Auf den Straßen

Ein paar Typen machten sich auf den Weg. Hinterher würde man nur von dreien von ihnen sprechen – dabei hatten sie doch zusammengelegt. Eine ganze Truhe Gold war dabei rumgekommen.
Einer von Ihnen, der voll auf Gärtnern stand, packte noch einen Bund Weihrauch und ne Prise Myrrhe dazu. Die Anderen hielten ihn für bekloppt. Gut die Gewürze waren teuer, aber wenn er etwas Kostbares mitnehmen wollte, hätten es dann nicht auch Vanille und Safran getan?
Nur weil das vergammelte Zeug in seinem Garten wuchs, musste er doch nicht unbedingt etwas Selbstgemachtes mitbringen.
Das Gold war auf jeden Fall schwer. Allerdings wurde es auch schnell leichter. Schließlich mussten die Ausgaben für die Reise auch irgendwie bezahlt werden.
Außerdem ging viel Gold für die Anschaffung von anderen Pflanzen drauf.
Ihre Eltern hatten gesagt, dass nur Pott-Köpfe auf so eine selten blöde Idee kommen konnten, ihr Leben für eine abgedrehte Theorie aufs Spiel zu setzen. Mit den Drogen hatten sie auf jeden Fall recht.
Als der Eine die merkwürdige Sternenkonstellation gesehen hatte, war er auf jeden Fall breit, wie ein Wolfsfell nach dem Bügeln. Er meinte tatsächlich, dass jetzt »Echt was voll Cooles« passieren ist. Da die anderen vier auch nicht besonders bodenständig waren und gerade nichts anderes vor hatten, gingen sie einfach mit.
Ihre Eltern beteten zu ihren Göttern und einer von ihnen – eine Mischung aus Krake und Mensch – lachte sich fast den Arsch ab, als er die Story hörte. Das allerdings nur am Rande.
Die Straßen waren damals nicht so gut ausgebaut wie heute. Eigentlich konnte man in den meisten Fällen überhaupt gar nicht von Straßen sprechen. Meist war da nur ein Strich in der Landschaft, auf dem in den letzten paar Tagen schon jemand durch die Felder gerannt war.
Der mit den Vorräten ging übrigens immer in der Mitte, während die anderen Vier ihn schützten. Die Gruppe sah allerdings so abgerissen aus, dass kein professioneller Räuber jemals einen zweiten Blick auf die Gruppe geworfen hatte.
Manchmal nutzten die Jungs diesen Eindruck auch aus und klopften an wildfremden Türen an, um ein wenig Proviant zu erbetteln. Keiner von ihnen wusste, dass gerade diese Gepflogenheit noch mehr als 2000 Jahre später gefeiert wurde.
Drei von ihnen waren musikalisch bewandert und stimmten häufig Lieder an. Da sie meist einen an der Krone hatten (das Lampenfieber forderte schon damals einen hohen Tribut), nannten sie sich in den Spelunken am Wegrand häufig: »The Three High Kings«.
Durch einen völlig blödsinnigen Übersetzungsfehler wurde der Name später in »Die Heiligen Drei Könige« umgewandelt, was keinen von den Fünfen wirklich gefallen hätte.
Auf jeden Fall hatten sie so viel Spaß auf der Straßen, dass sie beschlossen, diese Lebensweise der Reise fortzusetzen.
Ihr letztes Gold und die Gewürze (nachdem sie merkten, dass man die nicht rauchen konnte) verschenkten sie an eine arme Familie. Die würden es nötiger haben.
So zogen die Fünf durch die Lande und ich hoffe, dass ich mehr von ihnen höre, denn sie haben mich neugierig gemacht.
Was ist denen wohl noch alles passiert?

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5 Gedanken zu “Auf den Straßen

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