Und was machen wir morgen?

Mein Mann und ich leiden unter einem stetigen Schlafdefizit. Dieses Schlafdefizit zeigt sich vor allem in der Art unserer Konversationen sehr deutlich. Sicherlich spielt auch unser Charakter eine nicht all zu kleine Rolle. Ebenso, wie unser Humor. Bei uns zu Hause kommt es aufgrund dieser Mischung zuweilen zu sehr kuriosen Plauderstündchen auf dem heimischen Sofa, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Der Tag war lang, das Kind liegt endlich im Bett und wir haben zu Abend gegessen.

Es ist 19:00 Uhr.

Mein Mann und ich liegen erschöpft auf dem Sofa und starren Löcher in die Luft. Wir beide reflektieren zunächst schweigend den vorangegangenen Tag und sinnieren nebenbei, wie wir den Abend verbringen werden. Räumen wir noch etwas auf? Oder schmeißen wir unsere Pc’s an? Ich könnte etwas lesen. Mein Mann könnte Hörspiel hören. Ich könnte das Geschirr spülen. Mein Mann könnte eine neue Ladung Wäsche in die Waschmaschine schmeißen. Aber erst einmal tun wir gar nichts.

„Ich habe übrigens die Lösung für das Namensproblem gefunden, sollten wir irgendwann wirklich noch einen Sohn bekommen“, sagt mein Mann plötzlich. Ich linse zu ihm hin.

„Ach ja?“, frage ich. Ehrlicherweise mit wenig Begeisterung, denn an ein zweites Kind denke ich derzeit eher selten.

„Ja. Wir nennen ihn Gotham!“

Wie immer verstehe ich den Witz im ersten Moment nicht. Gotham?! Gotham ist die Stadt in dem Batman wohnt. Und der Pinguin. Joker und …: „Auf keinen Fall!“, sage ich entrüstet.

„Doch. Und wenn er dann Nachts schreit, weckst du mich und sagst …Batdad … Gotham braucht dich!“

„Soll ich dann mit einer Taschenlampe das Batmansymbol an die Zimmerdecke leuchten?“, forsche ich nach.

„Nein“, sagt mein Mann ehrfürchtig. „Das Schnullersymbol!“

Ich lache und werfe ein Sofakissen nach meinem Mann. Daraufhin, erst einmal, wieder schweigen. Gedanklich bin ich bei der Überlegung angelangt, ob ich vielleicht einfach mal sehr früh ins Bett gehen sollte. Die Augen meines Mannes hängen mittlerweile ebenfalls auf Halbmast.

„Wir müssen aufräumen“, murmelt mein Mann.

„Nicht jetzt“, entgegne ich.

„Aber es ist sehr unordentlich hier. Das Bad muss geputzt werden. Das Geschirr in der Küche stapelt sich. Wir müssen saugen und hier müsste dringend der Boden gewischt werden.“

Bei der Aufzählung wird mir schwindelig. Spontan fühle ich mich noch müder und erschöpfter als ohnehin schon. „Morgen“, sage ich.

„Wir könnten zumindest das Wohnzimmer in Ordnung bringen. Was ist überhaupt mit dem Sofa passiert?! Hier liegen schon wieder alle möglichen Sachen, die hier gar nicht hingehören!“

Ich stöhne auf und lasse den Blick über das Sofa schweifen. Babywäsche. Kinderspielzeug. Spielwiese. Schnuller. Schnuffeltücher. Jacke und Schal. „Das gehört so“, sage ich.

„Nee“, erwidert mein Mann. „Was macht überhaupt deine Jacke hier. Die gehört hier nicht hin. Die gehört an den Kleiderhaken. Zu den anderen Jacken. Dort wird sie mit Sicherheit schon vermisst.“

„Das gehört so“, wiederhole ich. „Die Jacke führt eine erfrischende Liebesbeziehung mit dem Sofa. Sie zu trennen, das wäre herzlos. Ich bin nicht herzlos.“

„Quatsch. Das glaube ich dir nicht.“

„Doch. Sie haben sogar ein Kind.“

Mein Mann schnaubt. „Und wie soll dieses Sofajackenkind heißen?“

„Schal.“

Erneutes schnauben. „Niemals!“, meint mein Mann voll ehrlicher Empörung. „Hättest du Mütze gesagt, hätte ich dir vielleicht noch geglaubt. Aber Schal? Vergiss es!“ Er wuchtet sich hoch und greift sich die Jacke.

