Der Aberer und sein Haberer

Der Aberer und sein Haberer* sitzen am Wirtshaustisch beim morgendlichen Bier und sinnieren über die Welt, die sie trübe aus ihren wässrigen Trinkeraugen durch das Fenster beobachten.

Der Aberer: „Aber ich lass mir von niemanden sagen, wann ich mein Bier trinke!“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, lallt: „Genau!“

Der Aberer: „Aber die Leute haben ja keine Ahnung.“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, lallt: „Genau!“

Der Aberer: „Aber wenn’s mich fragen würden, ich würde ihnen schon sagen, wie das wirklich ist … mit … mit … mit enfach allem.“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, lallt: „Genau!“

Der Aberer: „Aber die Frauen, die glauben immer sie wüssten alles besser. Die reden und reden und hören gar nicht zu. Und wenn sie anfangen zu denken … Ui! Das Denken – das sollen sie lieber uns Männern überlassen!“ [lacht kräftig und fängt an zu husten]

Der Haberer nickt stumm, trinkt, lallt: „Genau!“

Der Aberer: „Aber schau dir meine Alte an. Das hat sie jetzt davon.“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, murmelt „Mhm!“ Zur Kellnerin: „Noch zwei Bier!“

Der Aberer: „Aber das zahlst du. Ich bin jetzt g’rad nicht so flüssig“ [lacht kräftig und hustet beängstigend]

Der Haberer nickt und lallt: „Flüssig! Genau!“

Der Aberer: „Aber das hat ganz schön was gekostet. Eine Lawine, sag ich dir. Sei froh, dass du das nicht brauchst! Ein ewiger Junggeselle. Nur jung bist du halt nicht mehr!“ [lacht kräftig und hustet kurz]

Der Haberer nickt stumm, trinkt, murmelt „Mhm.“

Der Aberer: „So an die zehn Leute waren wir. Zehn. Weißt du wie viel die fressen? Unglaublich. Der Herr Pfarrer natürlich …“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, murmelt „Mhm!“

Der Aberer: „Aber gern hab ich sie schon gehabt, meine Alte. Es wird ganz schön still werden ohne ihr Gerede zu Hause.“

Der Haberer nickt stumm, trinkt, murmelt „Mhm!“

Der Aberer nickt stumm, trinkt.

Auf der Straße vor dem Wirtshaus hält eine Straßenbahn der Linie 71. Der Aberer und sein Haberer schauen den Leuten beim Aussteigen zu. „Zentralfriedhof“ steht auf der Anzeige über der Fahrerkabine. Die Garnitur setzt sich in Bewegung.

Schweigen.


Haberer: österreichisch Kumpel
Dialog ins Hochdeutsche übersetzt, zum leichteren Verständnis … und frei erfunden natürlich

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2 Gedanken zu “Der Aberer und sein Haberer

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