Was soll das sein?

Ein Blick von links, ein Blick von rechts. Ein Blick von oben. Was soll das sein? Sieht fremdartig aus. Fremdartig und nicht ins System passend. Eigenartig. Komisch.

Denke ich mir das auch manchmal, wenn ich auf der Straße unterwegs bin. Unterwegs mit einem Bewohner. Der Blick mancher Menschen, lässt eindeutig darauf schließen, dass sie diesen Menschen, welchen ich vor mir her schiebe, von oben bis unten beäugen. Gedanken die sich auf ihren Gesichtern abspielen. Gedanken wie „der sieht aber komisch aus“ „was hat der denn“

Manchmal scheint es so fremdartig auf die Menschen zu wirken, dass sie beginnen zu starren. Zu Glotzen. Nicht mehr wegsehen können. Weil es fremdartig, komisch und merkwürdig auf sie wirkt. Aber was ist denn fremdartig? Fremdartig scheint alles zu sein, was wohl nicht in die Norm zu passen scheint.

Alles was nicht mehr normal ist. Ein Bein zu kurz. Fremdartig. Verformte Gliedmaßen. Fremdartig. Spastiken in Händen und/oder Beinen. Fremdartig.

Aber nicht nur das. Auch Mitleidige Blicke erhascht man für das Fremdartige. Aber warum? Der oder die Arme kann ja garnicht laufen. Kann nichts greifen oder selbst nehmen. Der arme Mensch ist auf fremde Hilfe und das rund um die Uhr, angewiesen. Der Arme. Aber sie kennen es doch nicht anders. Einige zumindest. Sind zufrieden. Fühlen sich wohl. Genießen ihr leben. Freuen sich über kleinigkeiten. Geben so viel. Fremdartig ist für sie, bemitleidet zu werden. Wissen sie manchmal garnicht wieso. Wollen sie nur Akzeptanz und Respekt. Mehr nicht. Mitleid ist oft fehl am Platz. Fast genau so wie gute Besserung.

Fremdartig ist es auch, angestarrt zu werden. Fredartig vielleicht nicht für den Betroffenen selbst. Ist das fast schon die Gewohnheit. Als Begleiter komme ich mir zunehmend blöd vor. Auch wenn ich es nicht erst seit gestern weiß, dass gestarrt wird. Trotzdem fühlt es sich komisch an. Augen die auf die haften. Die auch dich anstarren. Den zu Betreuenden und dich anstarrend. Beide bemidleident.

Ist denn dieses Bild so fremdartig? Fremdartig, dass sich Menschen mit Behinderung oder Susi und Klaus, in der öffentlichkeit bewegen? Sich unters Volk mischen?

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11 Gedanken zu “Was soll das sein?

  1. Die Leute haben es eben gerne sortiert. Behinderte sollen im Heim bleiben, die Frauen am Herd, die Schwarzen die Bahnhoftoiletten putzen und die feine Gesellschaft im Café Kaffee trinken… So stellen sich viele Normalität vor und alles andere bringt die total durcheinander. Bitte mehr durcheinanderbringen. Die Leute haben es sich nicht anders verdient…

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  2. Ja, ist es … Weil es sich jenseits der Norm bewegt. Auch wenn man bloß so ist, wie man ist, ist man für die anderen „fremd“ … Im besten Fall ist das Gucken Neugierde, jedenfalls allemal besser als verschämtes Hinweggucken. Aber das Außeralltägliche fordert uns zu einer Reaktion heraus. Deshalb müsste das, was heute außeralltäglich ist, viel häufiger geschehen.

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    1. Ist allerdings irgendwie schade. Ist fast so wie wenn ein Unfall passiert. Es staut sich. Weil es mehr als genug Gaffer gibt, die einfach nur guggen was passiert ist. Natürlich gibt es auch diejenigen, die wegschauen, was noch viel untoller ist. Aber manchmal denke ich mir, wäre es in mancher hinsicht einfach viell besser, einfach zu Hinterfragen, anstatt einfach nur zu guggen oder wegzusehen.

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      1. Das Problem ist: Wie angemessen ist der Mittelweg? Ich spreche auf der Straße nur dann fremde Menschen an, wenn ich was von ihnen will. Mir waren mit meinen Alten die Gucker immer lieber als die Wegschauer.

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  3. Wir schauen doch, wenn etwas bzw. jemand für unser Auge aus der Menge heraussticht. Ich sehe das bis dahin noch relativ neutral. Manchmal schaue ich auf der Straße nochmal hin, nur weil jemand auffällig angezogen ist. Da gehe ich davon aus, dass die Person das auch nicht stört, denn wer nicht bemerkt werden möchte trägt nicht bunt. Bei Behinderten ist das schwieriger, sie fallen unweigerlich auf, obwohl sie das vermutlich nicht wollen, und wir anderen haben nicht wirklich gelernt, darauf normal zu reagieren.

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  4. Du hast recht, immer noch gelten Behinderte in der Öffentlichkeit als – na, ich sag’s mal freundlich, als bemerkenswert. Es ist eben noch nicht lange her, da wurden sie weggesperrt, für medizinische Experimente benutzt (soll ja immer noch vorkommen) oder gleich als „lebensunwert“ abgestempelt und umgebracht. Nun sind sie plötzlich da, die deutsche Bevölkerung wird sich gewöhnen wie ans islamische Kopftuch und die jüdische Kippa. Ist alles eine Frage der Gewöhnung. In Indien guckt niemand auf die „Krüppel“, sie gehören seit eh und je zum Stadtbild.

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    1. Auf der einen Seite ist es noch nicht lange her, auf der anderen Seite doch schon eine weile und noch nicht erst seit gestern, als es üblich war, mit Menschen mit Behinderung so umzuspringen. Hatten damals in der Ausbildung auch die ganze Thematik mit Nebel im August und co. Worüber ich einfach nur den Kopf schütteln kann.

      Auf der anderen Seite muss ich aber sagen, dass Deutschland (im Vergleich zu den Nordlichtern) ziemlich hinterher ist was die Behindertenarbeit angeht. Wo man sich manchmal darüber schon an den Kopf fassen kann. Man meint zu glauben, dass hier die Arbeit so super ist, gerade was inklusion und integration angeht. Aber schaut man sich mal in den Nordischen Ländern um, wirkt DE hingegen wie ein Pups im Wind. Wobei man es natürlich nicht von Vornherein schlecht machen kann 🙂

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