…und wenn er beisst, beisst er nicht fest!

Auf der Strasse, da arbeitete ich gleich nach meiner Ausbildung, später hinter Glas. Das klingt doch irgendwie nach „Es ist nicht so wie es aussieht“. Aber es hat nichts mit Rotlichtmilieu zu tun. Ich war Briefzusteller und nach meinem Aufstieg in den mittleren Dienst am Schalter. Beides habe ich gerne gemacht, und wie auch in jedem anderen Job erlebt man so Einiges.

Auf der Strasse gab es die natürlichen Feinde des Briefträgers: Hunde. Eigentlich habe ich keine Angst vor Hunden, zumal ich zu dieser Zeit selbst einen hatte. Manche konnte ich mit ein paar Leckerli ziehen. Aber meistens waren die Hundebesitzer das Problem. Da war z.B. ein Collie, er wohnte in einer Sackgasse, außer „seinem“ Haus war noch ein zweites Haus in dieser Ecke. Die Besitzer ließen den Hund immer frei laufen und wenn ich kam, rannte er bellend auf mich zu und an mir hoch. Ich hatte Angst und wahrscheinlich merkte er das auch, eventuell hat ihn das noch angespornt, womöglich war ich sein Highlight des Tages. Nach mehrmaligem bitten an den Besitzer, er möge seinen Hund morgens im Haus lassen passierte nichts. Die Post darf solche Kunden von der Zustellung ausschliessen d.h. sie müssen ihre Post am Schalter abholen. Das brachte aber nicht viel, denn den Nachbarn konnte man ja nicht auch noch von der Zustellung ausschliessen, deshalb musste ich trotzdem in diese Ecke. Da ich noch keinen eigenen Bezirk hatte, durfte ich auch bald wieder wechseln, da war ich echt froh.

Dann war noch der Hund einer alten Dame, ein kleiner Mischlingshund, so ein Giftzwerg, der bekam vor lauter bellen und knurren bald ein Herzinfarkt wenn er mich sah. Total uneinsichtig das Vieh. Die Dame sagte immer: „Wenn er beisst, beisst er nicht fest“, na Dankeschön, er hat mich dann auch irgendwann gebissen und es tat richtig weh. Das war übrigens das einzigste Mal in meinen zehn Jahren im Zustelldienst dass ich gebissen wurde.

Und zum Schluss muss ich noch den Bobtail erwähnen. Er lief auch immer frei herum und wusste dass ich Leckerli in der Tasche hatte. Wenn ich mit dem Fahrrad an seinem Haus vorbei fuhr, rannte er mir nach, überholte mich und blieb direkt vorm Rad stehen, so, dass ich eine Vollbremsung hinlegen musste und mich fast überschlug. Dann schaute er mich mit seinen zwei verschiedenen Augen (wie David Bowie) an, wedelte mit dem Schwanz und ging erst dann zurück, wenn er einen Hundekuchen bekam, der war süß.

 

 

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu “…und wenn er beisst, beisst er nicht fest!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s