Cliffhanger

Die sechste Season ist vorbei. Natürlich mit Cliffhanger, der neugierig machen soll auf die Forsetzung. Was aber tun mit dem angefangenen Abend?

„Das war die letzte Folge“ sagt mein Mann.

„So, so. Witziges Ende.“ antworte ich. „Wie viele Staffeln kommen noch?“

„Nur noch eine. Dann ist es aus.“

„Endgültig?“ frage ich. „Weißt du schon wie es ausgeht?“

„Nein“ sagte er. „Sollen wir mal schauen, ob sie online schon verfügbar ist?“

Neugierig begeben wir uns zum Computer, um gleich darauf enttäuscht festzustellen, dass die nächste Staffel bislang nur mit einem amerikanischen Account geschaut werden kann.

„Die Amerikaner haben’s gut“ murmle ich. „Bis auf ihren Präsidenten, um den beneide ich sie nicht gerade. Wusstest du übrigens, dass es jetzt im Deutschen offenbar auch schon Seasons gibt. Da steht tatsächlich „Die sechste Season“ auf dem Cover von The Good Wife. Völlig unnötig das zwanghafte Denglisch dauernd. Cover, Cliffhanger, Season.“

„Hm“ antwortet mein Mann und tippt etwas am Computer. „Ich habe die siebte Staffel bestellt. Sollte nächste Woche da sein.“

Schweigen.

„Da können wir uns jetzt ja mal in Ruhe unterhalten“ sage ich. Nach einer kurzen Schrecksekunde fangen wir beide an zu lachen. Ach, was für eine Vorstellung: Eine normale Unterhaltung unter Erwachsenen, zu zweit, einfach so, nicht nur zwischen Tür und Angel und über Kinderlärm hinweg. Herrlich. Nachdem die letzten Lachtränen weggewischt sind und das letzte Grunzen verklungen ist, schweigen wir uns ein bisschen an. Ganz gemütlich.

Diese Ruhe. Wenn die Kinder erst einmal im Bett sind.

„Apropos Season. Was fällt dir zu Fünfte Jahreszeit ein?“

„Was soll das sein?“

„Na ja, das könnte der Fasching sein. Oder Weihnachten oder Ostern oder die Zeit vor dem Valentinstag. Heutzutage wird ja alles schon so lange vorher beworben, dass man wirklich das Gefühl bekommt, die Jahreszeiten in den Geschäften ersetzen die in der Natur.“ erkläre ich, mehr zu mir selbst sprechend als zu meinem Mann.

„Und wozu brauchst du das?“ fragt er.

„Auf dem Mitmachblog ist bald wieder ein neues Thema dran. Entweder „Die fünfte Jahreszeit“ oder „Plauderstündchen„. Aber ich glaube nicht, dass es Plauderstündchen wird. Worüber sollte man denn da schreiben? Das Schneethema ist Schnee von gestern. Jetzt wird es ja schon Frühling, eine der fünf Jahreszeiten.“

„Was schreibst du denn sonst auf dem Mitmachblog?“

„Lies es halt, dann weisst du es. Du könntest mir sowieso folgen, finde ich“

Mein Mann möchte schon etwas antworten, aber ich falle ihm – zuvorkommend wie ich bin – ins Wort: „Vermutlich will ich deine Kommentare gar nicht in geschriebener Form sehen. Die sind ja schon mündlich schwer zu ertragen. Woher ich meine Gelassenheit nehme, möchte ich auch einmal wissen. Wenn „Meine Tipps zum Bloggen“ gewinnt, könnte ich ja darüber schreiben, wie ich trotz Mann und der lieben Kinder den Verstand nicht ganz verliere. “

„Ach darf man auf dem Blog auch lügen?“

Ich schnappe nach Luft, aber bevor ich antworten kann, fährt er schon fort: „Auf deinem Heimatplaneten gibt es ja mindestens fünf Jahreszeiten. Eine für Launenhaftigkeit, eine für Jammerei, eine für … “ während mein Mann grinsend seiner Phantasie freien Lauf lässt, brodelt es in mir.

„Ach ja? Auf dem Planeten der Schwiegermütter herrscht jeden Tag ein Donnerwetter“ falle ich ihm schnippisch ins Wort. Schwiegermutterterritorium ist unser neutrales Schlachtfeld. Eine Mischung aus Schweiz und Schützengraben. Diese Grenze überschreite ich nur (und immer dann), wenn ich schnippisch sein will. Er nimmt es mit Humor und ich schieße mit Kanonkugeln auf Spatzen (wobei ich als tierliebender Mensch natürlich keinem Spatzen etwas zu Leide tun würde).

„Nur wenn die Schwiegertöchter zu Besuch sind“ gibt er sich schlagfertig.

Er hat immer eine Antwort parat und wenn sie keinen Sinn ergibt, sagt er sie trotzdem und bringt mich damit noch mehr in Rage. „Ich möchte wirklich einmal wissen, woher ich meine Gelassenheit nehme“ zische ich und balle die Hände zu Fäusten.

„Du meinst, wo du sie gelassen hast. Gelassenheit wie liegen gelassen“ entgegnet mein Mann mit dem sympathisch frechen Lächeln, weswegen ich ihn vermutlich geheiratet habe. „Ich bleibe immer ruhig. Du hingegen gehst wegen jeder Kleinigkeit in die Luft.“

Durch die Luft sausen, wie eine Hexe – fremder Planet – Schwiegermütter … Moment, da fällt mir eine Geschichte ein für die fünfte Jahreszeit.

„Ich schreibe noch schnell etwas, aber war nett, wieder einmal zu plaudern“ Mit diesen Worten rausche ich ab ins Arbeitszimmer zu meinem Computer. Platz da, alles aus dem Weg! Keine Zeit für ein Plauderstündchen! Soeben hat die fünfte Jahrezeit in meiner Phantasie begonnen.

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