Fremdartig oder schlichtweg ungewohnt

Derzeit ist vieles für mich fremdartig, oder ungewohnt wie der Galan zu sagen pflegt. Das neue Domizil: ungewohnt, trotz der dreiwöchigen Eingewöhnungsphase habe ich erst zwei Nächte durchgeschlafen, die fremden Geräusche des Hauses aber auch jene der Nachbarschaft. Kaum zu schreiben, obwohl mir tausend Dinge und Themen durch den Kopf gehen: ungewohnt. Ein Hass und eine Präpotenz gegenüber Fremden, zumindest im derzeitigen Ausmaß: ungewohnt, vielleicht rührt daher meine gegenwärtige Melancholie, welche mir derzeit in vielen Situationen das Einstreuen von Humor erschwert …  Ach ja, die neue Rechtschreibung: mehr als ungewohnt … Aber um all dies geht es nun nicht, heute widme ich mich dem Galan …

Bereits unter einem Artikel, oder Beitrag, meines Blogs wurde festgestellt, der Galan ist anders, ungewohnt, fremdartig. Bevor ich dieses Thema vertiefe, sollte ich wohl darauf hinweisen, dass ich diese Feststellung nicht Böse aufgefasst habe, zumal die Bemerkung dem Galan nur gerecht wird und wäre der Galan nicht anders wären wir wohl nicht seit einiger Zeit zusammen.

Selbst an den wenigen Tagen in unserer Beziehung, an welchen wir eine Meinungsverschiedenheit auszufechten hatten, gingen wir nicht ins Bett ohne einen kleinen Lachanfall miteinander gehabt zu haben.

Allerdings streite ich nicht, ich erkläre nur leidenschaftlich warum ich Recht habe.

Im Endeffekt ist für mich eine Beziehung in welcher man ausnahmslos jeden Tag miteinander lacht: ungewohnt.

Obwohl es nun mitunter als eingebildet aufgefasst werden könnte, war es für mich ungewohnt, dass ich dem Galan, auf dessen Nachfrage, meine Telefonnummer gab, sich der Galan dann allerdings ein ganzes Jahr nicht mehr melden sollte.

Etwas mehr als 365 Tage, nachdem er meine Telefonnummer erhalten hatte, saßen wir uns an einem Donnerstagabend in einem Lokal in Stockerau gegenüber, ein gemeinsamer Bekannter hatte zum Schwatz vor einem freien Freitag geladen, habe ich schon mal erwähnt das eigentlich jeder Freitag frei sein sollte, da ja ohnehin das Wort Frei darin steckt.

Besagtes Lokal ist vegetarisch, kurz nach seiner Ankunft überlegte der Galan ob er etwas zu Essen bestellen sollte und zog einen, soeben gekauften, Kebab aus seinem Rucksack.

Einen Kebab zu kaufen, bevor man in einem Lokal eintrifft, welches Speisen verkauft: ungewohnt …
Einen Kebab zu kaufen, bevor man in einem seiner Stammlokale eintrifft, welches dafür bekannt ist vegetarische Speisen zu verkaufen: etwas mehr als lediglich ungewohnt ….

Einige Stunden waren wir uns bereits gegenübergesessen, hatten uns wie vor etwas mehr als einem Jahr gut miteinander unterhalten, dann kam sie die wohl unausweichliche Frage, wenn man sich zueinander hingezogen fühlt.

Als sich das Beisammensein langsam aber sicher seinem Ende näherte fragte mich der Galan erneut, nachdem er sich wohl etwas Mut mit Gerstensaft angetrunken hatte, nach meiner Telefonnummer.

„Die bekommst du nicht … “, meine etwas fiese Antwort, begleitet von einem verschmitzten Lächeln – zumindest nach Aussage des Galans, kam in der ersten Sekunde nicht gut bei ihm an, er dachte er sei abgelehnt worden.

„… du hast sie schon seit einem Jahr.“

„Wirklich!?!“, ich war mir nicht sicher ob er nun erstaunt war oder mich tatsächlich anschrie.

„Ja!“, antwortete ich deshalb sicherheitshalber etwas lauter.

Schnell zog der Galan sein damaliges Mobiltelefon aus der Tasche und suchte darin nach meinem Namen.

„Tatsächlich.“, ein Blick leicht von schräg unten folgte, mittlerweile weiß ich dies ist der Blick von Unschuldsgalan 3.0, welchen ich immer dann bekomme, wenn er etwas mitunter Wichtiges vergessen hat.

