Titel vergessen 

Ich als Heilerziehungspflegerin sollte eigentlich haufenweise schreiben können. Genau zu dem Thema, dass sich bezichtigt das Thema der Woche zu sein.

Eigentlich hatte ich auch vor, haufenweise zu erzählen. Aber irgendwie hat es mein Zeitliches Pensum überhaupt nicht zugelassen. Gar nicht. Natha.

Aber was soll ich denn schon groß erzähle? Für die einen ist es absolut befremdlich, treffen sie einen Menschen mit Behinderung auf der Straße. Der vielleicht Spastiken in verschiedener Ausführung hat. Vielleicht auch nicht sprechen kann und man als Außenstehender keine Ahnung hat, was derjenige gerade sagen will. Für mich absolut normal. Alltag. Arbeitsalltag.

Weshalb es mir vielleicht so schwer fällt, zu sagen, was für mich „Behindert“ ist. Ich mich vielleicht dann sogar noch ziemlich ärgere, wenn ich unterwegs bin (mit einem Bewohner) und von allen Seiten angegafft werde. Weil manche es einfach komisch finden. Das der oder die da im Rolli so „komisch“ aussieht.

Zwei Bewohner finden mich sogar inzwischen ziemlich amüsant. Sind wir in der Stadt unterwegs, Bewohner xy im E-Rolli, fange ich spätestens nach 15 Minuten zu Meckern an. Weil manche Passanten einfach total Rücksichtslos sind. Türen die einem vor der Nase zugeknallt werden, Menschen die einen halb über den Haufen rennen. Den Kopf schütteln, wenn man versucht beim Optiker, durch die kleine Tür zu kommen.

Andere kommen sofort gesprungen. Halten einem die Türe auf oder Fragen ob man Hilfe braucht.

Eigentlich weiß ich gar nicht so wirklich auf was ich raus will. Außer, dass wir wirklich froh drüber sein können, gesund zu sein. Wobei man das so auch nicht sehen kann. Habe ich für meinen Teil inzwischen festgestellt, das gerade die Leute mit den größten Einschränkungen, die fröhlichsten, zufriedensten und freundlichsten zu sein scheinen. Ganz zu schweigen wie aufgeschlossen sie sind. Wenn ich dann immer mal so überlege, und beobachte wie manche durch die Fußgängerzone schlappen. Könnte man gerade meinen, sie leiden an der Pest.

Auf der anderen Seite gibt es aber dann wieder diejenigen, die nicht von Geburt an eine Behinderung haben. War ich neulich mir eine Einrichtung anschauen, für Menschen nach Schädel-Hirn-Trauma. Menschen die ein Leben davor kennen. Ein Leben ohne Einschränkung und ohne Behinderung. Aufgrund eines Autounfalls. Alkoholmissbrauch und Co. Menschen die teilweise so alt sind wie ich. Bumms. Unfall. Hirnschädigung. Lähmungen. Rolli. Krankenhaus. Intensivstation. Wohnheim. Pflegefall. Klar im Hinterkopf, es gibt auch ein Leben ohne das ganze. Bumms und alles ist anders.

Einer der Bewohner sagte zu mir „Es könnte schlimmer sein. Aber sei Froh Gesund zu sein.“

Hm.

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