Öh, wie jetzt? Perlen?

Heute ist es soweit gewesen. Heute habe ich mich entschieden beim MitmachBlog mit zu bloggen. Tatsächlich hat es mich ein wenig Überwindung gekostet. So lange blogge ich schließlich noch nicht und wenn ich mir die anderen Beiträge durchgelesen habe, dann fand ich die immer wahnsinnig gut, geradezu professionell! Ja, die ein oder andere Perle hab ich schon unter den Schreiberlingen ausmachen können. Und ich? Ich bin nicht professionell. Ich bin neu. So richtig neu. Tatsächlich weiß ich nicht einmal wie man ‚rebloggt‘ und werde später, wenn dieser Text geschrieben ist, eben dies herausfinden müssen, damit ich mich an die Regeln halten kann.

Wie dem auch sei. Lange Rede kurzer Sinn … ich bin also auf die Seite, habe brav das Kontaktformular ausgefüllt und auf ‚abschicken‘ geklickt. Nach dem Einkaufen habe ich meine E-Mails gecheckt und durfte voller Freude feststellen, dass sich bereits eine Einladung für den MitmachBlog finden ließ. Ui! Draufgeklickt. Angenommen. Hurra! Hier bin ich!

Und was sehen meine müden Äuglein, als ich endlich nach einigem suchen durchblicke, was das Wochenthema ist? Genau. Perlen.

Öh. Wie jetzt? Perlen? Wieso denn ausgerechnet Perlen? Was schreibt man denn zu Perlen? Nein, anders. Was schreibe ICH denn zu Perlen? Denn ich möchte ja schließlich mir und meiner Person auch bei einem Mitmachblog treu bleiben können. Soll heißen, ich musste erst einmal darüber nachdenken, ob mir irgendeine Geschichte über das Thema Perlen einfällt, welche ich dann hier zum Besten geben könnte und (natürlich!) ob diese Geschichte dann auch irgendwie witzig wäre.

Zunächst ist mir zu Perlen rein gar nichts eingefallen. Ich musste nämlich ständig an meine Murmelsammlung denken, welche ich als Kind besessen hatte und die ich neulich in der Garage in einem Karton wieder gefunden habe. Murmeln. Ständig dachte ich an Murmeln. Aber das sind keine Perlen. Also habe ich mich sehr darum bemüht die Murmeln aus meinem Gedächtnis zu streichen. Mit … sagen wir … zweifelhaftem Erfolg.

Dann dachte ich an die Holzperlen, die ich mir vor einiger Zeit im Internet bestellt habe, weil ich der felsenfesten Überzeugung war, dass ich meinem Sohn dringend eine Schnullerkette selber basteln müsste. Die suche nach diesen Holzperlen hat mich drei Tage gekostet, weil … sie sollten farbecht sein, möglichst Bio und auf jedenfall schadstoffarm, damit mein Kind auch gefahrlos daran herumnuckeln kann, ohne an einer Acrylvergiftung zu sterben. Nachdem ich meine Holzperlen endlich gefunden hatte, musste ich zwei Wochen warten, bis sie via Post bei mir zu Hause angekommen sind. Ja und dann … dann habe ich sie zu meinem Bastelkram in den Schrank gelegt und dort liegen sie jetzt noch immer. Unangetastet. Und weit davon entfernt jemals eine Schnullerkette zu werden.

Schließlich bin ich beim Klischee angekommen. Nämlich den Schmuckperlen. Fakt ist aber, ich besitze keinen Perlenschmuck. Warum nicht? Einfach. Ich finde Perlen furchtbar häßlich und bin der Meinung, dass nur alte Menschen Perlen tragen sollten. Vielleicht auch noch Frauen mit Brille, einem Dutt und einem grauen Kostüm, wenn sie nebenbei den Beruf der Bibliothekarin (oder einen ähnlich klischeebehafteten Beruf) ausüben. Ansonsten? Nein. Eher nicht. Tatsächlich habe ich noch nie eine Frau gesehen, weder in der Realität noch in diversen Modezeitschriften, die Perlen getragen hat, wo ich hätte sagen können: „Oh! Das steht der aber gut“ und „Wow. Die sehen ja richtig toll aus.“ Leider nein. Gar nicht. Eher im Gegenteil. Für meine Augen wirken Frauen die Perlen tragen sofort alt. Es ist, als würde sich ein Film über das Gesicht der jeweiligen Person legen, dutzende Falten in die Haut hinein zeichnen und die Haare grau färben. Dasselbe Phänomen habe ich übrigens auch bei Knöpfen. Knöpfe und Perlen machen aus irgendeinem Grund alt. Daher ist beides ein no go. Also für mich! Jeder der es schön findet, der soll bitte so viele Perlen und Knöpfe tragen, wie er mag! Geschmäcker sind ja nicht umsonst verschieden.

