Unter Safari habe ich mir was anderes vorgestellt (Teil 4)

Hätte ich mal nur nichts gesagt. Keine Ahnung, was meine Vermieterin Frau Hölle-Bau – die Frau ist tatsächlich die personifizierte Hölle – zu ihrem zerstörten Vorgarten sagen wird. Zum Glück wohnt die in Eisenhüttenstadt und kommt nur alle Jubeljahre mal vorbei. Sigla, mein Nachbar vom Planeten Dings, wie ich immer so schön sage, weil ich mir den Namen des Planeten partout nicht merken kann, hat seine Transpontermikronenapparatur aufgebaut. Er will das Magma unter der Erde erforschen, weil sie auf seinem Planeten momentan einen Mangel an Dihydrogenmonoxid haben und man mit dem Titan, welches wohl im Magma sein soll und einem Einaugenthermometer das Dihydrozeugs synthetisieren kann.

Leider musste KLS dazu den Vorgarten umgraben und hat ihn mit Stäben aus Ywiskeramik gespickt. Ich hatte in Chemie leider nie mehr als 7 Punkte, daher kann ich Siglas Aussagen nur halb folgen. Jedenfalls will er das Titan bzw. Titanoxid mit Deuteronen beschiessen, dann absaugen, eintüten und mitnehmen, wenn er zurück nach Yügödingsbumms muss. Mir ist noch nicht klar, worin er das abfüllen will. Notfalls kann er meine leeren Wasserflaschen haben. Jedenfalls ist die Apparatur nicht das Problem. Die ist eher kompakt gehalten. 64 Stäbe hat er im Rasen versenkt. Im Quadrat. Das ganze nimmt bestimmt zehn mal zehn Meter ein.

„Miri“, schallt es soeben aus dem Vorgarten, das kann nur Sigla sein. „Schau nur! Es klappt!“ Ich schaue aus dem Klofenster und sehe einen kuppelartigen Lichtbogen in Orange-Rot-Gelb, der sich über die Ywisstäbe spannt. „Ist das jetzt das Titan? Wie willst du das einsammeln?“, frage ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Der Lichtbogen erlischt. Sah eigentlich ganz nett aus. „Ich brauche einen Stabilisator. Hast du einen da? Sonst verfällt das gleich.“

Stabilisator? Ja klar, hab ich in der Küchenschublade. Ihr bemerkt hoffentlich die Ironie in meinen Gedanken. Was denkt der sich denn? Wie soll so ein Stabilisator aussehen? „KLS, ehrlich, du redest wieder mal in Rätseln. Ein bisschen konkretere Anweisungen wären ganz nett. Was sagt denn dein externes Brain, das Agendenkosmoskop dazu? Das ist doch sonst so allwissend“, entgegne ich. „Der beste Stabilisator wäre Kontanifrid, aber den gibt es auf der Erde nicht. Mir fehlt die Idee, was es hier gibt“, sagt Sigla. In diesem Moment quietscht das Gartentor und mein Neffe Phil-Luc-Camus, ein richtiger Nerd, tritt ein.

Ich ziehe die seltsamen Gestalten an wie das Licht die Motten. Der Dreifachname-Neffe, der auf die vollständige Ansprache mit den ganzen Vornamen besteht, ist etwas weltfremd. Kein Wunder bei dem Namen. Da hatte mein Bruder einen schwachen Moment. Nee, der ist nicht für den Namen verantwortlich. Seine Gattin, meine Schwägerin Shaneia-Jacqueline – selbst mit einem No-go-Namen gesegnet – jammerte mega bei der Entbindung rum und Olli lies sich dazu hinreissen, ihr die Namensauswahl zu überlassen. Schließlich hatte sie sich ja so dolle gequält. Das ich nicht lache. Pah, sag ich da nur. Phil-Luc-Camus war innerhalb von fünf Stunden auf der Welt. Turbotempo. Der junge Mann hatte es eilig. Und heute sieht man ihn nie ohne sein Laptop durch die Gegend ziehen. Der redet auch immer von Sachen, die ich nicht verstehe.

