Wozu braucht Sigla eine Transpontermikronenapparatur? Teil 3

Seit vorgestern ist mein Leben durcheinander geraten. Das hat ausnahmsweise nichts damit zu tun, dass ich mich mal wieder von meiner Freundin Caro getrennt habe. Zur Zeit ist Caro out. Sie hat es aber auch echt übertrieben. Ich bin immer noch sauer, wenn ich daran denke. Mein Blutdruck steigt. Ich merke das. Wieso? Ach so, sorry, wisst ihr ja nicht. Caro und ich hatten an Weihnachten vor einem Jahr beschlossen, dass wir dieses Jahr über die Festtage fliehen und nach Australien reisen wollen. Dafür haben wir jeden Cent gespart. Friseur? Gestrichen. Wir haben uns gegenseitig die Haare geschnitten. Das Ergebnis erinnerte an Harry Potter, aber das war mir egal. Ausgehen? Gestrichen. Zu teuer. Unsere Freunde kamen zu uns und jeder steuerte was zum Buffet bei. Selbst den kleinen Luxus eines Sonntagsbrötchens verkniff ich mir. Brot ist günstiger.

Tja, und dann kommt Caro vor 23 Tagen 14 Stunden und 9 Minuten nach Hause. Erst freue ich mich. Sie war für ein paar Tage auf Seminar. Hat sie mir jedenfalls gesagt. Aber irgendwas stimmte da nicht. Ich sah es nicht gleich. Nur das ihre Haltung sich verändert hatte. „Na Schatz, fällt dir was auf?“, fragt sie mich und dreht sich im Kreis. Fünfmal. Sechsmal. Grinst wie ein Honigkuchenpferd. Endlich fällt auch bei mir der Groschen. Sie hat sich die Brüste machen lassen. Von unserem Urlaubsgeld! Pfui. Aber der richtige Hammer erwartete mich erst, als sie das T-Shirt anhob. In bunten Farben prangte ein Tattoo auf der linken Brust. Keine Rose oder was Mädchen sich so machen lassen. Nein. Das Autogramm von Angela Merkel. Änschie? Wo ich überzeugte SPD-Wählerin bin! Das ging echt gar nicht! Caro, das Biest. Das hat sie nur gemacht um mich zu ärgern. Weil ich immer sage, die Frau – die Merkel – hat Mundwinkel wie ein DDR-Holznussknacker. Die großen, bemalten aus dem Erzgebirge. Wo sich der Mund öffnet, man die Nuss reinlegt und es nie funktioniert, weil es dafür keine passenden Nüsse gibt. Die sind entweder immer zu dick oder zu mickerig.

Ich habe sie hochkant rausgeschmissen. Nicht die Kanzlerin! Die Caro. Mit allem ihrem Scheiss, der noch in der Wohnung lag. War mir egal, ob die kitschigen Fabergé-Eier ihrer Oma kaputt gehen oder nicht. Die Änschie hätte ich aber auch rausgeschmissen, wenn die da gewesen wäre.

Danach war ich tagelang nicht ansprechbar. Habe mir die Augen aus dem Kopf geheult. Zur Arbeit bin ich seitdem auch nicht mehr gegangen. Heulen tue ich nicht mehr, aber der Antrieb fehlt mir trotzdem. Doch dann klingelte es vorgestern an der Haustür und ein Typ steht davor und labert mich von der Seite an. Königmann Sigurjos Lapyszulati sein Name, sagte er. Aber das könnt ihr hier nachlesen.

Nur so am Rande: seit KLS oder Sigla, wie ich ihn nenne, bei mir sein Agendenkosmoskop repariert hat, wird jeder Link den ich einfüge Neonfarben. Ich schwöre euch, eben war der noch Rot!

Jedenfalls mischt der Sigla seitdem mein Leben auf. Manchmal brauche ich Übersetzungshilfe, weil der so geschwollen und altmodisch daher schwätzt, aber eigentlich finde ich den ganz nett und witzig. Ok, streicht das „eigentlich“. Er ist nett und lustig. Gestern habe ich eine technische Meisterleistung erbracht, indem ich ihm half, einen Akku für sein Agendenkosmoskop zu entwickeln. Obwohl die auf dem Planeten Dings so mega modern und technisch fortschrittlich sind, haben sie ihren Legat (so nennen die ihre Abgesandten) mit nur zwei Vervekugeln ausgestattet auf die Reise geschickt. Die sind davon ausgegangen, dass wir hier die Energiekugeln als Kieselsteinersatz nutzen, so wie auf ihrem Planeten. Dat war wohl nix, nur ’nen Satz mit X.

Ich greife zum Telefon und wähle meine eigene Handynummer. Da Sigla kein irdisches Mobiltelefon hat, habe ich ihm meins mitgegeben. Ich habe ja noch das Festnetz. Nach dem dritten Klingeln höre ich ihn abheben. Kein Ton. „Hey Sigla, ich bins, Miri.“, schreie ich in die Muschel. Ist so ein Impuls. Taub ist er ja nicht, aber wenn er nichts sagt… „Du kannst rüber kommen, dein Agendenkosmoskop ist aufgeladen. Glaube ich zumindest, weil es jetzt wieder Neongrün ist.“ Weil ich nichts höre, lege ich auf. Der wird schon kommen.

