Der Verdacht

Liebe LeserInnen,

mein Nachbar vom Planeten Dings nervt.

Seit er glaubt mit mir eine Verabredung für den Mitmachblog zu haben, nimmt er in regelmäßigen Abständen Kontakt zu mir auf.

Eben rappelt es an meiner Wohnungstür wie ein Hagelschlag. Mein Nachbar legt mit zwei Kinderskistöcken ein Trommelsolo hin. Die Skistöcke standen schon seit einigen Tagen für jedermann im Weg herum. Leider schaffen es manche Mitmenschen nicht, ihren Nachwuchs davon zu überzeugen, dass Wintersportutensilien spätestens bei der Abwesenheit von Schnee wieder in den Keller geräumt werden können.

Ich öffne die Tür. „Was?“

„Oh – ich wünsche einen guten Tag!“ Mein Nachbar schaut gespielt verwundert und stellt die Skistöcke zurück in den Haufen aus Schlitten und Plastikrutschdeckeln. „Warum so unwirsch?“

„Na hör mal, meine Tür ist doch kein Schlagzeug.“

„Ich wollte nur mal fragen, wie weit du mit dem Wochenthema bist?“

„Was war das noch?“

„Was verstehen wir eigentlich unter Behinderung?“

„So was da.“, sage ich und deute auf den Wintersportgerätehaufen.

„Weißt du was mir aufgefallen ist?“, mein Nachbar beugt sich zu mir und senkt seine Stimme, „Dieses mal hat es noch länger gedauert bis zu dem angeblich mehrheitlich gewählten Thema ein Beitrag erschien. Das ist doch komisch. Wenn eine Mehrheit das Thema gewählt hat, dann müssten doch die, die für das Thema gestimmt haben, geradezu darauf brennen, ihre Beiträge zu veröffentlichen. Aber was passiert? Nichts! Da hocken garantiert irgendwelche Trolle an ihren Rechnern und amüsieren sich wie Bolle, wenn wiedermal ein sperriges Wochenthema ausgerufen wird. Selbst schreiben die da gar nichts dazu. Die weiden sich nur an den Verrenkungen, die die anderen machen, die eigentlich ein ganz anderes Thema haben wollten.“

„Und hast du schon was geschrieben?“, frage ich ungehalten.

„Nö. Don’t feed the Trolls.“

„Wer wollte denn hier unbedingt was für den Mitmachblog schreiben?“

„Hm, ich könnte über diese unsägliche Gewohnheit der Leute schreiben, im öffentlichen Nahverkehr immer genau vor den Türen der Busse und Bahnen herumzustehen, so dass die Passagiere, die aussteigen wollen, gar nicht richtig aus dem Fahrzeug raus kommen. Da wo ich herkomme, hat es sowas nicht gegeben.“

„Da wo du herkommst, gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr.“

„Eben!“

Ich verdrehe meine Augen, mein Nachbar wendet sich zum Gehen und tritt gegen die Schlitten, welche daraufhin durch den Hausflur poltern.

„Behinderung.“, höre ich ihn noch murmeln.

Uneingeschränkte Grüße aus der Nachbarschaft

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6 Gedanken zu “Der Verdacht

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