Klartext mit mir selbst – ein Plauderstündchen

Hallo liebe Mitchmach-Blog-Gemeinde! Das Wochenthema ‚Plauderstündchen‘ passt mir gerade phänomenal. Denn in meiner aktuellen Situation berufe ich meinen inneren Rat (als da wären Angsthasen, Zweifler, Träumer, Realisten, Idealisten, Optimisten, Typen die auf mich wirken wie Gefängniswärter aus Stahl etc.) zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen und uns auf ein Vorgehen zu einigen. Diese ‚Plauderstunden‘ nehmen aktuell viel Zeit in Anspruch, was auch erklärt, warum ich in der Blogsphäre momentan doch noch sehr durch Abwesenheit glänze.

Für alle, die meinen Blog noch nicht kennen, eine kurze Erklärung. Meine derzeitige Situation lässt sich ziemlich korrekt mit dem Wörtchen ‚Scheideweg‘ überschreiben. Nach einer sehr schweren Phase, deren Beginn in meiner Entscheidung liegt, mich von Angst leiten zu lassen, habe ich nun eine zweimonatige Erholungs- und Heilphase hinter mir. Hauptbühne für das Schauspiel des letzten Jahres war meine Arbeitswelt. Ich musste, mal wieder, lernen (vielleicht, damit ich es jetzt wirklich endlich mal raffe), dass bestimmte folgendermaßen ablaufen: Wenn ich mir auf die Stirn schreibe ‚ich habe Angst zu klein, zu dumm und zu unfähig zu sein und ich nehme jetzt jeden Strohhalm, weil ich irgendwie überzeugt bin, nichts wert zu sein und deshalb ständig um meine Existenz fürchten muss‘, werden die Menschen dies als Aufforderung sehen, mir genau das auch zu zeigen. Oder anders ausgedrückt: wenn ich meinem RAS (einem Teil des menschlichen Gehirns das maßgeblich an der Filterung von Wahrnehmungsreizen beteiligt ist), dann wird mein RAS alle Menschen, Situationen und Informationen, die das Gegenteil behaupten könnten, von mir fern halten. Und so habe ich mir im letzten Jahr eine Zeit erschaffen, die geprägt war von Existenzangst, Mobbing und daraus folgend Depression. Mein Arzt hatte für mich die Reißleine gezogen, indem er mir richtiggehend verschrieb, mir einen anderen Job zu suchen. Ansonsten könne ich auf seine Unterstützung zukünftig nicht mehr zählen. Hört sich hart an, war aber genau der Tritt in den Allerwertesten, den ich brauchte. Es folgten, wie gesagt, eine Zeit von zwei Monaten, in denen Plauderstündchen im Innen und Außen meine Hauptbeschäftigung waren. Gestern war der erste Tag, an dem ich mich endlich wieder gesund, kraftvoll und – vor allem – so gefühlt habe, als wäre ich wieder ich selbst.

Und nun zum eigentlich Plauderstündchen, das ich eigentlich auf meinem Blog veröffentlichen wollte. Auch jetzt stehe ich wieder vor einem Dilemma. Das Leben fragt mich gerade: wie ernst sind Dir Deine neu gewonnen Entscheidungen? Bist Du wirklich bereit, für Deine Werte einzustehen, auch, wenn Du Dir dadurch Dein Leben schwerer machst? Bist Du bereit für Arbeitslosigkeit, wenn das der Preis ist, Deine Persönlichkeit nicht weiter zu kompromittieren? Bist Du bereit für Häme, Niederlagen und sonstige unschönen Erlebnisse, um wirklich das mit Deinem Leben anzustellen, was Du als dessen Sinn erlebst?

Um das herauszufinden, helfen ein paar einfache Fragen, die so ein inneres Plauderstündchen moderieren können.

