Die Leihgabe

23 Uhr. Es klingelt an der Wohnungstür. Wer kann das jetzt sein, um diese Uhrzeit?

Ein Blick durch den Spion und ich sehe eine mir unbekannte Person. Soll ich oder soll ich besser nicht öffnen? Wie kommt diese Person eigentlich ins Haus?

Ich öffne einen schmalen Spalt und frage: „Ja bitte?“

„Hallo. Ich bin der Nachbar von Karo-Tina. Du erinnerst dich? Ich glaube, sie ist ein bisschen genervt von mir, da habe ich gedacht, ich schaue mich mal nach anderen Nachbarn um.“

„Äh, aber… Karo-Tina wohnt doch in einer weit entfernten Stadt. Wie kommst du hierher?“

Die Frage lässt er unbeantwortet und fährt einfach fort: „Was verstehst du unter Behinderung? Du hast noch gar nichts zum Wochenthema beigetragen? Bist du etwa einer von den Trollen, die für ein Thema stimmen und dann nichts dazu sagen?“

Mir bleibt der Mund offen stehen. Welche Unterstellung! Ich like ein Thema dann, wenn ich auch was dazu schreiben will. ICH habe nicht für das sperrige Thema gestimmt.

„Weißt du, was ich hinderlich finde? Erstens, wenn die Leute an der Kasse nur drei Artikel haben, die auf das Band legen und dann immer genau daneben stehen bleiben, obwohl vor ihnen eine Lücke der Größe Madagaskars ist und ich meinen vollen Einkaufswagen schon anfangen könnte aufzuladen, was aber nicht geht, weil genau diese Leute so stehen, dass man nicht ans Band kommt. Schon gar nicht mit Einkaufswagen.

Zweitens behinderst du mich an der Ausübung meiner abendlichen Augenpflege. Es ist nach 23 Uhr und da klingelt man gemeinhin nicht bei wildfremden Leuten an der Tür, belabert und beleidigt sie und außerdem finde ich, du solltest nicht fremdgehen. Karo-Tina hat sich schon so an dich gewöhnt. Du hast hier nichts verloren. Mach das du schnellstens zurück kommst.“

Beleidigt wendet sich der Nachbar vom Planeten Dings des Aldente-Universums ab, stolpert über die eigenen Füße, jammert, zieht ein enttäuschtes Gesicht und verschwindet durch die Haustür. Na hoffentlich kommt er nicht wieder.

Liebe Karo-Tina Aldente: vielen Dank für deine Leihgabe, die ich gerne wieder zurück gebe. Ich hoffe, du bist nicht sauer, dass ich mir den Herrn entlieh, sondern eher amüsiert. Ich verspreche auch, es nicht wieder zu tun.

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4 Gedanken zu “Die Leihgabe

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