Das Märchen von der Orangenprinzessin

Es war einmal vor vielen Zeitaltern auf dem fernen Planeten Da. Dort lebte ein junger Prinz, der immer traurig war. Sein ganzes Leben lang hatte er noch nie gelacht, und sein Vater, der König des Planeten Da, war in großer Sorge. Die besten Ärzte des Planeten konnten seinen Sohn nicht von der Schwermut heilen, und keine wusste mehr einen Rat.

Da sandte der König seine Ratgeber im ganzen Universum aus, auf dass sie ein Heilmittel fänden. Jedoch kam keiner von ihnen je zurück, so dass der König schließlich seinen besten Freund, den Zauberer Alberich, hinausschickte in den schwarzen Raum. Die Tage vergingen auf dem Planeten Da, langsam verstrichen sie, während abwechselnd die blaue und die rote Sonne des Planeten auf- und unterging. Bis nach langer Zeit endlich der Zauberer Alberich zurückkehrte mit Kunde vom Orakel der roten Sonne.

Der Prinz müsse sich auf eine Reise begeben, und er werde nicht eher gesunden, als bis er die Prinzessin befreit habe, die die Hexe Gargamela in einer Orange gefangen halte. Alle Planetenbewohner schauderten. Die Hexe Gargamela hauste auf dem verzauberten Planeten Dings, ihrem Nachbarplaneten in diesem fernen Doppelsonnensystem, dessen Anblick am Nachthimmel die Bewohner von Da fürchteten.

Trotz aller Schwermut machte sich der Prinz auf den Weg. Vom Zauberer Alberich erhielt er ein gut verschnürtes Päckchen: „Öffne es erst, wenn Du den Planeten Dings erreicht hast, der Inhalt wird Dir helfen, die Zauberin Gargamela zu besiegen. Und hüte dich, die falsche der Zauberorangen zu öffnen. Es wird dein Tod sein.“ Bald verschwand sein Raumschiff als kleiner Punkt zwischen den beiden Sonnen in der violetten Dämmerung, wo als dunkler Schatten über dem Horizont der Planet Dings aufging.

Der Prinz raste durch den interplanetaren Raum zwischen Dings und Da und erreichte den verzauberten Nachbarplaneten. Dunkel und finster sah er aus, abweisend und kalt, heiß waren seine Tage, eisig seine Nächte, schweflige Wolken quollen aus Vulkanen und zogen über schwarze Lavaflächen. In einem der Vulkane in einer Höhle tief unter der Oberfläche hauste die Hexe Gargamela und rührte tagaus tagein zaubersprüchemurmelnd in ihrem Kessel.

Den Eingang bewachte die böse Katze der Zauberin. Verzweifelt versteckte sich Prinz in einiger Entfernung hinter einem Lavablock. Da fiel ihm das Päckchen des Zauberers Alberich ein, das er hastig öffnete. Heraus fiel ein Tarnmantel, der ihn verbarg und seine Kräfte vervielfachte. Versteckt unter dem Tarnmantel schlich der Prinz an der bösen Katze vorbei und gelangte in die Höhle unter dem Vulkan, wo die Zauberin im dampfenden Kessel rührte. Neben ihr stand ein Korb goldgelber Orangen. Der Prinz schlich unsichtbar heran und stand vor dem Korb mit den Orangen. In welcher war die Prinzessin? Er durfte nicht die falsche öffnen, es drohte sonst großes Unheil, aber Zauberer Alberich hatte ihm nicht gesagt, woran er die richtige erkennen sollte. Eine war ein wenig größer. Eine leuchtete schwach golden im Feuerschein. Welche nur, welche?

Der Prinz vergaß alles um sich herum und griff nach einer Orange, die halb verdeckt im Korb lag. Sie war perfekt. Perfekt orange. Perfekt rund. Nein, das war nicht seine Prinzessin. Seine Prinzessin war auch nicht in der gößten Orange. Sie war nicht in der goldenen, das fühlte er. Er wusste auf einmal, dass er spüren würde, wenn er sie in der Hand hielt.

Während der Prinz gedankenverloren eine Orange nach der nächsten befühlte und betrachtete, erblickte die böse Katze der Zauberin den merkwürdigen Tanz der Orangen. Kreischend sprang sie den Prinzen an, der immer noch unter dem Tarnmantel verborgen war. Sie schlug ihre Krallen in den Tarnmantel, aber Alberichs Zauber war mächtig. Die Hexe Gargamela schaute den Prinzen durchdringend an, konnte ihn aber nicht sehen. Wild schlug sie mit der Kelle in seine Richtung, er duckte sich, sprang hin und her, um ihr auszuweichen. Die Orange kullerten durch die Hexenküche, dazwischen tobte die Katze, die schließlich einen heftigen Schlag von Gargamelas Kelle abbekam, woraufhin sie ihr das Gesicht zerkratzte. Gargamela sprühte Funken vor Wut und verwandelte die Katze zu Stein.

Im Orangenkorb lag noch eine einzelne Orange. Sie schimmerte orange, war kugelig rund, aber ein ganz klein wenig unsymmetrisch und sie hatte eine kleine Falte, so dass es aussah, als zwinkere sie dem Prinzen zu. „Das ist sie!“ Der Prinz nahm die Orange und floh durch den Vulkanschornstein ins Freie. Er öffnete die Orange und heraus kam die Prinzessin. Sie lächelte ihn an, und zum ersten Mal in seinem ganzen Leben erhellte ein Lächeln das Gesicht des Prinzen. Der Zauber war mit einem Male gebrochen, die Hexe Gargamela stob fauchend durch den Krater davon, fegte ein letztes Mal als heulender Wirbelsturm über den Vulkan und verschwand in den Weiten des Alls.

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Das Lächeln der Prinzessin und des Prinzen hatte den Planeten Dings befreit, das öde Land wurde grün, seine vereisten Ozeane erwachten zum Leben. Und seitdem steht die Orange als goldener Mond über dem lebenswerten kleinen blauen Wunderplaneten Dings, und der Prinz und die Prinzessin sind … die neuen Nachbarn vom Planeten Dings.

Wer in diesem Märchen Anleihen bei Prokofjew, Lem, dem Ring des Nibelungen oder den Schlümpfen findet, darf wissend vor sich hin lächeln.

Das Orangenbild stammt von https://de.wikipedia.org/wiki/Orange_(Frucht)#/media/File:Ambersweet_oranges.jpg , die stümperhafte Montage habe ich verbrochen.
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4 Gedanken zu “Das Märchen von der Orangenprinzessin

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