Andererseits prima, dass der kommt. Der muss sich doch perfekt mit Sigla verstehen. Zwei Außerirdische. Den setzte ich gleich auf das Stabilisatorenproblem an. Grxgrxgrxgrx. Grxgrxgrxxxxgrx. Was ist das denn für ein Geräusch und wo kommt das her? Es wird lauter und hektischer. Phil-Luc-Camus entdeckt den Aufbau von Sigla und steuert – im Lauf das Laptop aufklappend – darauf zu. Kurzzeitig war nochmals der schicke Lichtbogen sichtbar. Jetzt ist er wieder weg und auch das komische Geräusch verstummt. „Hey du! Mach das nicht nochmal. Das ist verboten. Ich will doch nicht verstrahlt werden“, geifert Phil-Luc-Camus Sigla an. „Sei gegrüßet Fremder. Ich entbiete dir die Ehre und mein Name ist Königmann Sigurjos Lapyszulati, aber du kannst mich auch Sigla oder KLS nennen. Miri gewährte mir, hier meine Transpontermikronenapparatur zu installieren“, erklärt mein Nachbar vom Planeten Dings.

„Oh cool. Was kann das Teil? Kann ich mir das mal ansehen?“ Schon steuert mein Neffe auf die Apparatur zu. Ohne eine Antwort abzuwarten schaut er sich die Ywiskeramikstäbe, die Verbindungen zum Gerät und das Gerät selbst an. „Ich bin Phil-Luc-Camus, aber du kannst ruhig PLC sagen. Wir teilen das gleiche Schicksal mit drei Namen, das verbindet.“, sagt er. Jetzt bin ich baff. Sonst ist der so pingelig mit seinem Namen und in Sigla sieht er gleich eine verwandte Seele. Die Zwei verfallen sofort in Fachsimpeleien. Ich kriege noch mit, wie Sigla die Grundlagen erklärt und dann knalle ich das Fenster zu.

Ich koche mir erst mal einen Kaffee. Ich bin sauer. Sowas von sauer. Gestern war ich noch gut genug und nun bin ich abgeschrieben. Sollen die doch selbst sehen wie sie zurecht kommen. „Miri, hi. Hast du Knete oder Salzteig oder sowas im Haus? Und außerdem wäre eine Bleihaube gut. Alternativ nehmen wir auch Draht, Frotteehandtücher und diese Kringel-Geschenkbänder“, klärt mich PLC auf. Die Abkürzung seines Namens  beanspruche ich jetzt aber auch für mich. Er tritt in den Flur. „Kannst du mir mal sagen, was ihr da draußen vorhabt?“, belle ich ihn an. Sigla ist mein Nachbar, den lasse ich mir nicht von dem Freak wegnehmen. Da werde ich zur Löwin. Oh, ich glaube, ich bin eifersüchtig. Tief durchatmen und runterfahren. Ohhhhhmmmm.

PLC hat ein Geigerzählerprogramm auf seinem Rechner und der hat eben die seltsamen Geräusche gemacht. Hat angeschlagen. PLC und KLS haben rausgefunden, das Radioaktivität entsteht, wenn man das Titanoxid mit den Deuteronen beschiesst und als netten Nebeneffekt entsteht der farbige Lichtbogen. Die Radioaktivität muss natürlich abgeschirmt werden und das Titangemixdingsda braucht einen Stabilisator, damit man es in einen festen Stoff verwandeln kann. Der ist dann auch nicht mehr radioaktiv. Beim Aushärten entstehen wabenförmige Würfel, die ganz leicht abzutransportieren sind. Haben sie berechnet. Hat Sigla nicht was von absaugen gesagt? Scheint nicht mehr notwendig zu sein.

Tja, leider habe ich meine Bleihaube gerade verliehen. Haha. Eine 10×10 Meter Bleihaube. Wo soll ich die bitte lagern? Und wofür? Ich habe bisher eher selten experimentierfreudige Außerirdische in meiner Umgebung gehabt. Sonst, ja sonst hätte ich mir natürlich die Bleihaube zugelegt. Ein bisschen Ironie wird ja wohl noch erlaubt sein… Ich glaube, ich habe noch Draht im Keller. Diesen Hasendraht. Den habe ich irgendwann mal gekauft, um die Katzen von meinem Gemüsebeet hinten im Garten abzuhalten. Die Katzen fanden den Draht gut, haben das als zusätzlichen Ansporn angesehen, noch tiefere Löcher zu buddeln. War im wahrsten Sinne des Wortes „für die Katz'“.

