wie vor, vor meinem Eingang abstellen, wollte ich aus „meinem“ Pachtgrund hinaus oder hineinfahren und er wäre da müsse ich ihn hinausrufen … ??? Ja, ne is klar

Als ich schließlich draußen parkte, konnte ich manchmal nicht wegfahren, weil plötzlich unangemeldet ein Bau-LKW die Abfahrt versperrte, um hinauszukommen muss man einige Meter von den Schrägparkplätzen retourschieben, oder sich mal wieder ein überaus intelligenter Nachbar nicht traute bis ins Kiesbett vorzufahren, vor welchem sich ein großer Randstein auftürmt und ich somit mit Flipper einfach nicht vorbeikam, zumindest nicht ohne dabei Umbaumaßnahmen am Außenzaun der Anlage, Flipper und dem fremden Fahrzeug vorzunehmen, auf diese freie Entfaltung der Kunst verzichtete ich lieber …

Kaum waren „Besitzstörung“ und Parken geklärt, versagte der Boiler, nach einem Lauf bei frischen Temperaturen den Dienst, eine kalte Dusche bekam an jenem Tag eine besondere Bedeutung für mich.

amselbaby

Aber das ein Amselpärchen meinen Balkon als Nistplatz erwählt hatte erfreute mich jedes Jahr aufs neue, weshalb die hündischen Damen des Hauses allerdings einige Zeit auf ihren Garten verzichten mussten, um in dem kleinen Gärtchen die Jungamseln nicht zu stören oder gar zu vertreiben.

Als der Boiler gerichtet, oder doch getauscht war, sollte kurz darauf das Dach des Kellers undicht werden, knapp darauf wurde der Spülkasten der Toilette undicht, bald darauf musste der Siphon des Waschbeckens getauscht werden und wieder ein halbes Jahr später sollte die Waschmaschine lecken.

Ach ja, nicht zu vergessen der nicht funktionierende Backofen, da sich drei Mäuse durch seine Kabel knabberten und jene Maus, welche den Backofen überlebte und von mir, selbstverständlich lebend, gefangen und wieder in Freiheit entlassen wurde … Sie kam überigens nicht mehr zurück.

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Neben einem Igel, einem Marder und einem Eichhörnchen bewohnte auch eine Ratte, während der Wintermonate den Keller, ich gestehe solange sie nicht versuchte ins Haus zu gelangen war es mir gleich, im Sommer war sie so plötzlich verschwunden wie sie gekommen war. Diesen Sommer erkor ein Maulwurf meinen Garten als Buddeldomizil, beinahe passend präferiert der Galan zu seinem Geburtsag meinen Maulwurfkuchen und bevor wir den Pool erstmals reinigten und in Gang brachten, wurde selbiger von Fröschen und Molchen bewohnt … auch eine Ente sollte hier einige Tage leben …

Der Galan stand mir hier schon tatkräftig zur Seite und verwies Karl den Möchtegerngroßen selbst einmal unserem Garten, tauschte besagten Boiler und führte auch besagte Reparaturen, ausgenommen am Dach des Kellers durch.

Die Läufe, mit den hündischen Damen des Hauses, genoss ich dafür umso mehr, herrlich allein waren wir dabei meist auf den Feldwegen und solange die Hunde angeleint waren und wir auf den Wegen blieben welche die Traktoren ausgefahren hatten, hatten die Bauern nichts dagegen, freudig grüßten sie mich, auch wenn sie nicht auf ihrem Traktor saßen. Später sollte uns der Galan hier und da selbst laufend oder auf dem Fahrrad begleiten.

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Ebenfalls schön waren die Unternehmungen welche wir von unserem Domizil starteten, der Besuch des Erzbergrodeos, Besuche von Konzerten oder einfach Trettbootfahren mit den hündischen Damen des Hauses am Neusiedler See …

Ich glaube diese Läufe werde ich am Ort unseres neuen Domiziles etwas vermissen, es wird sich erst zeigen ob es Zeiten und Möglichkeiten gibt auch dort relativ allein laufen gehen zu können.

Weniger vermissen werde ich, neben Karl den Möchtegerngroßen, die ortsansässige Tierärztin und jene Katzenbesitzer vom Katzenkrimi, doch dies ist eine andere Geschichte, welche bald an anderer Stelle erzählt wird …

Im Endeffekt endet es nun in einem Tag 4 Stunden 41 Minuten und 7 Sekunden wie es vor einigen Jahren anfing, ich oder doch wir stehen vor einem neuen Lebensabschnitt und neuen Abenteuern, seit einiger Zeit, in welcher wir fest zusammen wohnen brauchen wir etwas mehr Platz, auch wenn es noch lange keinen Mini-Me geben wird, diesen bietet uns das neue Domizil und somit den Anfang neuer Abenteuer und Erinnerungen …

Unser letztes Weihnachten in diesem Häuschen, den Jahreswechsel werden wir hier nicht mehr erleben … Tausende Erinnerungen an Stunden der Freude aber auch des Leides, neben unserer physischen Habe, werden wir mit uns nehmen …
Ein Auge vergiest eine Träne der Freude, das andere eine der Trauer, mein Herz pocht mit jeder Sekunde stärker … Das Ende naht … Der Anfang naht …

Nur noch ein Tag 3 Stunden 58 Minuten und 47 Sekunden …

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4 Gedanken zu “Es begann wie es nun endet: Eine Hommage an das Knusperhäuschen

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