Für einen sehr kurzen Augenblick dachte ich darüber eine Ode an die Perle zu verfassen. Habe das allerdings innerhalb weniger Sekunden direkt wieder verworfen.

Und schließlich kam mir endlich eine Erinnerung, von der ich nun der Meinung bin, sie in kurzform (sofern man bei mir überhaupt jemals von kurz sprechen kann) niederschreiben zu können und in der es tatsächlich um Perlen geht. Glasperlen um genau zu sein. Und hier kommt sie nun:

Weihnachten vor etwa 22 Jahren. Ich war 13 Jahre alt. Meine Mutter lammentierte. Sie hätte keine Lust auf Weihnachten. Und Geschenke? Wolle sie auch keine haben. Wenn aber doch, dann darf es ruhig etwas kleines sein. Nichts großes. Mehr wolle sie nicht. Punktum. Juhu! Dachten sich mein Vater und ich. Erstens bedeutete das, das wir nicht wie die Irren durch die Läden rennen müssten, um ein möglichst großes und ansprechendes Geschenk für meine sehr kritische Mutter ausfindig zu machen und zweitens hieß es, das unsere Geldbeutel geschont würden. Zusammen flanierten wir daher einige Tage vor Weihnachten, ziemlich stressfrei, durch einen typischen 08/15 Laden und schauten uns nach etwas um, was klein ist, meiner Mutter aber dennoch gefallen könnte. Ich entschied mich schließlich ganz spontan für eine Bodylotion und ein Schampoo mit Vanillearoma. Mein Vater kaufte eine Packung Kirschpralinen. Wir packten alles hübsch ein und stellten es unter den Weihnachtsbaum. Mission complete.

Weihnachten kam. Meine Mutter packte ihre Geschenke aus. ERROR! Mission failed! Alarmstufe rot! Zutiefst beleidigt und sehr gekränkt erklärte uns meine Mutter, sie würde postwendend ausziehen und nie wieder kommen, wenn sie uns nicht mehr als eine Bodylotion und ein Haarschampoo wert wäre und das wir uns warm anziehen könnten, wenn nicht spätestens im Januar zu ihrem Geburtstag nicht ein verdammt großes Geschenk vor ihrer Tür stehen würde. Ein bisschen ungerecht fand ich das ja schon. Bodylotion und Schampoo hatten mich nämlich mein komplettes Taschengeld gekostet. So viel zu: Es schont den Geldbeutel. Mein Vater kam ein wenig glimpflicher davon. Zumindest aus finanzieller Sicht. Meine Mutter aß nämlich aus lauter Frust die ganze Packung Pralinen alleine auf. Wobei sie jedesmal nach einer Praline lautstark über uns und unsere Undankbarkeit schimpfte.

Meinem Vater und mir war natürlich klar, dass meine Mutter durchaus in der Lage wäre ihre Drohung wahr zu machen. Nachdem wir eine Weile darüber phantasierten, wie ein Leben ohne meine werte Frau Mama wohl aussehen könnte, entschlossen wir, dass uns das für eine Weile sicher gefallen würde, aber auf Dauer nun auch keine Lösung wäre und daher ein besonders tolles und großes Geschenk zum Geburtstag gekauft werden müsste.

