Pixie im Winterwunderland

Das Schreiben von fiktiven Geschichten liegt mir nicht, dies ist wohl eher das Metier des Galans. Das neue Thema des Mitmachblogs bringt mich somit in mir, zumindest seit der Kindheit, unbekannte Gefilde, in welcher sich Fiktion und Realität miteinander vermischen.

Es ist Winter sagen die Leute, die Temperaturen auch, doch wo ist er denn nur? Wo ist der Schnee?, denke ich bei mir, als ich mich für einen Lauf im Wald mit den hündischen Damen des Hauses fertig mache.  Tatsächlich ließ sich jenes zarte weiß, welches mir in meiner Jugend einiges an Freude bereitete, aber auch vor einigen Jahren noch für mehrmalige Schneeschaufel Einsätze am Tag sorgte, kaum blicken.

Das wenige was von Schnees letztem Besuch übriggeblieben ist, liegt uns gefroren zu Füßen, normalerweise laufen wir bei unter minus zehn Grad so schnell wie das ganze Jahr nicht. Mir wird angenehm warm beim Lauf und die hündischen Damen des Hauses scheinen meine Vorliebe für kälteres Wetter zu teilen, sie fordern einen langen Lauf ein und ich bin nur zu bereit ihren Wünschen nachzugeben.

Immer tiefer und tiefer laufen wir in den Wald hinein. Konzentration, um auf gefrorenen Wegen nicht zu stürzen, wechselt sich mit abschweifen meiner Gedanken ab. Erst auf der nächsten gefrorenen Passage bemerke ich die Raben, welche uns wohl schon ein gutes Stück des Weges begleiten.

Ich beobachte wie sie von Baum zu Baum fliegen, es scheint mir als wollten sie uns in ihrem Blickfeld behalten. So manch Bussard begleitete uns im Frühjahr, Sommer und Herbst auf unseren Laufwegen, es schien er hätte herausbekommen das wir ihm verstecktes Wild aufschrecken könnten, was sich die Raben davon versprechen uns zu folgen ist mir schleierhaft, zumal sie uns keine Nüsse zum Knacken vor die Füße werfen, wie es die intelligenten Vögel oft bei Autos machen.

Bald bilde ich mir ein, dass die Raben immer öfter, an Gabelungen, von unserem Weg seitlich wegfliegen und uns erwartungsvoll anzublicken scheinen, folgen wir ihnen nicht, fliegen sie mit lauten Rufen nach.

Was habe ich zu verlieren? Denke ich bei mir und beginne den Raben zu folgen. Schnell erreichen wir Stellen im Wald, welche mir noch gänzlich unbekannt sind. Ein Wind kommt auf und obwohl der Himmel wolkenlos scheint beginnt es zu schneien, immer stärker und stärker.

Zweifel beginnen mich zu plagen, die hündischen Damen des Hauses wirken unbeeindruckt und just in jenem Moment in welchem ich meinen Lauf verlangsame und beginne nach meinem Mobiltelefon in meiner Jackentasche zu suchen, flaut der Wind ab und auch das Schneetreiben beruhigt sich.

Ich finde mich auf einer Lichtung wieder wie ich sie aus Kindertagen kenne, alles weiß, die hündischen Damen des Hauses streifen mit ihren Bäuchen im Schnee und die Äste der Bäume biegen sich unter der weißen Last.

Wie schön, aber so wie ich angezogen bin, wird mir hier wohl ziemlich schnell kalt werden. Kaum den Gedanken zu Ende geführt, werde ich gewahr das sich meine Kleidung an die Witterungsverhältnisse angepasst hat, die Beine stecken, samt Hose, in warmen Kniehohen Stiefeln. Ein langer Wintermantel schützt mich vom Hals bis zu den Knien vor der Kälte, meine Kleidung darunter scheint gänzlich trocken, auf meinem Kopf befindet sich eine warme Strickhaube und auch meine Hände sind nun mit Handschuhen geschützt. Selbst das Fell der hündischen Damen des Hauses, welche mich flankieren, wirkt etwas dichter auf mich

Ein Rabe landet direkt vor meinen Füßen.

„Im Winterwunderland“, beantwortet er krächzend die Frage, welche ich mir soeben in Gedanken gestellt hatte.

„Hier schon“, erneut reagiert er auf meine Gedanken, unheimlich.

„Warum habt ihr uns hergebracht?“, frage ich nun laut.

Nun beginnt der Rabe zu erzählen:

Vor langer langer Zeit, litten das Volk von König Llefelys unter einem langen, harten und sehr kalten Winter. Kein Wild fanden sie mehr zu jagen und zu jener Zeit zu welcher sie bereits die Saat ausbringen sollten, hatte sich der weiße Teppich der Erriapus noch immer nicht zurückgezogen.

In seiner Not wandte sich der König an Hafgan, den Fürsten der Anderswelt, dieser schickte ihn mit einem Auftrag zum Schmied Govannon. Der Schmied solle schwere Ketten schmieden, welcher der König im danach zurückbringen sollte.

Ein weiterer Monat der Kälte sollte vergehen, bis der König mit den gewünschten Ketten wieder zu Hafgan kam. Dieser belegte die Ketten nun mit einem Bann, würde der König es schaffen sie Erriapus anzulegen, könne er das Wirken Erriapus kontrollieren. Bevor er den König ziehen ließ, gab er ihm einen Rat mit auf den Weg, er solle sorgsam und Weise mit der gewonnenen Macht umgehen, das Land bräuchte den Winter.

Eilig brach der König zurück in sein Dorf auf und lies nach Melt, dem mutigsten und stärksten Krieger senden, er solle Erriapus in Ketten an seinen Hof führen. Alsbald zog Melt aus, seinen Auftrag zu erfüllen und als sich der weiße Teppich langsam zurückzog, war der König sicher das Melt bald an seinem Hof erscheinen würde.

Doch Melt, geblendet von der Macht über Wind und Wetter entführte Erriapus an einen unbekannten Ort.

Die Jahre zogen vorbei, alte Götter wurden vergessen, der König war längst tot und auch Melt lag im Sterben, als er endlich Erriapus Ketten löste, fröhlich entsprang sie sogleich und lies dabei die Ketten bei Melt zurück.

Gezeichnet von der Erfahrung und in Angst lebend, jemand könnte die Ketten finden und sie erneut gefangen nehmen, zügelte Erriapus ihr Wirken jedes Jahr etwas mehr. Doch die Jahre waren vorbeigezogen. Längst vergessen schienen alte Götter, Könige und die Geschichten ihrer Zeit und so hatte sich auch Erriapus, wie viele ihrer Geschwister schlafen gelegt.

Hier im Winterwunderland …

 

Das deutlich bessere Beitragsbild verdanken wir Pixabay User arawyndesigns

Advertisements

7 Gedanken zu “Pixie im Winterwunderland

  1. Ist das schööön und kannte diese Geschichte, Sage bisher noch nicht!
    Bei uns liegt teils übrigens noch immer genug Schnee zum genießen …bei schönen Spaziergängen und vor allem aber auch für Kinder zur Freude.😊
    LG

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s