Der Opa hätte das so nicht gewollt.

Ich hatte eine schöne Kindheit. Um ehrlich zu sein, wäre ich manchmal gerne wieder Kind. War alles irgendwie so entspannt. Man hat keine Verantwortung und so weiter.

Erinnere ich mich gerade sehr gerne an die Urlaube meiner Kindheit zurück. Beinahe jede Ferien ging es an den Gardasee. Für mindestens 1 Woche. Mein Opa hatte dort ein Häuschen. In einem kleinen Feriendomiziel nahe Bardolino.

Heiße Sommer, tolles Eis. Marktbesuche. Spielen in einem großen Garten. Ins Schwimmbad gehen und dort Freunde treffen, mit denen man gespielt hat. Ab und zu essen gehen und jeden Morgen italienisch frühstücken. So richtig mit den italienischen Semmeln und italienischer Wurst.

Über die Jahre wurden aber die Freunde dort unten immer weniger. Viele der Häusschen dort, die einst Familien aus Deutschland gehörten, wurden mittlerweile verkauft. Wurden es immer weniger Kinder, die man von damals noch kannte.

Trotzdem finde ich es dort immer schön. Verbinde ich damit auch immer, dass der Opa mit uns im Urlaub war. Der Opa der mir abends immer aus seinem alten Märchenbuch ein Märchen vorgelesen hat. Zum einschlafen. Der sogar seine Stimme verstellt hat um den Charakteren das gewissen Etwas zu verpassen.

Der Opa mit dem ich zusammen die Feigen vom Baum gepflückt und danach verspeist hatte. Und nachmittags gabs dann immer Kaffee und Hörnchen im Garten. Opa mit seinem Jungelforscherhut auf dem Kopf und der dicken Hornsonnenbrille auf der Nase.

Das Haus ist noch in Familienbesitz. Die Frage ist nur wie lange noch.

Opa ist nämlich vor über 1 Jahr mit über 90 Jahren verstorben. Der Kopf war noch klar. Aber der Körper wollte nicht mehr. Nur die Erinnerung und das Haus bleibt. Das Haus in dem ich einen erwähnenswerten Teil meiner Kindheit verbracht hatte.

Das Häuschen hat der Opa der Mama und der Tante zusammen hinterlassen. Die Tante wirft aber einen dunklen Schatten. Die Tante führt sich auf wie ein kleines Rumpelstielzchen. Und Blockiert somit die Verteilung des Erbes.

Die Mama und der Papa wollen nämlich das Häuschen eigentlich Behalten. Aber nicht mit der Tante zusammen. Sie wollen es geregelt haben, wem was gehört. Weil sie einiges renovieren wollen. Uns sie wollen das alleine entscheiden, was sie machen. Und wollen auch nicht irgendwem wegen den Kosten hinterher laufen.

Die Tante würde sich wohl nämlich nicht dran beteiligen. Und bei den Renovierungen auch nicht helfen. Sich ins gemachte Nest setzen wollen. Darum eine aufteilung. Die Mama und der Papa das Haus in Italien. Die Tante (das um einiges größere) Haus in Deutschland. Die Tante müsste die Mama aber noch auszahlen. Das will sie aber nicht. Die Tante.

Die Tante blockiert somit, mit fragwürdigen behauptungen, die Verteilung des Erbes. Und ohne sie geht nichts. Weil sie miteigentümerin ist.

Die Mama hat inzwischen sogar keine Lust mehr. Die Mama würde das Häuschen in Italien inzwischen sogar verkaufen. Mir würde es das Herz brechen, würde es dazu kommen. Der Mama eigentlich auch. Wegen der schönen Zeit die wir dort schon hatten. Und wegen der Erinnerung an den Opa.

Letztes Jahr habe ich es kein einziges mal dort hin geschafft. Was mich traurig macht. Ich hänge am Gardasee. Wirklich. Und an dem Haus.

Der Opa hätte das nie gewollt…

 

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5 Gedanken zu “Der Opa hätte das so nicht gewollt.

  1. Spontan dachte ich an zwei Frauen in unserem Dorf die sich beim Arzt unterhielten, die eine schwärmte davon wie gut sie sich mit ihren Geschwister versteht. Darauf fragte die andere nur: „Habt ihr auch schon ein Erbe geteilt?“

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  2. Mein Opi und meine Omi sind für mich auch die Besten! Als Kinder waren wir auch oft am Gardasee. Abends hat Opi immer eine Tasse Brühe getrunken. Und wir waren in den Ferien mit dem Wohnmobil unterwegs. Bei dem einen Urlaub sind wir jeden Tag an den Teich um Brote zu füttern. Ohne Omi und Opi wäre unsere Kindheit nicht halb so schön geworden.

    Ich hoffe, dass ihr das Haus behalten könnt.

    Gefällt 1 Person

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