Wir machten Brainstorming. Dieses Brainstorming hielt bis zum Tag des Geburtstages meiner Mutter an. Wir gerieten in Panik. Uns fiel nichts ein! Sie hatte doch schon alles! Und was wäre wohl gut genug, um den fauxepaxe von Weihnachten auszugleichen?! Oh, dieser Leistungsdruck! (Ja, tatsächlich. Meiner Mutter ein Geschenk zu Weihnachten und Geburtstag auszusuchen, glich zu dieser Zeit in etwa dem Stress, den man kurz vor einer und vor allem während einer Matheprüfung durchstehen muss. Vor allem, wenn man keine Ahnung von Mathe hat.) Völlig aufgelöst schwänzte ich am Tag X die Schule und mein Vater seine Arbeit und wir rannten von Laden zu Laden. Stundenlang durchforsteten wir die Geschäfte, bis wir schließlich an einem Laden mit Dekomaterialien angkamen. Und was stand da im Schaufenster und strahlte uns an, als sei es der heilige Gral höchstpersönlich?!

Ein blaues Gestell aus Metall, beinahe so groß wie ich, mit einer ebenso blauen, riesigen Schale darauf. Das ganze umrahmt von grünem Plastikefeu. In der Schale Wasser, Schwimmaromakerzen und dutzende, blinkende Glasperlen in blau, türkis und grün. Der Preis? T-E-U-E-R! Mein Vater und ich tauschten nur einen einzigen Blick. Dann seufzten wir, legten unser Geld zusammen, betraten den Laden und waren wenig später im Besitz des blauen Ungetüms.

Wir stellten die Schale direkt im Flur auf, damit meine Mutter sie sehen würde, sobald sie von der Arbeit heimkommen würde. (Während ich noch ein Schleifchen drum band, sorgte mein Vater dafür, dass die Wohnung so aussah, wie sie auszusehen hatte, wenn das Kind brav von der Schule und der Mann brav von der Arbeit heimgekommen war.)

Um es kurz zu machen. Meiner Mutter freute sich riesig. Sie war augenblicklich verliebt in die Schale und vor allem in die Glasperlen. Sie verzieh uns das missglückte Weihnachtsgeschenk beinahe augenblicklich. Tatsächlich überdauerte das Gestell viele, viele Jahre. In diesen Jahren hatte meine Mutter eine riesige Freude daran ständig neue Glasperlen zu kaufen und sie je nach Jahreszeit oder Thema der Woche auszutauschen. Auch heute noch ist sie ein riesiger Fan von diesen Glasperlen. eine ganze Weile lang gab es in unserem Haus überall und an jeder Ecke irgendwelche Glasperlen zu Dekorationszwecken. Mit der Zeit ist ihre Glasperlensammlung zwar geschrumpft, aber man kann sie dennoch hier und da in ihrem Haus entdecken. Glasperlen, so ihre Meinung, sehen halt immer irgendwie hübsch aus.

Daher … ein HOCH auf die Glasperlen! Die haben meinem Vater und mir nämlich den Arsch gerettet!

 

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9 Gedanken zu “Öh, wie jetzt? Perlen?

  1. Ein sehr gelungener Einstieg. Weiter so.
    Ich konnte die Glasperlengeschichte sehr genießen, obwohl mir schleierhaft ist, warum man auf ein Geschenk besteht, wenn man schon alles hat…
    Aber das ist wohl mein ganz persönliches Ding.
    Ich kann es viel mehr genießen, wenn ich außer Zeit, nichts geschenkt bekomme.

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    1. Vielen Dank 🙂 Das ‚alles haben‘ bezieht sich eher auf die Dinge, die meine Mutter gern mochte. Ringe z.B. oder lieblings Parfüms. Als Kind war mein Verständnis, was man seiner Mutter so schenken kann, eher begrenzt. Bodylotion und Schampoo war’s zumindest nicht 😉

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  2. Respekt, ein gelungener Einstieg. Da bekommt man ja zwei Geschichten zum Preis von einer. Herzlich Willkommen. 🙂
    Und für mich bitte nur kleine Geschenke, wenn sie teuer sind. Perlen oder so. gg Ich habe mich vor allem über die Perlenketten-Nummer köstlich beömmelt.

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    1. ^^! Das ist der dramatische Hang immer alles von Anfang an erzählen zu wollen. Da kriegt man dann meist immer eine Portion extra oder sogar mehr als man haben wollte :p – Perlen verschenken ist ja auch gar kein Thema 😀 nur selber tragen mag ich sie nicht!

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