Ich hole den Hasendraht, alle meine Frotteehandtücher – wozu sollen die denn sein? – und Geschenkbänder herbei. Knete habe ich keine da, aber Salzteig kann ich schnell herstellen. Was? Aus 18 kg Mehl? Haben die noch alle Antennen auf der Zinne? Sigla ist inzwischen auch rein gekommen und zusammen breiten die Nerds mir ihren Plan aus. Der Hasendraht wird über die Stäbe gespannt. Zwischen den Lücken werden die Kringelbänder durchgeführt und verknotet. Darauf werden die Handtücher ausgebreitet. Das ersetzt die Bleihaube, meinen die. Nennt sich Pseudo-Safari-Technik. Na, ich weiß ja nicht. Unter Safari habe ich mir bis jetzt was anderes vorgestellt. Tiere in Afrika und so. Ihr wisst schon. Die Abschirmvorrichtung Marke Eigenbau erscheint mir ein bissel zu easy. Angeblich werden da Ionen zwischen dem Metall des Drahtes und dem Leichtmetall der Geschenkbänder ausgetauscht und Frottee verbindet das zu einer kompakten Masse….Ich habe da meine Zweifel.

„Darf ich nochmal nachhaken, wozu ihr soviel Salzteig braucht? Mehr wie ein Kilo Mehl habe ich nicht da. Da müsstet ihr wohl einkaufen gehen.“ PLC redet wie ein Wasserfall. Bin ich gar nicht gewöhnt. „Das wird unsere Stabilisator. Der Salzteig oder die Knete bindet das gasförmige Titanoxid, sowie es unter der Haube auf die Erde fällt. Daher müssen wir natürlich die ganze Erde damit überziehen. Für den ersten Test reicht uns aber auch ein Kilo. Die Waben sammeln wir dann auf und lagern sie in deinem Keller, bis Sigla abreist.“ Erbost und aufgebracht kreische ich: „Euch ham se wohl durch den Pullover gestillt! In meinem Keller wird kein radioaktives Material gelagert. Außerdem ist der eh schon total voll.“ Endlich meldet sich KLS mal zu Wort. „Miri Mies. Auf Yügöwämiß-Q9* werden die Pullover vor der Brustfütterung abgelegt. Meine Mutter zum Beispiel hat mich und meinen Zwillingsbruder Königmann Tiruton..“, ich höre gar nicht mehr zu. Oh Scheisse! Der hat auch noch einen Zwillingsbruder. Hoffentlich kommt der nicht auch noch auf die Idee als Legat durch die himmlischen Sphären zu schleichen und Unheil anzurichten.

Wir kommen überein, dass Hubers die gebundene Radioaktivität bestimmt besser vertragen als ich. Zur Wohnung von Sigla gehört die rechte Seite der Doppelgarage, da kann er das Zeug gerne lagern. Da fällt mir ein, dass ich ihn die ganze Zeit schon mal fragen wollte, womit er eigentlich auf die Erde gekommen ist. Muss ja ein Raumschiff oder so gewesen sein. Schreibe ich mir gleich auf den Notizblock, damit ich es nicht wieder vergesse. Frage ich ihn morgen. Ich rühre und knete den Salzteig, während die Techniker draußen weiter basteln. Nach zwei Stunden ist der Bleihaubenersatz fertig, der Salzteig sowieso und ein Probedurchgang wird gestartet. Scheinbar sind PLC und KLS zufrieden mit dem Ergebnis. 5 Waben tragen sie nach nebenan. Und dann sind sie für heute verschwunden.

Wollt ihr wissen wie die Geschichte weiter geht und auf welchem Weg und mit welchen Gefährt Sigla auf die Erde kam? Geduld. Kommt Zeit, kommt Aufklärung. Evtl. Oder auch nicht, wer weiß das schon….

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5 Gedanken zu “Unter Safari habe ich mir was anderes vorgestellt (Teil 4)

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