laber … l-aber

„It’s like words are your second language, sir“

Dieses Zitat aus Veep trifft es sehr gut. Was in der Serie als mißglücktes Kompliment an den Kandidaten für den Posten des Vice President (Dr. House Darsteller Hugh Laurie) daherkommt, ist in der Realität auch oft zutreffend: Manche Menschen vermögen andere mit Worten zu umgarnen. Sprache kann Emotionen entfachen. Sprache als Mittel der Beeinflussung. Fast so stark wie Musik. Nur Musik wirkt unmittelbar.

Sprache dagegen bedarf mitunter der Vermittlung, der Übersetzung. Die Verwirrung der Sprache wurde in biblischen Zeiten den Menschen als Strafe für ihren Hochmut auferlegt. Statt einem gigantischen Wolkenkratzer-Sightseeing-Highlight in Babel gibt es seither Fremdsprachenplagerei für alle kommenden Generationen von Schülern weltweit. Mag es sich  auch nur um ein Bild aus der Bibel handeln, so ist Sprache doch manchmal tatsächlich der Grundbaustein von Missverständnissen.

Das Aber ist ein ganz besonders feines Wörtchen in der deutschen Sprache. Es kann nämlich sowohl für „ja“ stehen als auch für „nein“.

Ein kleines Glossar:

Ja, aber …“ = eigentlich meine ich ’nein‘, aber es wäre unhöflich/unklug direkt zu widersprechen

Aber ja …“ = eigentlich habe ich keine Ahnung und wahrscheinlich wird es nicht so sein, wie du es dir wünscht, aber es wäre unklug das zu sagen

Aber nein …“ = eigentlich habe ich keine Ahnung und wahrscheinlich wird es genau so sein, wie du befürchtest, aber es wäre unklug das zu sagen

Nein, aber …“ = Nein, Punkt. Nach dem Aber folgen nur noch ein paar unwichtige Sachen, die das nackte Nein verbergen sollen

Aber nicht doch …“ = Bitte mehr davon, aber es wäre unchic mehr zu verlangen

Aber nicht doch …“ = Nein, bloß das nicht, aber es wäre unhöflich abzulehnen

Schauen wir doch kurz bei Frau Bla und Herrn Laber vorbei. Frau Bla arbeitet schon lange für Herrn Laber. Es ist Freitag, kurz vor 5 Uhr und der Streß der Arbeitswoche ist gebannt oder wird getrost auf Montag verschoben.

Herr Laber kommt aus seinem Büro und bleibt an Frau Blas Schreibtisch stehen. „Frau Bla, Kunde XY war sehr zufrieden mit den Unterlagen, die sie ihm geschickt haben. Da haben Sie wieder einmal ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet. Wirklich ausgezeichnet! Ohne Sie wäre das Projekt kein so großer Erfolg geworden …

Frau Bla errötet, greift verlegen an ihr straff zurückgebundenes Haar und meint in falscher Bescheidenheit: „Aber nicht doch, Herr Laber. Mein Beitrag war ja nur ein ganz kleiner.

Was sagt die gute Fee des Büros da? „Aber nicht doch.“ Was sie aber eigentlich sagen will ist wohl: „Ja, das Lob habe ich mir redlich verdient. Ohne mich wäre alles den Bach runter gegangen. Der Projekterfolg war MEIN Verdienst, MEINER!

Herr Laber ist in ausgezeichneter Stimmung und fährt fort: „Nein, nein. Frau Bla. Wirklich sehr gute Arbeit. Zur Anerkennung würde ich Sie gerne einmal zum Essen einladen.“

Frau Bla, umklammert einen vor ihr liegenden Kugelschreiber: „Aber nicht doch, Herr Laber. Das kann ich nicht annehmen …

Und was meint die gute Fee des Büros jetzt? Natürlich: „Um Himmels Willen, das letzte was ich möchte, ist einen ganzen Abend mit meinem Boss verbringen. Das ist MEINE Freizeit. MEINE!

Herr Laber schaut auf die Uhr. „Reservieren Sie doch für nächsten Freitag in meinem Lieblingsrestaurant einen Tisch für zwei. Sagen wir 19 Uhr, ja?“ und lächelnd entschwindet er.

Frau Bla, alleine: „Aber, aber, aber, ….Sch***

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3 Gedanken zu “laber … l-aber

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