Keine Vorsätze

Der Jahreswechsel naht und mit ihm auch die alljährlichen Äußerungen diverser Vorsätze für die nächsten 365 Tage. Die einen entscheiden sich Jahr für Jahr für den Klassiker und wollen mit dem Rauchen aufhören, andere wollen weniger Alkohol trinken oder endlich ihren Keller entrümpeln. Alle wollen irgendetwas verändern, abstellen oder etwas Neues beginnen. Nur bloß nicht so weitermachen, wie bisher. Stichtag 01. Januar.

Mehr Sport treiben oder sich überhaupt mal ein wenig bewegen. Die Ernährung umstellen und etwas für das körperliche Wohlbefinden tun. Bestätigt wird dieses Vorhaben durch die aus Blei gegossene Moralkeule, die ganz undiplomatisch zu verstehen gibt, dass nach der Inhalation der giftigen Bleidämpfe tatsächlich etwas für die eigene Gesundheit getan werden sollte.

Jeder erzählt von seine festen Entschlüssen, von wichtigen Veränderungen und den Dingen, die endlich in Angriff genommen werden (sollen). Dann bin ich an der Reihe.

Vorsätze. Was soll dieser Quatsch? Nicht falsch verstehen, Vorsätze sind grundsätzlich etwas sinnvolles und es ist gut, wenn man die Notwendigkeit erkennt und sich dazu entschließt, einen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Der Zeitpunkt ist es, der mich stört und der diese Vorsätze zu Unsinn verkommen lässt. Wir sitzen am Silvesterabend herum und fühlen uns gezwungen, einen Vorsatz für das neue Jahr zu fassen. Wir überlegen, was es denn geben könnte, sind für einen kurzen Moment vielleicht sogar von unserem Einfall überzeugt. Wir schließen am zweiten Januar ein Zweijahresabo im Fitnessstudio ab und schaffen es, vier Tage lang keine Zigarette anzurühren. Anschließend rauchen wir mehr als vorher und zum Sport gehen wir nach dem fünften Mal auch nicht mehr. Wir ärgern uns nur jeden Monat über den ausgeführten Dauerauftrag.

Wozu setzen wir uns selbst so unter Druck und verwandeln schemenhafte Gedanken in angeblich feste Entschlüsse? Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, dann benötigen wir dazu keinen festen Termin, sondern beginnen in dem Moment damit, an dem wir zweifelsfrei dazu bereit sind. Zwar gibt es auch dann keine Garantie dafür, dass wir es erfolgreich zu Ende bringen, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher. Sind wir nicht zu 100 Prozent davon überzeugt, ist unser guter Vorsatz zum Scheitern verurteilt. Jedes Jahr aufs Neue. Bis wir es irgendwann gar nicht mehr versuchen, weil wir uns selbst einreden, dass es sowieso nicht klappt. Dabei sind wir eigentlich nie wirklich daran gescheitert – wir haben es lediglich nie richtig versucht.

Von mir gibt es daher keine Vorsätze. Nicht jetzt. Erst wenn ich absolut von einem der Gedanken überzeugt bin, die in meinem Kopf herum schwirren. Das kann jederzeit geschehen – wenn es soweit ist, werde ich ihn aussprechen. Und umsetzen.

In diesem Sinne: Euch allen einen gelungenen Start in ein neues Jahr voller oder ohne Vorsätze.

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3 Gedanken zu “Keine Vorsätze

  1. Mir geht es zu Weihnachten ähnlich : die guten Geschenkideen habe ich immer nach Weihnachten. Wenn ich schon was anderes geschenkt habe. Jetzt könnte ich das schönere Geschenk natürlich trotzdem noch schenken. Wenn man schenken will, so soll man schenken. Mach ich aber meistens nicht. Weihnachten ist ja vorbei.
    Daher: Wenn euch ein Vorsatz ein- und gefällt, folgt ihm zu jeder Zeit des Jahres 😊

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