„Warum hab ich dich nicht angerufen?“, der Galan sprach so leise dass es wohl nur ein lauter Gedanke war, dennoch antwortete ich „Das kann ich dir nicht sagen.“

„Du könntest noch auf einen Kaffee mit zu mir kommen, ich wohne gleich um die Ecke … und ich habe einen tollen Keller.“

Eine Einladung in den Keller zum Kaffee: ungewohnt.

Dem Galan fiel selbst schnell auf, was er da soeben gesagt hatte und versuchte zu entschärfen, obwohl er tatsächlich mit seinem Rad angekommen war und dieses wohl wieder in den Keller musste, war ich nun etwas skeptisch.

Das sich der Galan nun tatsächlich, gar am selben Abend, noch meldete: ungewohnt.

Etwas musste er nun allerdings zappeln, einerseits war ich tatsächlich ziemlich skeptisch geworden, andererseits beanspruchte mich das Studium, neben Vollzeitjob, zwei hündischen Damen des Hauses und dem Haushalt ziemlich stark.

Das der Galan im Endeffekt dann nochmal fast ein Jahr auf mich wartete: ungewohnt.

Als Musikaffiner Mensch, pflege ich es meine Gefühle mit Melodien, Textpassagen oder einem gesamten Song auszudrücken.

Das mir der Galan seine Empfindungen mittels Textpassagen und Songs vermittelte: ungewohnt.

Ziemlich bald hatte ich erfahren, dass der Galan einmal wöchentlich ein Fußball Training hat und mehrmals im Jahr auch an Turnieren teilnahm, als Fußball Muffel der ich als Motoraffiner Mensch wohl sein muss, schrillten etwas die Alarmglocken. Vor meinem geistigen Auge sah ich den Galan mit Bier vor der Glotze, in welcher soeben die Fußballübertragung lief.

Das der Galan nicht an Fußballübertragungen interessiert war: ungewohnt.

Dass ich den Galan gerne zu seinen Fußballspielen begleite: ungewohnt.

Sport, Musik und gemeinsame Interessen, sollten aber nicht das Einzige sein, wo es Gemeinsamkeiten zu finden galt. Für den Galan, aber auch für mich, ist es klar das jeder seinen Bereich braucht, mit welchem er sich mal allein mit sich beschäftigt, doch würden ihn die hündischen Damen des Hauses nicht mögen und tatsächlich gibt es Menschen, welche meine beiden Allesschmuser meiden, würde ich den Galan wohl auch nicht mögen.

Es war mittlerweile November geworden, einige Entscheidungen standen für mich an, Beruflich und privat, aus einer Ablenkung mit Facebook und Internet, wurde ein langer Chat mit dem Galan, welcher sich, nachdem ich angekündigt hatte, heute wohl nicht mehr schlafen zu können, einfach selbst zu mir einlud. Bei doch ziemlicher Kälte, machte sich der Galan gegen elf Uhr in der Nacht auf den Weg zu mir … Natürlich rein zufällig mit Leckerlies in der Jackentasche seiner Motorradjacke, zwar lebt in seinem Domizil ebenfalls ein Hund, aber das er mit einer Motorradjacke, welche ja doch über unhandliche Protektoren verfügt, mit selbigen spazieren gegangen war, wagte ich zu bezweifeln.

Das der Galan sich mitten in der Nacht bei Kälte mit dem Motorrad zu mir aufmacht: ungewohnt.

Was soll ich sagen, natürlich mochten ihn die hündischen Damen des Hauses, Angel etwas mehr als Shadow und während Shadow, bis heute, dezent Eifersucht auf den Galan zeigt, zeige ich mittlerweile ebenfalls Eifersucht, sobald sich Angel an den Galan schmiegt … Sie vertraut ihm wohl genauso blind wie ich.

Somit kommen wir nun abrupt zum Schluss: dass ich den Galan mit Kugelschreibern, aber auch mal mit einem Lackstift nach Belieben anmalen darf: ungewohnt.

Das der Galan meine kleinen Liebesbotschaften auf seiner Haut auf meiner quittiert: ungewohnt.

Dass ich mir die Hände wasche und dadurch seine Liebesbotschaften leider viel zu schnell verschwinden: nicht ungewohnt … Das Beitragsbild zeigt übrigens seine heutige, mittlerweile verwaschene, Antwort auf eine Liebesbekundung meinerseits.

 

Selbst der Ring über welchen ich eigentlich nicht schreibe, weil ich eben doch nicht über alles schreibe: ungewohnt …

Bleibt wohl nur zu sagen: Danke Galan das Du einfach Du bist – ungewohnt …

Advertisements

Ein Gedanke zu “Fremdartig oder schlichtweg ungewohnt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s