„Nein! Tu das nicht!“, rufe ich und schaffe es, mich halb aufzurichten, eine Hand in Richtung meines Mannes ausgestreckt. Er hört nicht. Hebt die Jacke an und … darunter kommen diverse Mützen, Schals, Babykleidung und ein halbvolles Fläschchen zum Vorschein.

„RÄH!“, stößt mein Mann hervor und starrt auf den unordentlichen Kleiderhaufen. „Was IST das?!“

Ich seufze. „Ein Schwächeanfall nach dem Spaziergang“, erwidere ich ehrlich. Mein Mann lässt die Jacke wieder auf das Sofa fallen. Das Ergebnis meines Schwächeanfalls verschwindet erneut darunter.

„Hast du wenigstens die Kaffeeflecken weggeputzt?“

Hä? Welche Kaffeeflecken. Ich denke nach und erinnere mich schließlich. „Könnte sein, dass ich beim dran vorbeilaufen einmal mit der Socke drüber gewischt habe. Zählt das?“

„Nein.“

Dachte ich mir.  Ich nehme mir vor, gleich, die Kaffeeflecken wegzuputzen. Ich vergesse es etwa eine Minute später wieder. Mein Mann allerdings auch. Der setzt sich nun wieder auf das Sofa. Ich nutze die Gelegenheit, frage nach seinem Tag und erzähle ein wenig von meinem Tag.

„… und dann hab ich noch Bachblüten-Tante getroffen. Als er sie gesehen hat, hat er wild mit den Ärmchen gewackelt. Ist das nicht lustig?“, beende ich meine Erzählung und warte auf eine Antwort. Die Antwort fällt in etwa so aus:

„Chhrrrr….Zzzzz….Chhrrr.“

„Schatz?“ Keine Reaktion. Mein Mann hat den Kopf auf einer Hand abgestützt. Sein Mund steht offen. Ein Speichelfaden tropft langsam in Richtung Sofakissen. Augen sind zu. „SCHATZ! Schläfst du etwa?!“, frage ich halb entgeistert, halb angesäuert, weil ich neidisch bin. Immer noch keine Reaktion. „Schatz! Du schläfst!“ Ich stoße ihn mit dem Fuß an. Endlich. ‚Es‘ zuckt.

„Hm?! Was? Nein! Ich habe nur die Augen ausgeruht!“

„Du lügst!“, sage ich. „Du schläfst!“

Als mein Mann die Augen öffnet, glaube ich ein knirschen zu hören, so zäh und langsam bewegen sich die Lider nach oben. „Du sagst ich bin Lügenärär?“

„Ja!“

„Gut.“ Er springt auf, schwankt. „Dann putzen wir jetzt!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nein! Du setzt dich jetzt an deinen PC und zockst! Und zwar so, wie das alle guten Männer tun würden.“

Skepsis zeigt sich im Gesicht meines Mannes. „Und was machen wir morgen?“

„Putzen“, lüge ich.

„Ehrlich? Ohne zu meckern?“, forscht mein Mann misstrauisch nach.

„Ja“, lüge ich gleich noch einmal. Ich mecker ganz sicher. Und mein Mann weiß, ich werde meckern. Aber mein Mann will es glauben. Ich weiß, dass er weiß, dass ich meckern werde und das er glauben will, ich täte es nicht. Und weil er es glauben will fügt er sich seinem Schicksal und schlürft zu seinem PC. Ich selbst werfe einen Blick zur Uhr.

Es ist 20:00 Uhr.

Das Plauderstündchen ist vorbei. Und wenn mein Mann morgen fragt, was wir an diesem Abend machen sollen, werde ich sagen:

„Dasselbe wie jeden Abend, Schatz. Wir werden versuchen die Weltherrsch … ich meine … Konversation zu betreiben.“

Und während ich die Treppe nach oben schleiche, um selber noch ein wenig an meinen Pc zu gehen, summe ich: „Der Pinky und der Brain … der Pinky und der Brain …“

 

 

 

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