Prinzessin Kirschblüte

Diese Geschichte habe ich als Kind geliebt. Vielleicht weil ich im Kleidchen auf Bäume geklettert bin, am liebsten auf den Kirschbaum in Opas Garten.

Den Bezug zum Wochenthema hat die Geschichte eigentlich nur durch das Bild und selbst das sind eigentlich Tränen und keine Perlen. Aber das ist mir als allererstes zum Thema eingefallen und es gibt doch auch diesen Spruch, dass Perlen Tränen bedeuten würden.

Die Geschichte stammt aus „Das große Leselöwen-Geschichtenbuch“ von Jürgen Weidenbach und das Bild dazu ebenfalls aus dem Buch, illustriert von Ingeborg Haun.

Es lebte einmal ein alter König, der hatte eine bezaubernde Tochter: Clara. Sie war ihm so ans Herz gewachsen, dass er ihr jeden Wunsch aus den Augen ablas. An nichts an der Welt hatte Clara so viel Vergnügen wie an schönen Kleidern. Sie zog jeden Tag ein anderes an und wünschte sich immer neue dazu. Weil der Platz in dem Zimmer seiner Tochter längst nicht mehr ausreichte, hatte der König im Flur viele Schränke aufstellen lassen. Darin hingen nun blaue, gelbe und bunte Kleider, manche waren sogar mit Kristallen und Edelsteinen besetzt. Nur im letzten Schrank war noch ein wenig Platz. In einem Monat würde auch der Schrank voller Kleider sein.

Als Clara siebzehn Jahre alt wurde, sollte ein großes Fest gefeiert werden. Der König lud viele Gäste ein, vor allem natürlich Edelleute. Die Prinzessin wollte unbedingt die schönste Tänzerin sein und überlegte schon seit langer Zeit, was sie anziehen sollte. Sie ließen daher einen Schneider kommen. Die Prinzessin stellte sich vor einen Spiegel und probierte ein neues Kleid. Der König traute seinen Augen nicht, er sagte: »Du siehst aus wie eine Kirschblüte! Man sollte dich Prinzessin Kirschblüte nennen!«

Die Prinzessin sah in den Spiegel und meinte: »Aber was soll ich auf dem Kopf tragen?«

»Nimm dein silbernes Krönchen!« antwortete der König. »Es wird ganz allerliebst zu deinem Kleid aussehen.«

»Nein«, sagte die Prinzessin, »das silberne Krönchen gefällt mir nicht.«

Sie drehte sich um und lief schnell in den Garten. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Die Blumenbeete waren schon bunt, und alle Bäume standen in voller Blüte. Die Prinzessin spazierte überall umher und ließ ihre Blicke schweifen. Endlich blieb sie vor einem Kirschbaum stehen, dessen Zweige über und über mit weißen Blüten bedeckt waren.

»Das ist es, was ich gesucht habe«, sprach sie zu sich selbst. »Ich will mir ein Kränzchen aus Kirschblüten stecken.«

Sie wusste sehr gut, dass man blühende Zweige nicht abreißen darf. Aber das war ihr jetzt gleichgültig. Sie dachte nur daran, wie hübsch sie ausschauen wird. Schon streckte sie ihre Hand aus.

Da ging auf einmal ein Raunen durch das Gezweige und eine Stimme sprach:

Prinzesschen, verschone mich!
Prinzesschen, hüte dich!
Denn sonst verwandle ich
in eine Blüte dich!

Die Prinzessin schüttelte unwillig den Kopf: »Was soll der dumme Spruch?« fragte sie. »Da will mich jemand zum Narren halten.«

Sie griff voller Mut in den Baum und wollte einen besonders schönen großen Zweig abreißen. Kaum aber hatten ihre Finger ihn berührt, da verwandelte sie sich in eine große aufgeblühte Kirschblüte. Zart leicht und weiß sah sie zwischen den anderen Blüten. Man konnte sie beim besten Willen nicht von den anderen Kirschblüten unterscheiden.

Im Schloss herrschte natürlich große Aufregung. Niemand verstand, warum die Prinzessin verschwunden war. Der König ließ traurig das geplante Fest absagen und saß die ganze Nacht lang in seinem Thronsaal.

Einmal war ihm, als ob er von draußen ein leises Weinen vernähme. Er rief den Diener und ließ alle Fenster öffnen. »Woher kommt das Weinen?« fragte er.

»Es kommt aus dem großen Kirschbaum«, sagte der Diener. Der König ließ seinen Diener in den großen Baum leuchten. Aber zu seiner Enttäuschung fanden sie Clara, die Kirschblüte, nicht.

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