Keine fünf Minuten später geht die Türglocke. Ich schlittere über die Fliesen und kann gerade noch rechtzeitig abbremsen, bevor ich gegen die Kante der Klotür knalle. Ich reiße die Tür auf und davor steht…………der Paketbote. Ach Mist. „Ein Paket für Marion von oben. Nehmen sie das an?“, will er wissen. Die Frage ist rein rhetorisch. Er weiß, dass wir hier im Haus alle gegenseitig die Pakete annehmen. „Ach. Ich glaube, da will noch jemand zu ihnen Frau Mies. Oder soll ich das Subjekt aus ihrem Garten entfernen?“ Ey, fangen inzwischen alle an so hochtrabend zu sprechen? Ist das ansteckend?

Hinter seinem Rücken sehe ich Sigla. Er hat die Arme gerade nach vorne gestreckt, die Handflächen zum Boden gerichtet und um brummt „hmmm, hmmm, hmmm“ vor sich hin. „Nee, schon gut. Das ist KLS aus der Dreizehn. Werden sie vielleicht auch noch kennenlernen“, verabschiede ich mich vom Paketmensch. „Suchst du was?“ „Gegrüßet seiest du, Miri Mies vom Planeten Erde. Ha! Siehst du, ich habe es memoriert. Erde. Nicht Mytricäm.“ Stolz wie Oskar – wer ist eigentlich dieser Oskar? und schreibt man den mit k oder c, geht es mir durch den Kopf – strahlt er über beide Wangen. Backen sagt man ja nicht. Die sind sozusagen am Arsch. Ich grinse innerlich, wegen meines Scherzes.

Habt ihr schon bemerkt, dass ich immer so abschweife? Ist ne Eigenart von mir. Ich habe einfach zuviel Knoten im Hirn, die es einzuflechten gilt. Komme gerne vom Hölzchen aufs Stöckchen. Das ist auch so ein Ausdruck, den ich seltsam finde. Ob das vom Mikado kommt? Da liegen die Hölzchen doch auch auf den Stöckchen… Meine Lehrer früher in der Schule meinten, ich wäre minderbegabt und steckten mich auf die Realschule. Weil ich mich immer so verzettelt habe. In Aufsätzen und so.

Dann kam Frau Posch. Die meinte das Gegenteil. Ich sei hochbegabt und hätte eine Inselbegabung. Man müsse nur noch die Insel finden. Wenn es nach mir ginge, würde ich mir Tasmanien aussuchen, aber ich glaube, sie meinte eher Juist. Soll ja auch schön sein, da. Die Posch war eine ganz liebe, nette. Nur, dass sie mich zum Psychologen schickte um einen IQ-Test zu machen fand ich doof. Die Fragen waren so kindisch. Ehrlich. Meine Eltern fielen fast vom Stuhl als das Ergebnis fest stand. 142. Pft. Zahlen und Mathe sind echt nicht mein Ding. 142 was überhaupt? Hühneraugen? Gespaltene Haarspitzen? Interessiert ja doch niemanden. Jedenfalls wurde ich dann aufs Gymmi hochgestuft. Wisst ihr, was ich glaube, was mein Problem ist? Ich bin hochsenibel. Wobei so richtig hoch bin ich mit meinen Einmeterzweiundsechzigeinhalb nicht…

Ich entschuldige mich. Noch eine Nebengeschichte. Wo war ich gerade? Ach ja, Sigla. „Suchst du was?“, wiederhole ich meine Frage. „Meinst du, ich könnte hier eine Transpontermikronenapparatur aufstellen?“, antwortet er mit einer Gegenfrage. „Das Magmafeld unter dem Reich der Erde ist metaphosphorisch höchst aktiv. Das würde gehen.“ Gehen? Wofür? Will der den Aliens da draußen Grußbotschaften vom Erholungsurlaub schicken, oder was?

„Klar. Mach ruhig“, antworte ich ganz gechillt. Ist nicht mein Vorgarten. Da wo mal Rasen war, wächst sowieso nur noch Moos. „Du bist eine gute Seele aus dem Herzen derer von Klifitter-zu-Jawyn. Ich habe es in den Chroniken nachgewälzt. Warum du nun Mies heißt, weiß ich noch nicht, aber das finde ich auch noch raus. Vermutlich hat es mit der Statustransition der unplanaren Pentade im Jahre 98 nach der schlammmioten Firmamentsphärenexplosion zu tun.“ Den letzten Teil habe ich schon mal gehört, aber ich verstehe trotzdem nur Bahnhof.

Endlich stapft Sigla rein in die Küche – wieso sind wir denn immer in der Küche? – und greift nach seinem Agendenkosmoskop. „Hach, du bist ein Schnucki. Darf ich das Kabel mitnehmen?“ Klar erlaube ich ihm das. Dafür haben wir es ja gebastelt. Es dauert zwar ganz schön lange bis das Kosmoskop geladen ist, aber es geht immer noch schneller als die Suche nach den Vervekugeln. „Frage, Sigla. Was hast du mit dem Transponterdingsbumms vor?“ „Ich will das Magmafeld erforschen. Wenn es mir gelingen sollte, das Titan daraus zu selektionieren, dann könnten wir auf Yügöwämiß-Q9* endlich Dihydrogenmonoxid mittels Filtration durch ein Einaugenthermometer synthetisieren.“

Willst du wissen, wozu die Yügöwämißen das Dihydrogenmonoxid brauchen? Tja, ich fürchte, da musst du auf die nächste Geschichte warten. Falls es noch eine gibt…

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9 Gedanken zu “Wozu braucht Sigla eine Transpontermikronenapparatur? Teil 3

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