Damals…WinterWunderLand 1978

Ich liebe den Schnee. Wirklich. Gepaart mit Sonnenschein und ohne Matschepampe macht ein Schneespaziergang total Spaß. Komischerweise bin ich kein Wintersportler. Ich kann nur Skifallen, nicht Skifahren. Schon gar nicht irgendwelche Hänge abwärts. Mein einmaliger Versuch, Langlauf zu machen (weil das ja so Spaß macht und jeder Depp kann), scheiterte kläglich. Ich lag mehr auf der weißen Pracht, als das ich irgendwie vorwärts gekommen wäre. Selbst Schlitten fahren ist nicht meins (obwohl ich das immerhin kann).

Nein, Schnee ist gut zum Laufen oder für eine Schneeballschlacht. Für sonst nichts.

Doch ich schweife ab. Denn eigentlich wollte ich erzählen, dass ich mich an einen Winter ganz bewußt erinnere. 1978. Ein ganz normaler Winter. Mit Schnee, wie man ihn in den 70er Jahren hatte. Doch dann änderte sich die Wetterlage. Wie das genau war, kann ich nicht sagen, dass kann man aber bestimmt – sollte es interessieren – bei den Suchmaschinen recherchieren. Ich war 9 Jahre alt und wir hatten ca 10 cm Schnee im Garten. Der Wetterbericht versprach weitere Schneefälle über Nacht. Wir freuten uns darauf. Machten Pläne, nach der Schule ein Iglu im Garten zu bauen oder Schlitten zu fahren.

Rollo runter, schlafen. Morgens schnell die Jalousien geöffnet und geschaut, ob der versprochene Schnee geliefert worden war. Oh ja. War er. Garten? Welcher Garten? Straße? Welche Straße? Ganz Deutschland war weiß. Der Schnee ging bis zur Fensterbank! Haustür auf und…..ab in Deckung! Der Flur war voll mit Schnee. Mama schimpfte: „Macht ja die Tür wieder zu. Und sofort den Schnee wegschaufeln.“ Wegschaufeln war dabei keine Floskel. Schule? Nö. Spontanes Schulfrei, denn niemand kam aus dem Haus. Weder Lehrer, noch Schüler, noch Hausmeister….

Mittags stiegen wir aus dem Fenster im Kinderzimmer, damit wir draußen spielen konnten. Anders war das nicht möglich. Auch Papa ging nicht zur Arbeit. Auch im Laufe des Tages schneite es weiter. Nicht mehr so arg, aber genug.

Und dann sahen wir die Tagesschau um 20 Uhr. Damals lief der Kasten nicht den ganzen Tag, sondern wurde erst zu den Nachrichten angemacht. Wir sahen Bilder aus der eingeschneiten Republik. Besonders den Norden hatte es noch schlimmer erwischt. Aus dem Hubschrauber konnte man sehen, dass die Fahrzeuge auf der Autobahn eingeschneit waren. Da ging wirklich gar nichts mehr. Teilweise konnten die Menschen nicht mal aus ihren Fahrzeugen aussteigen. Teils konnte man die Autos unter der geschlossenen Schneedecke nur noch erahnen.

LKW’s waren bis zur Hälfte in den Massen verschwunden. Es lugten nur noch die Werbeplanen seitlich hervor. Dazu kam Sturmflut, Wind und Eiseskälte. Manche Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten und konnten nur noch aus der Luft versorgt werden. Tiere in den Ställen konnten nicht versorgt werden und verendeten. Komplettausfall der Versorgung. Strommasten knickten um. Die waren meist noch oberirdisch. Dadurch Kälte auch in den Häusern. Es gab – soweit ich mich erinnere –  einige Kältetote. Gerade alte Menschen und Säuglinge litten darunter. Selbst Krankenhäuser hatte Probleme, ihre Notstromaggregate nicht zusammenbrechen zu lassen.

Und unendliche Stille! Das kann man sich fast nicht vorstellen. Stille, die in den Ohren dröhnt und wehtut, weil man den eigenen Herzschlag und den Atem auf einmal überlaut wahrnimmt. Kein Verkehr. Keine Flugbewegungen.

Zum Anschauen – Winderwunderland!

Zum Leben – Katastrophe. Jeder war froh, als es endlich taute. Keine Ahnung, wie lange der Schnee lag, aber ich meine, es waren Wochen. Wochen, wo in Deutschland die Welt stillstand.

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11 Gedanken zu “Damals…WinterWunderLand 1978

  1. Sehr schön und interessant geschrieben!!
    Erinnere mich zwar an sehr schöne Winter mit sehr viel Schnee und Kälte in meiner Jugend, aber an so eine wohl eher Katastrophe kann ich mich nicht mehr erinnern, obwohl ich da sogar schon etwas älter war.
    Heißt ja immer „du sollst Gutes behalten und Schlechtes vergessen….“ und vielleicht er es damals bei uns in Franken nicht ganz so schlimm! ?¿
    LG

    Gefällt 2 Personen

      1. Ich überlege jedes Jahr, endlich mal eigene zu kaufen, aber wenn ich dann das bisschen Schnee sehe, denke ich jedes Jahr, dass es doch nicht lohnt. Und wenn es dann einmal richtig schneit, ärgere ich mich, dass ich keine eigenen habe, sondern wieder erst einen Verleih auftun muss.

        Gefällt 1 Person

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