Alle Verrückt auf der Straße

Der Mitmachblog lockt mich aus der Reserve, eigentlich mit Umzug und Umgestaltung des neuen Domiziles eingedeckt, man glaubt gar nicht wie schwer es sein kann so etwas Simples wie eine Eckbank oder einen Staubsauger zu kaufen, bringt er mich nach einer Woche, ungewollter Auszeit, dazu endlich wieder zu schreiben.

Das Thema der Woche verleitet mich beinahe dazu, erneut, über jene Menschen zu schreiben, welche es nicht so gut haben wie ich oder wir, welche kein Dach über den Kopf haben und soeben auf der Straße den nun doch winterlichen Temperaturen ausgesetzt sind, man stelle sich vor bei unter minus zwanzig Grad keinen wärmenden Schlafplatz zu finden.

Ein kurzes Gespräch mit dem Galan folgt, er meint es sei an der Zeit meine weihnachtliche Melancholie oder Verstimmung, welche so mancher Begebenheit kurz vor Weihnachten geschuldet ist, zu vertreiben. Allerdings stehe ich nun vor dem Problem in nicht erheiterter Stimmung über erheiterndes zu schreiben, ein interessantes Experiment.

Nun denn, sprechen wir über den Umzug … Was das mit der Straße zu tun hat? Ganz einfach um unsere Habe, wobei der Galan bestimmte das wir kein Möbelstück und somit auch nicht das kleinste Regal, in unserem alten Domizil zurücklassen würden, von A nach B zu transportieren bedienten wir uns hauptsächlich White Beast – dem T5 Busses unseres Superman-Freund-Max, Stella – dem galanschen Fahrzeug und Flipper, wie ich meinen fahrbaren Untersatz nenne.

Drei Tage lang fuhren wir täglich zwei- bis dreimal zwischen alten und neuen Domizil hin und her, trotz weihnachtlicher Urlaubszeit tummeln sie sich dennoch in Scharren auf den Straßen, nervige Autofahrer, oder wie ich zu sagen pflege … lauter Verrückte.

Kaum die ersten Meter hinter sich gebracht trifft man unweigerlich auf einen Blinkmuffel, gerade war er noch rechts, plötzlich schneidet er ohne Blinken nach links. Ehrlich gesagt echauffiere ich mich über Blinkmuffel kaum noch, zur Weißglut bringen mich allerdings die Stur-auf-der-Mittelspur-Fahrer und die Linksfahrer natürlich.

Unfehlbar wie ich selbstverständlich nicht bin, überhole ich dann manchmal in der Mitte oder eben rechts, besonders dann wenn ein Fahrzeug scheinbar präpotent 30km/h unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, welche in Österreich ohnehin nur 130 ist, auf der linken Spur dahin tuckert. Besonders schätze ich es dann, wenn der Spurblockierer mich nach meinem, wie ich zugeben muss nicht ganz rechten Überholvorganges auf der rechten Spur, anblinkt, zur Weihnachtszeit fügt sich dieses Blinken jedoch hervorragend ein.

Deutlich mehr schätze ich es, wenn der betreffende Fahrer offenbar plötzlich gewahr wird das sein Fahrzeug, erstaunlicherweise, doch mit einem Lenkrad ausgeliefert wurde und er nun die Spur wechselt, vorzugsweise ohne Blinken natürlich und selbstverständlich so, dass er einen nun entweder schneidet oder dazu zwingt auf den Pannenstreifen auszuweichen, beides übrigens ein vergeblicher Akt der Erziehung, des nicht ganz so erlaubten Überholenden auf der rechten Spur.

Drängler begegnen wir auch, wobei ich mir manchmal nicht sicher bin ob sie überhaupt Drängler sind, brav fahren wir soeben im Konvoi, mit Sicherheitsabstand, auf der rechten Spur, da schneidet vor White Beast ein Fahrzeug ein und kommt Flipper derart nahe das ich annehme, dass der betreffende Fahrer sich auf dessen Anhängerkupplung hängen möchte, vermutlich um Sprit zu sparen.

Kurz bevor er jedoch in Flippers durchaus ansehnliches Hinterteil rauscht, wobei ich die eingeschalteten Scheinwerfer des „Dränglers“ im Rückspiegel bereits nicht mehr sehen kann und mich somit leicht nervös ob der Gesundheit der sich auf der Rückbank befindlichen hündischen Damen des Hauses zeige und aufs Gas steige, schert er endlich auf die mittlere Spur aus … Puh!

Aber ich darf nicht schimpfen, dieser „Drängler“ ist ein derart überkorrekter Fahrer, dass er ob des geltenden rechtsfahrgebotes, schlichtweg die Einhaltung des Sicherheitsabstandes vergas … Frau die ich nun einmal bin, denke ich, besonders, wenn sich außer mir noch andere, auch tierische, Personen befinden, in solchen Situationen oftmals … Man stelle sich vor ich hätte nun wegen einem Hindernis ebenfalls ausscheren müssen oder mein Reifen wäre geplatzt, dann hätten wir eine Fahrzeugkabine in der Fahrzeugkabine, irgendwie witzig … ginge es nicht auf Kosten etwaiger hinteren Passagiere in Flipper …

Nun dürfen wir allerdings nicht auf die „Vergesser“ vergessen, vor wenigen Jahren, als ich Flipper noch relativ kurz hatte, befand ich mich am Ende eines Staus auf der Stadtautobahn, welche dort unglücklicherweise eine Kurve machte, der Fahrer hinter mir hatte aufgrund seines … wie er sagte Radios, wie ich sage Mobiltelefons … vergessen auf die Straße zu achten und war Flipper relativ ungebremst hinten rein gedonnert … Mein Nacken dankt bis heute.

