Kindheitserinnerungen: Ein gefallener Engel, sozusagen

Mein Opa hatte einen Schrebergarten, wo ich gefühlt, meine halbe Kindheit verbrachte. Ich liebte es auf Bäume zu klettern, „meine“ Pflaumen zu pflücken, die Kaninchen zu beschmusen (bis ich entdeckte, dass sie im Kochtopf landen) und mein eigenes Beet zu beackern. Außerdem hatte ich eine Freundin mit Pool im Garten, was natürlich das Größte war. 

Vom Kleingartenverein gab es jedes Jahr zu Weihnachten eine große Feier mit einem eigenen Chor und einem Krippenspiel. Natürlich wollte meine Familie mich auch gerne auf der Bühne sehen und so landete ich im Chor (über meine gesanglichen Qualitäten schweige ich besser). Gesungen wurde von „Oh Tannebaum“ über „Oh du Fröhliche“ bis hin zu  Stille Nacht, heilige Nacht“ alles was die Weihnachtszeit so hergibt.

Eifrig und sehr laut übte ich daheim und ebenso machte ich es auch auf der Probe. Die Chorleiterin war wohl weit wenuger begeistert als ich, als erstes bat sie mich leiser zu singen, dann sehr leise. Aber, auch wenn ich nicht singen konnte, hatte ich Magie in der Stimme und schaffte es, egal wie leise ich sang, alle anderen völlig rauszubringen. Also bekam ich die Anweisung nur noch den Mund auf und zu zu machen, aber das schaffte ich nicht, weil laut singen doch so viel Spass machte.

So ging es also nicht weiter, also beschloß man,  da ich blonde Locken und große, treue Augen hatte, ich gäbe einen wunderbaren kleinen Weihnachtsengel im Krippenspiel ab. Tun musste ich nichts, außer ab und an mit den Fügeln zu schlagen und ansonsten still zu stehen. Es klappte auch prima, bis die Flügel anfingen zi jucken und mir langweilig wurde. Aber dann entdeckte ich meine Familie im Publikum und winkte ihr freudig zu. Ein paar Leute lachten, was mich nur anfeuerte und da ja keiner mich singen hörte, dachte ich mir, ich twiste ihnen was vor. Onkel Gerd hatte gesagt, dass ich das toll kann. Leider hatte ich dabei nicht mehr an meine großen Flügel gedacht, mit denen ich an der Krippe hängen blieb und nicht wieder los kam. Josef versuchte mir unauffällig zu helfen, hatte aber nicht bedacht, dass er ein langes Kleid trug. Mit diesem blieb er dann auch wieder hängen. Er versuchte sich loszureißen, da er gleich nach vorne musste. Tja und da machte es krabums, die provisorische Bühne streckte alle viere von sich und ich stand mitten im Publikum rannte zu Onkel Gerd und fragte: „Na, wie war mein Twist?“ Trocken antwortete er: „Umwerfend!“ Der ganze Saal brüllte vor Lachen …

… und wenn sie nicht gestorben sind, schwärmen sie noch heute von der Weihnachtsfeier, wo endlich mal was los war.

Advertisements

5 Gedanken zu “Kindheitserinnerungen: Ein gefallener Engel, sozusagen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s