Kurzfilme und Schatzinseln

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit gebannten Augen starrte ich auf die Zahlen – aber es änderte sich nichts mehr, letzten Sonntag. Chips und Schokolade futternd (besser als Nägel beissend, oder?) verfolgte ich dann die Moderation des Zieleinlaufs:

Kind vor Kunst, the show must go on!

Alles klar, Kind vor Kunst, auch Kind vor Kuh. Letztere käme auch noch vor der Kunst, aber immerhin nach dem Kalb. Irgendwie interessant. Ein weiteres Ei-Henne Mysterium vielleicht? Wie auch immer. Das Alphabet schreibt es uns vor. Wir folgen ihm buchstabengetreu.

Kindheitserinnerungen

Verbloggen.

Kindheitserinnerungen?

Klar habe ich die. Ich nehme an, die meisten Menschen haben sie. Schöne und solche, die man eigentlich lieber nicht hätte, aber die halt auch zum Leben dazu gehören. Das Fundament auf dem ich nun stehe, oder vielmehr hier vor dem Computer sitze.

Aber dieses Fundament hat Risse, viele, wirklich viele. Eigentlich richtige Löcher, tiefschwarze Löcher. Solche, die alles in sich hineinsaugen, langsam, aber gründlich und für immer.

Meine Kindheitserinnerungen sind kleine Kurzfilme, wie animated GIFs – winzige Ausschnitte aus dem eigenen Leben, die wie in der Dauerschleife abgerufen werden können. Ein Episödchen hier, dort ein anderes. Alles dazwischen ist nur noch ein wages Gefühl, ein nicht greifbares Etwas, das es wohl gegeben haben muss. „Ihre Suche war leider nicht erfolgreich“ meldet dann das Hirn zurück, wenn man nach den Verbindungsstücken sucht.

Kleinod, persönliche Schätze.

Meine Schatzinseln

Verstreut und einsam im weitem Meer alles Vergessenen. Wie kann ich sie hüten?

So wie ich lange Zeit wilde Tiere in der Steppe Afrikas behüten wollte? Und mit der Schwester gemeinsam diese geheimniskrämerische Aktentasche voller Landkarten von Ostafrika besaß, in der auch noch Bilder von wilden Tieren und sorgfältig ausgeschnittene Zeitungsartikel über die Serengeti zu finden waren. Tag für Tag holten wir sie hervor, betrachteten alles und planten unsere weite Reise. Jeden Tag, bis wir sie eines Tages im Eck stehen ließen. Und auch am nächsten, und am übernächsten. Irgendwann wird sie wohl verstaubt sein, die rotbraune Aktentasche.

Schätze sperrt man gerne weg und ist doch stolz auf sie, selbst dann, wenn man sie gar nicht mehr zu Gesicht bekommt. Und niemand von ihnen weiß, nur man selbst.

Erster Stolz, empfunden für einen Hahn, den ich im Kindergarten so schön und bunt schillernd gezeichnet hatte, dass er von der Kindergärtnerin gelobt wurde. Ein paar grobmotorischere Kinder wurden in der Folge dazu genötigt, sich neben mich zu setzen, um mein Meisterwerk abzuzeichnen. Grob(motorisch)es Schubsen und Nicht-Mitspielenlassen auf dem Spielplatz, am Nachmittag desselben Tages, war selbstverständlich eine rein zufällige, zeitliche Koinzidenz.

Aber ich spielte sowieso auch gerne auch alleine für mich.

Stilles Kichern, wenn ich an das kleine Mädchen denke, dass sich um 3 Uhr morgens schnell anzog, um ins Wohnzimmer zu huschen und mit den Weihnachtsgeschenken zu spielen, die das Christkind am Vorabend gebracht hatte. Das Erstaunen der Eltern, die gerade beim Frühstück saßen, weil der Vater eine Dienstreise antreten musste, war groß. Das kleine Mädchen wurde wieder zurück ins Bett geschickt und als es ein paar Stunden später erneut erwachte, war sein Vater bereits fort.

Kindheitserinnerungen aufschreiben?

Nein, lieber nicht. Was ich aufschreibe, kann ich getrost vergessen. Das kann ich ja dann immer nachlesen, das muss ich mir nicht mehr merken. Das Original im Kopf würde getrost in einem Archiv begraben, vor dessen Türe sich irgendwann so viele andere Erinnerungen türmten, dass man gar nicht mehr eintreten könnte.

Fürchte ich zumindest.

Also behalte ich meine Kindheitserinnerungen doch lieber für mich. Dafür haben Sie doch sicherlich Verständnis, oder?

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3 Gedanken zu “Kurzfilme und Schatzinseln

  1. Hat dies auf Mein Name Sei MAMA rebloggt und kommentierte:

    Als ich noch ganz klein war, war die Welt noch viel größer. Ich bin mir da ziemlich sicher. Gut, es könnte auch eine Frage der Perspektive sein oder der (verfälschten?) Erinnerung.
    Letztere sind manchmal auch das einzige, was noch übrig ist. Zum Beispiel von der eigenen Kindheit.

    Gefällt mir

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