Etwas erheiternder sind wohl jene „Vergesser“, welche vergessen das sie eigentlich von der Autobahn abfahren wollten und somit Vorzugsweise relativ knapp vor der Leitblanke und einem fremden Auto auf die Abfahrt ausscheren, wobei sie sich, ebenfalls Vorzugsweise, gerne einer starken Bremsung auf der Autobahnspur bedienen, wobei sie natürlich auch keine nachfolgenden Verkehrsteilnehmer gefährden …

Ich bin ja auch nicht unfehlbar, aber, wenn ich meine Autobahnabfahrt verpasst habe, bin ich bis jetzt immer bis zur nächsten weitergefahren … Fahre ich falsch auf bediene ich mich auch nicht dem Retourschieben auf einer Autobahnauffahrt … Vorigen Winter schaffte ich es übrigens zweimal in die falsche Richtung aufzufahren, dass muss mir mal einer nachmachen.

Manchmal singe ich in Flipper, in solchen Situationen: I’m on the road to nowhere …

Gelegentlich kann ich übrigens plötzlich nicht mehr einparken, tatsächlich zeigte sich so mancher männliche Fahrgast erstaunt, dass ich es schaffe in fünf Schritten einzuparken …

1 Anhalten
2 einschlagen
3 retour schieben
4 einschlagen
5 wieder etwas vorwärts fahren (damit der hintere ausparken kann)

Fertig … Mist doch sechs Schritte … Wie dem auch sei, manchmal klappt das nicht, dann brauche ich deutlich mehr Schritte, je nachdem wie oft ich wieder komplett aus der Lücke rausfahren muss. Allerdings rege ich mich aufgrund des Wissens über den plötzlichen Verlust der Fähigkeit einzuparken, welche laut meinen Recherchen jeden Autofahrer hier und da betrifft, nicht über Einparkkünstler auf, außer sie haben vor lauter Verzweiflung aufgegeben und blockieren mit einem Fahrzeug zwei Parkplätze, was oft bei Schräg- oder Längsparkplätzen zu bestaunen ist.

Motorradfahren in der Stadt, oder auf der Stadtautobahn, habe ich übrigens gänzlich aufgegeben, es gibt nämlich tatsächlich Autofahrer, welche (absichtlich) ausscheren, wenn man bei dreißig Grad im Schatten, im Stau mit Schrittgeschwindigkeit an ihnen „vorbeifährt“ um in der Motorradkluft und Helm, ob fehlender Klimaanlage, nicht am Hitzschlag zu sterben.

Aber auch wenn Flipper stehen bleibt und ich eine Strecke mit meinen Füssen, gehend oder laufend, um eben nicht die Fähigkeit zu gehen zu verlernen, bediene, sehe ich witzige Autofahrer. Wenn da einer mit heulendem Motor, was für mich bedeutet das er soeben Gas gibt, auf den Zebrastreifen zukommt, nehme ich nicht an das er stehen bleiben wird, manche tun es dann doch und sind wohl ziemlich genervt das man ihm nicht einfach vors Auto gesprungen ist … Zumindest deute ich diverse Gesichtsausdrücke so.

Ungeschlagen bleibt allerdings jener „Vergesser“, welcher bei starken Schneefall in einem doch sehr hügeligen Bezirk unseres schönen Wiens vergas, dass er noch keine Winterreifen oben hatte, selbst die hündischen Damen des Hauses blickten ihm verdutzt nach, als sein Fahrzeug mit blockierenden Reifen, immer schneller werdend, an uns vorbei bergab die Straße hinunterrutschte. Sein Fahrzeug brachte er schließlich mithilfe des Hecks eines parkenden Fahrzeuges zum Stillstand, in welches er ob seiner Verzweiflung, eigentlich geistesgegenwärtig, absichtlich hineingefahren war.

Abseits der Autofahrer sind aber auch Fußgänger nicht zu verachten, da gibt es zum Beispiel jene, welche unvermittelt auf Straßen oder Gehwegen vor einem stehen bleiben, ohne vorher einen Schritt auf die Seite zu riskieren.

Meine persönlichen Favoriten, welche zu zweit, oder auch mal zu dritt, den Gehweg komplett für sich alleine beanspruchen und einen Entgegenkommenden eigentlich dazu zwingen auf die Straße vor fahrende Autos zu springen, oder sich an der Wand platt zu pressen.

Hochaktuell, da erst heute passiert, auch jene welche mit ihrem natürlich freilaufenden Hund, in einem Wald an dessen Eingang steht Hunde an die Leine, natürlich exakt dann das Stöckchen für ihren Hund (in unsere Gehbahn) werfen, was von überaus intelligentem, sozialem Verhalten und der unumstrittenen Eignung zur verantwortungsvollen Führung eines Hundes zeugt, wenn wir soeben an ihm und seinem Hund vorbeigehen und einem dann noch vermeintlich höhnisch angrinst, wenn unsere Hunde einen Beller loslassen, nachdem sein Hund uns fast umgerannt hätte …

Lange Rede kurzer Sinn, im Endeffekt gibt es kaum einen Tag an welchem ich nicht rückwirkend feststelle: Lauter Verrückte auf der Straße…

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Alle Verrückt auf der Straße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s