  1. Wovor genau hast Du Angst? Was ist das aller-allerschlimmste, das Dir passieren könnte, wenn Du konsequent bist? Was wäre der absolut schlimmste Falls? Nun, als Kind habe ich häufig den Satz zu hören bekommen ‚Du wirst mal in der Gosse landen‘. Was viele nicht wissen, ein Kind sieht das nicht als Motivation oder als dahin gesagten Satz. Nein, ein Kind, sieht das, bis zu einem bestimmten Alter, sogar als Befehl. Zumindest, wenn ein Elternteil so etwas sagt. Dann denkt das Kind nämlich ‚das sind meine Eltern, die wissen das. Also haben sie bestimmt Recht damit und so wird es kommen‘. Kinder, die so etwas zu hören bekommen, befinden sich in einem totalen Zweikampf: dem Überlebenswillen, der uns allen sehr tief sitzt und kraftvoll in uns wirkt, und – solange nicht bewusst erkannt – der selbsterfüllenden Prophezeihung. Und so ist meine allergrößte Angst genau das. Obdachlosigkeit und absolutes Versagertum. Und der schlimmste Aspekt dabei, in meiner Welt, ist die Vorstellung, dass all die Menschen, die mich versucht haben, klein zu machen – all die, die mich gemobbt haben – all die, die mich unterschätzt und nicht ernstgenommen haben, sich die Hände reiben und sagen ‚ich hab’s ja immer gewusst! Große Klappe, nichts dahinter!‘
  2. Auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = juckt mich gar nicht / 10 = das Ende der Welt), wie groß wäre der Schaden? Ich habe mich hingesetzt und mich in das Szenario eingefühlt und war erstaunt, dass ich auf eine ganze 3 gekommen bin. Ein leicht resigniertes Achselzucken, würde ich es mal nennen. Denn: diese Menschen denken das eh, jetzt, früher und später. Es hat nämlich rein gar nichts mit mir zu tun, sondern mit ihnen selbst. Es sind Menschen, die sich bedroht fühlen, weil sie in sich selbst keine Größe erkennen können. Es sind Menschen, die unglücklich sind und selbst zu viel Angst, aus dem Hamsterrad ihres Lebens auszusteigen und sich darum auf keinen Fall vor Augen führen lassen möchten, dass das tatsächlich möglich ist. Es sind Menschen, die sich genauso klein und verängstigt fühlen, wie ich auch. Mit einem kleinem Unterschied: sie wissen es (noch) nicht und darum wissen sie auch nicht was sie tun. Und so sehr es mich schmerzen mag, ich bin nicht bereit, mich den Ängsten anderer zu unterwerfen.
  3. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Worst Case tatsächlich eintritt? Weit unter 5 Prozent, war meine erste Einschätzung. Vermutlich sogar noch niedriger. Ich bin kein Typ für Versagen, so krass sich das jetzt anhören mag. Ich bin ein Stehaufmännchen. Abgesehen davon, dass wir, GOTT SEI DANK!, in einem Sozialstaat leben und es mir in Wirklichkeit viel besser geht, als mir klar ist, bin ich nicht der Typ, der untätig bleibt. Wenn ein Weg nicht klappt, versuche ich einen anderen. Ich habe nie länger als einen Monat gebraucht, um neue Arbeit zu finden. Meine Vielbegabung und mein Mangel an Arbeits-Snobbismus werden mich schon in Lohn und Brot halten.
  4. Was kann ich konkret unternehmen, um befürchteten Schaden abzuwenden oder zu lindern? Seit einiger Zeit tut mein Kopf wieder das, was ich von ihm gewöhnt bin: er sprudelt Ideen hervor. Nicht alle sinnvoll, nicht alle realistisch, aber viele davon eben schon. Ich erkenne, dass ich nicht eingezwängt bin in meinem Möglichkeiten. Ganz im Gegenteil, viel mehr habe ich die Qual der Wahl, welchen Weg ich denn einschlagen sollte. Die ersten Schritte stehen fest.
  5. Was ist das Best Case Szenario? Ich finde einen Weg zu finanzieller Unabhängigkeit, der es mir erlaubt, meine Talente, Fähigkeiten und Persönlichkeit einzubringen, ohne mich selbst zu beschneiden.
  6. Wie groß ist der Gewinn auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = mehr Schaden als Gewinn / 10 = Jackpot!? Eine klare 9!
  7. Bin ich wirklich bereit einen Schaden einer gefühlten Stärke von 3 einem Gewinn von einer gefühlten Stärke von 9 vorzuziehen? NEIN!
  8. Worauf warte ich dann noch? Auf nichts mehr, ehrlich gesagt! Ich bin bereit!

Mein Plauderstündchen war sehr erfolgreich, alle inneren Persönlichkeiten ziehen gerade an einem Strang und so kann ich den Herausforderungen des Tages gelassen entgegen blicken. Dabei weiß ich: ich bleibe mir treu!

Für alle, die solche inneren Plauderstündchen auch mal ausprobieren möchten, eine solche Anleitung für innere Plauderstündchen gibt es viele. Zu meinem Geburtstag brachte mir meinen Freundin das Buch ‚Die 4-Stunden Woche‚ mit, woraus diese spezielle Anleitung kommt. Ähnliches findet sich aber auch in ‚Sorge Dich nicht – lebe!‚. Natürlich kann man auch für sich selbst diese 8 Schritte einfach mal nachgehen.

Und falls Ihr ebenfalls schon Erfahrungen mit solchen Übungen gemacht habt, würde ich mich freuen zu lesen, was Ihr davor, damit und danach, so erlebt habt. In diesem Sinne: eine erfolgreiche Woche an alle!

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